Politik | Inland
24.07.2018

Strache will Schächtungen von Tieren aus dem Ausland stoppen

Vizekanzler spricht von "Schächtungs-Tourismus" aus Holland. Waldhäusls Pläne zur Erfassung koscheren Fleischs seien sinnvoll.

In der Diskussion ums Schächten meldete sich nun Vizekanzler Heinz-Christian Strache ( FPÖ) zu Wort. An seine Facebook-Fans schrieb er: „Schächten sollte generell ohne vorherige Betäubung verboten sein.“ Für dieses Posting, in dem Strache auf den Tierschutz verweist, erntete er mehr als 3000 Likes. Auf KURIER-Anfrage relativiert sein Büro den Vorstoß allerdings. Der Vizekanzler sei zwar gegen das Schächten, zeitnahes Betäuben sei aus religiösen Gründen aber weiterhin in Ordnung.

Oskar Deutsch, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG), sprach seinerseits in einem Facebook-Posting von einem „Zündeln der FPÖ“. Strache konterkariere nicht nur die Linie der Bundesregierung, sondern verbreite auch „Unwahrheiten“. Das sei „gefährlich“. Denn: „Schächten steht nicht im Widerspruch zum Tierschutz, sondern im Einklang damit. Es ist im Judentum verboten, Tiere zu quälen, aber die FPÖ-Propaganda behauptet einfach das Gegenteil.

Begonnen hatte die Posse um das rituelle Schlachten mit einem Brief von FPÖ-Landesrat Gottfried Waldhäusl, in Niederösterreich zuständig für Tierschutz, an die Kultusgemeinde. Man wolle feststellen, ob für Schächtungen „zwingend religiöse Gründe“ vorliegen und die Fälle erfassen. In der IKG fürchtete man eine Liste streng religiöser Juden und war alarmiert.

Von ÖVP-Minister Gernot Blümel und Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka ( ÖVP) hieß es daraufhin: Keinesfalls würden Juden registriert werden. Auch seien die bestehenden Gesetze zum Schächten ausreichend.

FPÖ: "Schächtzentrum Europas"

Betroffen wären von Waldhäusls geplanten Erfassungen jedenfalls Juden, nicht Muslime. Zwar gibt es in beiden Religionen Schächtungen. Im Islam kann für Halal-Fleisch die Betäubung aber vor der Schlachtung stattfinden. Bei Muslimen benötigt es daher keine Ausnahmeregelungen zum Tierschutzgesetz. Nach orthodoxer jüdischer Auslegung hingegen muss der Schnitt zuerst gemacht werden, sehr kurz danach wird das Schlachttier betäubt. 

Stehen Waldhäusls Erfassungsabsichten also der ÖVP-Linie entgegen? Nein, sagt man im Strache-Büro. Man wolle nur verhindern, „dass wir das Schächtungszentrum Europas werden“. Man orte nämlich einen „Schächtungstourismus“ vor allem aus Holland, von wo Lebendtiere nach Niederösterreich gebracht würden. Das wolle man stoppen. Daher sei es wichtig festzustellen: „Wie viel Fleisch brauche ich für die in Österreich ansässige Community? Das geht aber ohne persönliche Erfassung“, versucht man zu beruhigen.

IKG: Tiere nach langem Transport nicht koscher

In der IKG kann man die Darstellung über weite Tiertransporte in keiner Weise nachvollziehen. Wenn ein Tier koscher sein soll, seien lange Transporte ausgeschlossen, heißt es zum KURIER. In Österreich geschlachtete, koschere Tiere würden außerdem fast ausschließlich in Österreich gehalten werden.

Der FPÖ dürfte es beim sogenannten Schächtungstourismus“ allerdings vorwiegend um Schächtungen für Muslime gehen, wie auch der jüdische FPÖ-Abgeordnete am Mittwoch ausführte.

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