Politik | Inland
24.03.2017

Bei Manner mag man eben auch den Arbeitsinspektor

Sozialminister Alois Stöger zeigte sich bei einer Inspektionstour vor dem Arbeitnehmerschutz-Gipfel offen für Reform-Light.

Bevor es in den Produktionsbereich mit seinen vielen Maschinen und Förderbändern geht, heißt es zunächst Sicherheitsschuhe anziehen.

Natürlich nicht irgendwelche Schuhe. Das Spezialmodell wurde eigens ausgesucht, es passt perfekt zum Industrieboden der Rutschklasse R11. Das Besondere daran: Der Bodenbelag ist nicht zu rau, damit er leicht zu reinigen bleibt. Und er ist auch nicht zu glatt, damit kein Mitarbeiter ausrutschen kann. So will es der Arbeitnehmerschutz, und Herbert Birkner lächelt zufrieden.

Zusammenarbeit mit Arbeitsinspektorat

Der zuständige Arbeitsinspektor für den 17. Wiener Gemeindebezirk, wo der Traditionsbetrieb Manner vor wenigen Jahren um 40 Millionen um- und ausgebaut hat, ist voll des Lobes für die Kooperation mit Management, Architekten und Sicherheitsfachkraft, die schon vor dem eigentlichen Umbau begonnen hat.

Aber auch umgekehrt streicht Manner-Finanzchef Albin Hahn die "lösungsorientierte Zusammenarbeit" mit Birkner mehrmals positiv hervor. Er kenne auch andere Arbeitsinspektoren, jene mit "Sendungsbewusstsein", wie Hahn formuliert. Die Sicht des Finanzers auf die Kosten des Arbeitnehmerschutzes: "Man muss entgegenhalten, was Krankenstände kosten. Gesunde Mitarbeiter sind günstiger und letztlich auch zufriedener."
Anlass des Gesprächs ist ein Besuch von Sozialminister Alois Stöger, der sich vor einem heutigen Reformgipfel im Wirtschaftsministerium inhaltlich warm läuft. Das geht bei Manner perfekt.

Der erfolgreiche Waffelspezialist überlässt beim Arbeitnehmerschutz, bei der Lebensmittelsicherheit und den erforderlichen baulichen Maßnahmen nichts dem Zufall. Auflagen musste Arbeitsinspektor Birkner keine erteilen, Manner hält alle Vorschriften – Lärmschutz, Barrierefreiheit, Hygiene, Licht, Temperatur und vieles mehr – fast lehrbuchmäßig ein.

Tageslichtkonzept

Hoher Aufwand wurde für das Tageslichtkonzept in dem ehemaligen Vierkanthof aus 1892 getrieben. Oder die Investitionen in die Klimatisierung einer Halle, in der der im Inneren 160 Grad heiße Waffelofen steht – der größte der Welt. Oder das Thema Brandschutz: Weil im Stiegenhaus historische Glasziegel verlegt waren, die bei großer Hitze schmelzen würden, wurde ein neues Stiegenhaus gebaut. Nicht nur Stöger ist beeindruckt.

Inhaltlich ist der Minister nach der "Waxing-Posse" um Ex-Miss Katja Wagner und den Auflagen für ihre "Beauty Bar" bereit, die eine oder andere sanfte Reform beim Arbeitnehmerschutz mitzutragen. "Das darf aber nicht auf Kosten der Sicherheit gehen", sagt Stöger. Einig ist man sich in der Regierung über die Abschaffung diverser Melde-, Informations- und Aufzeichnungspflichten. Stöger sagt in Richtung Mitterlehner: "Aber wenn es schon um die Entrümpelung und Entbürokratisierung geht, dann muss auch die Gewerbeordnung Thema sein."