27 Prozent der 15-Jährigen rauchen regelmäßig.

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Jugendschutz
01/04/2017

Suchtexpertin: "Müssen Zugang zu Tabak erschweren"

Gabriele Fischer lobt Vorstoß zu Tabakverbot für Jugendliche. Australien soll Vorbild für Maßnahmenpaket sein.

von Raffaela Lindorfer

Österreich, Raucherkammerl Europas: Der Anteil der Raucher ist mit 29 Prozent Spitzenwert; ebenso, dass 27 Prozent der 15-Jährigen mindestens ein Mal pro Woche rauchen. Österreich ist eines der wenigen Länder, in denen Minderjährige überhaupt Tabakwaren kaufen dürfen.

Familienministerin Sophie Karmasin (ÖVP) will das ändern und startet jetzt – zwei Jahre nach ihrem ersten Anlauf – einen zweiten Versuch: Und diesmal wird aus einigen Bundesländern, zuständig für den Jugendschutz, Zustimmung signalisiert. Der Kauf von Tabakwaren soll erst ab 18 Jahren erlaubt sein.

"Grandios", findet das die Medizinerin und Suchtforscherin Gabriele Fischer, und hofft auf eine baldige Umsetzung. Nächste Gelegenheit bietet die Konferenz der Jugendlandesräte am 30. und 31. März.

Jugendliche Experimentierfreudigkeit

Freilich würden Jugendliche trotz Verbots Wege finden, an Zigaretten zu kommen – viele zünden sich schon mit zwölf Jahren die erste an. "Aber wir müssen den Zugang erschweren, um endlich gegenzusteuern", ist Fischer überzeugt. Dass es laut Statistik mehr als die Hälfte der 14- bis 17-Jährigen zumindest einmal probiert haben, hält sie für einen Sonderfall: "Das fällt in die Phase der Adoleszenz, wo man alles Mögliche ausprobiert. Zwischen dem und regelmäßigem Rauchen liegt eine große Bandbreite."

Als internationales Vorbild nennt die Medizinerin Australien: "Dort hat sich gezeigt, dass eine Preiserhöhung das wirkungsvollste Mittel ist, dann die Altersbeschränkung und Rauchverbote." In Australien ist das Rauchen sogar in Justizanstalten untersagt – in Österreich wird da eine Ausnahme gemacht, während andere öffentliche Einrichtungen längst rauchfrei sind.

Im Musterland Australien rauchen nur 13 Prozent. Im US-Bundesstaat Kalifornien, wo die Altersgrenze im Sommer von 18 auf 21 Jahre erhöht wurde, waren es im Vorjahr nur etwa zwölf Prozent.

Rauchfreie Umgebung

Als wenig wirkungsvoll hätten sich die "Schockbilder" auf den Zigarettenpackungen erwiesen, erklärt Fischer: "Raucher gewöhnen sich an diese Bilder. Der Sinn dahinter ist, immer wieder darauf hinzuweisen, dass Rauchen der Gesundheit schadet." Jugendliche würden sich von derlei Argumenten aber wenig beeindrucken lassen. Was funktioniert, sei der Einfluss einer rauchfreien Umgebung, betont sie: "Sonst heißt es: Die rauchen eh alle." Nach dem Rauchverbot auf öffentlichem Boden, so auch in und um Schulen und Kindergärten, hat es sich ab 2018 auch in der Gastronomie ausgepofelt. "In den Nachbarländern sieht man, dass das allgemeine Rauchverbot funktioniert", sagt die Suchtforscherin.

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