Das Team Stronach wird wegen ausständiger Honorare geklagt.

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Frank-Stronach-Show
08/31/2013

Stolpert Frank über sich selbst?

Das erste TV-Duell hat er verpatzt, sagen Experten. Wird Stronach nicht besser, vertreibt er seine Wähler.

von Paul Trummer

Vier Wochen vor der Nationalratswahl steht das Team Stronach vor einem zentralen Problem: Es sind Frank Stronachs TV-Auftritte. Der Milliardär und Parteigründer lieferte Donnerstagabend im ORF erneut einen bizarren Auftritt ab und machte das geplante Wahlkampfduell zur Stronach-Show.

Almosen

Als Sparringpartner diente ihm BZÖ-Chef Josef Bucher, den er mehrmals untergriffig attackierte. Er beschimpfte Bucher als Berufspolitiker und meinte: „Ich glaube kaum, dass du eine gute Stelle finden würdest.“ Auf Fragen ging er nicht ein, beklagte lieber die knappe Zeit. Am Ende verteilte er gar Almosen und sagte über Bucher: „Wenn er arbeitslos ist, geb’ ich ihm Geld.“

Schon kommende Woche trifft Stronach im TV auf Kanzler und Vizekanzler. „Das ist nicht der zwischenmenschliche Umgangston, den wir pflegen“, heißt es dazu aus dem Büro des Vizekanzlers. Im KURIER-Interview warnt Medienexperte Gerald Groß vor einer Wiederholung: „Den Bundeskanzler wie einen Rotzbuben zu behandeln wird nicht gehen. So etwas kommt bei den Menschen nicht gut an.“

Auch OGM-Meinungsforscher Wolfgang Bachmayer sieht den Wahlerfolg des Team Stronach durch solche TV-Auftritte gefährdet. „Wenn er in weiteren Debatten so verloren agiert, sehe ich die Gefahr, dass die Wählerbasis weiter sinkt.“ Profiteur sei die FPÖ: „Die Wählergruppen überschneiden sich stark. Wenn Stronach-Wähler einen schlechten Eindruck gewinnen, wechseln sie zu Strache.“ Natürlich gebe es Protestwähler, denen TV-Auftritte und Polit-Konzepte egal seien. Doch diese Gruppe sei klein. Allein das Duell gegen Bucher verfolgten bis zu 783.000 Menschen. Gegen den Kanzler sollten es mehr werden.

Bildschirm-Ende?

Stronach wirke manchmal überfordert, zu emotional, „ein Jahrzehnt älter als auf den Plakaten“ und wehleidig, urteilen die Experten. Groß: „Damit konterkariert er aber das angestrebte Macher-Image.“ Für die nächsten Debatten rät Groß: „Er muss sich mit den Konzepten vertraut machen, die man ihm geschrieben hat.“ Und auch Bachmayer rät: „Er muss Belege liefern, dass er nicht nur Überschriften hat.“

Ob Stronach sich beraten lasse, sei fraglich. Ist weniger Bildschirm-Präsenz sinnvoll? „Jetzt kann Stronach schwer zurück“, sagt Bachmayer. „Rückblickend wäre es aber klüger gewesen, Stronach hätte nur die großen Initialzündungen gegeben und er hätte politisch versierte Vertreter zu den Duellen entsendet.“ Nachsatz: „Die Frage ist, ob das sein Ego aushält.“

Neuer Anlauf

Bachmayer sieht das Team Stronach in Umfragen aktuell bei sieben Prozent. Von den elf, zwölf Prozent des Vorjahres könne keine Rede mehr sein. Im Team Stronach hingegen ist man überzeugt, dass es Stronach besser kann: „Frank ist eben echt, ein Mensch wie du und ich – mit vielen Ideen, Emotionen und Leidenschaft“, heißt es aus seinem Büro. Er sage stets, was er sich denke. „Die nächsten Gelegenheiten wird Frank dazu nützen, den Bürgern unsere wesentlichen Programmpunkte genau zu erklären.“

Eine Analyse der Konfrontation Josef Bucher gegen Frank Stronach gibt es hier.

Bucher-Stronach: Was gesagt wurde

ORF-TV-KONFRONTATION ZUR NR-WAHL 2013: STRONACH /

ORF-TV-KONFRONTATION ZUR NR-WAHL 2013: STRONACH /

Wahl 13

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ORF-TV-KONFRONTATION ZUR NR-WAHL 2013: STRONACH /

Wahl 13

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ORF-TV-KONFRONTATION ZUR NR-WAHL 2013: STRONACH /

ORF-TV-KONFRONTATION ZUR NR-WAHL 2013: STRONACH /

Auf Twitter wurde heftig mitgeredet

Stronachs Steuerspur verliert sich in Zug

Zug in der Schweiz wirbt mit überaus attraktiven steuerlichen Bedingungen für ausländische Firmen. Der kleinste Kanton hat nicht nur die niedrigsten Gewinnsteuern in der Schweiz (15 Prozent). Wohlhabende Ausländer, wie Frank Stronach, genießen außerdem ein besonderes Steuerzuckerl – die „Pauschalbesteuerung“.

Stronach ist in einer kleinen Wohnung in der Stadt Zug gemeldet. Die Schweiz war wohl nicht ganz zufällig Stronachs erste Station bei seiner Rückkehr nach Europa Mitte der 1990er-Jahre. 2012 reihte ihn das Schweizer Wirtschaftsmagazin Bilanz mit einem Vermögen von geschätzten 1,75 Milliarden Franken (rund 1,4 Mrd. Euro) auf Platz 82 der 300 reichsten Schweiz er. Obwohl er österreichischer und kanadischer Staatsbürger ist.

Doch auch eine andere Rechnung hat viele Unbekannte: 19 Millionen Euro lieferte Stronach hierzulande in den letzten 15 Jahren an den Fiskus ab. Doch wie viel er in Kanada und in der Schweiz an Steuern zahlt, verschweigt der Magna-Gründer beharrlich.

Steuerexperten vermuten einen simplen Grund: Stronach zahle – für seine Verhältnisse – ein wenig Steuer in Kanada, ein wenig Steuer in Österreich und sein wirkliches Welteinkommen (aus Pferderennbahnen, Sportwetten, Magna-Dividenden, Beratungen, Vermietung etc...) laufe in Zug in der Schweiz zusammen.

Denn dort wird für Ausländer mit Wohnsitz und ohne Erwerbstätigkeit die sehr geringe und verhandelbare Pauschalsteuer auf die Lebenserhaltungskosten (vor allem die Miete für die Wohnung) eingehoben – nicht auf das tatsächliche Einkommen oder Vermögen. Das fließt laut Züricher Tagesanzeiger aber ohnehin auf die Kanalinsel Jersey weiter. Gut möglich also, dass im Wahlkampf der Druck auf Stronach steigt, doch noch für echte Transparenz in seinen Finanzen zu sorgen.

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