Politik | Inland
22.03.2018

Syrien: Tausende Zivilisten verlassen Häuser in Ost-Ghouta

Assad auf dem Vormarsch: Hunderte Kämpfer und Zivilisten haben die Stadt Harasta verlassen.

Eine syrische Rebellengruppe hat am Donnerstag mit dem Abzug aus der umkämpften Region Ost-Ghouta begonnen. Dutzende Kämpfer der Gruppe Ahrar al-Sham verließen mit ihren Familien im Zuge einer Vereinbarung mit der Regierung die Stadt Harasta. Damit verbucht Diktator Bashar al-Assad einen weiteren Teilerfolg.

Das Staatsfernsehen berichtete, mehr als 800 Menschen, darunter dutzende Kämpfer, hätten an der Frontlinie zwischen den Rebellengebieten und dem Territorium der Regierung Busse bestiegen.

Flüchtende aus Duma

Auch anderswo in der Region Ost-Ghouta verlassen die Menschen massenhaft ihre Heimat. 1.500 Menschen sollen der Stadt Duma am Donnerstag in der Früh den Rücken gekehrt haben, am Vorabend sollen es 2.000 gewesen sein. Damit hätten in den vergangenen 24 Stunden mehr als 4.000 Zivilisten Duma verlassen.

Den Grenzübergang zwischen dem von den Rebellen kontrollierten Duma und den Regierungsgebieten passierten dutzende von Menschen. Einige trugen große Bündel mit ihren Habseligkeiten bei sich, andere kleine Kinder. Die Aufnahmezentren am Stadtrand von Damaskus seien überfüllt und schlecht ausgestattet, erklärte die Hilfsorganisation Norwegian Refugee Council (NRC). Einige Menschen müssten unter freiem Himmel schlafen. Manche der Vertriebenen hätten seit Tagen nichts gegessen.

Insgesamt sollen laut der staatlichen Nachrichtenagentur Sana rund 1500 Kämpfer mit 6000 Angehörigen die Stadt Harasta verlassen haben. Die Vereinbarung der islamistischen Rebellengruppe mit der Regierung von Assad war von dessen Verbündetem Russland vermittelt worden. Die syrische Armee geht mit Unterstützung der russischen Armee seit einem Monat gegen die Rebellenenklave Ost-Ghouta vor, die inzwischen zu 80 Prozent unter ihrer Kontrolle ist.

Assad kontrolliert immer größere Gebiete

Gemäß der am Mittwoch verkündeten Vereinbarung werden die Kämpfer in Rebellengebiete in der nordwestlichen Provinz Idlib gebracht. Mit dem Abzug dieser Rebellengruppe bleiben nur noch zwei Teile von Ost-Ghouta in der Hand von Rebellen: Die Stadt Duma im Norden und ein Gebiet um Samalka im Süden.

Die Situation der Einwohner soll dramatisch sein. Die Hälfte der Familie sollen nichts mehr zu essen und viele unter Krankheiten gelitten haben. Auch mit den Rebellen in Duma soll es Gespräche über die Räumung der Stadt geben.

Bei der Offensive auf Ost-Ghouta wurden laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte bereits mehr als 1400 Zivilisten getötet. Assad rechtfertigt die Offensive damit, dass die Rebellen aus Ost-Ghouta im Osten von Damaskus regelmäßig Raketen auf die Hauptstadt abfeuern. Am Dienstagabend wurden dabei 44 Zivilisten getötet.