© Kurier / Juerg Christandl

Interview
11/26/2021

Strache: "Meine Rücklagen wurden von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt"

Der Ex-FPÖ-Chef über seine Autobiografie, warum er heute nicht mehr zurücktreten würde, und warum er einen Spendenaufruf machte.

von Ida Metzger

Kaum ein Ereignis konnte man medial so einprägsam mitverfolgen wie den Aufstieg und den Fall von Ex-Vizekanzler Heinz-Christian Strache. Warum braucht man dann eigentlich noch die Autobiografie "Das Ibiza-Attentat"? Strache argumentiert mit dem "alten römischen Recht", wo man sich auch immer "die andere Seite anhören sollte". Er ist heute nach wie vor überzeugt, dass „diese Gruppe, die dieses epische Video geplant hat“, schon seit "vielen Jahren tätig gewesen ist".

Schon seit 2013 hätte man ihm mehrere Fallen stellen wollen, die aber allesamt nicht aufgegangen sind. Bis Ibiza im Sommer 2017.

Heute bereut Strache seinen schnellen Rücktritt. "Ich wollte meine Position als Vizekanzler abgeben und Klubobmann bleiben, so wie es Sebastian Kurz jetzt gemacht hat. Das akzeptierte Kurz aber nicht. Er bestand darauf, dass ich alle Positionen aufgeben muss, damit die Koalition weiter besteht."

Und es ist selbstredend, dass Strache meint, dass das gesamte Video beweise, dass er nicht korrupt sei. Enttäuscht sei er von seinen Wegbegleitern, die sich allesamt von ihm abgewendet hätten. In der Autobiografie gibt es auch eine kleine Abrechnung mit Kickl & Co.

Mehr als 100.000 Euro

Aufhorchen ließ Strache diese Woche mit einem Facebook-Posting, in dem er schilderte, dass ihn die Anwaltskosten an den "Rand des Ruins gebracht" hätten, und in dem der Ex-Vizekanzler seine letzten Fans um eine Spende bat, damit er seine Verteidiger weiter beschäftigen könne. Ein Posting, dass ihm viel Häme eingebracht hat, hatte Strache doch als Politiker ein Bettelverbot gefordert.

Das sieht Strache anders. Er habe derzeit keine Möglichkeit, auf seinen "Notgroschen" zurückzugreifen, weil seine „Rücklagen wegen der Ermittlungen in der Spesenaffäre von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt wurden“. Darunter auch die Lebensversicherungen.

Die genaue Summe, die seine Verteidigung bis jetzt gekostet hat, möchte Strache nicht verraten, aber es sind "mehr als 100.000 Euro", sagt er im KURIER-Interview. "Seit zweieinhalb Jahren muss ich mich nun verteidigen. Da muss man weit über 200.000 Euro brutto verdienen, damit man sich die Anwaltskosten und auch noch den Lebensunterhalt leisten kann. Dann kommt man schnell an den Rand des Ruins", so Strache.

Ein Pflichtverteidiger kommt für den Ex-FPÖ-Chef nicht infrage, weil man da Privatkonkurs anmelden muss, bevor die Verfahrenshilfe genehmigt wird.

Trotz der Häme soll der Spendenaufruf so viel an Spenden gebracht haben, dass Strache dem Anwalt eine Anzahlung für die anstehende Nichtigkeitsbeschwerde für den Schuldspruch wegen Bestechlichkeit überweisen konnte. 

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