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Remus-Vorstand Zöchling: „Dann hack’ ich Dir die Finger ab“

Der #Zusammenstärker-Initiator über die Wirtschaftskammer Wien, warum sie ihn an die Cosa Nostra erinnert und was Jörg Haider erreicht hat. In der Causa Ruck hat den Unternehmer der „Nicht-Aufschrei der Frauen“ überrascht.
Stephan Zöchling

Mit WKO-Präsidentin Martha Schultz sei er „laufend in Kontakt“, Walter Ruck sei „ihm wurscht“, denn seine Kritik richtet sich an alle Kammern: Im Podcast spricht Stephan Zöchling, CEO von Remus, über das fehlende Vier-Augen-Prinzip bei ORF und ÖBAG, über die Unternehmerfeindlichkeit von Andreas Babler, Harald Mahrers Telefonnummer und den „Nicht-Aufschrei“ der Frauen.

KURIER: Gäbe es im Pass eine Berufsbezeichnung : Was stünde bei Ihnen?

Stephan Zöchling: Unternehmer.

Sie sind CEO von Remus, in zahlreichen Aufsichtsräten, Initiator von #zusammenstärker. Was ist Ihre Hauptbeschäftigung?

Meine liebste Beschäftigung ist Vater von drei Töchtern zu sein. Der Rest ist die Leidenschaft und Beschäftigung mit Dingen, die das Leben interessanter machen. Aber es ist eine herausfordernde Zeit in der Automobil- und Zulieferindustrie, die uns alle fordert.

War die Wirtschaftskrise der Ausgangspunkt für ihr politisches Engagement?

Nein, der Ausgangspunkt war die EU- und Nationalratswahl 2024, in der eine starke FPÖ vorhersehbar war und wir irgendwann an meinem Küchentisch – eine andere Leidenschaft von mir ist Kochen – gesagt haben, es muss etwas passieren.

Kurier.Live - Business. Frauen. Zukunft

Das alles ist in eine Plattform gemündet, die eine Farbe hat, begleitet wird von Philipp Maderthaner, den wir von seinem Engagement für Sebastian Kurz kennen ...

... da muss ich Sie korrigieren. Das Campaigning Bureau ist von Maderthaner gegründet, aber von ihm verkauft worden. Er hat eine Konkurrenzklausel, darf mich also gar nicht begleiten oder beraten. Das macht das von ihm aufgebaute Team im Campaigning Bureau – und da haben Sie schon recht: Die haben viel mit Sebastian Kurz zusammengearbeitet. Den ersten Aufschlag bei der Nationalratswahl 2024 haben wir überparteilich gestaltet. Da waren auch Unternehmerinnen wie Brigitte Ederer, Elisabeth Gürtler und Susanne Riess-Hahn oder Stefan Sengl, der Heinz Fischer gemanagt hat, dabei. Und dann war da halt das Thema Wirtschaftskammer.

Harald Mahrer am 9.11. Er tritt als OeNB-Präsident zurück

Harald Mahrer am 9.11. Er tritt als OeNB-Präsident zurück

Warum ist Ihnen ausgerechnet die Wirtschaftskammer ein derartiges Anliegen?

Es ist dieses Kammerunwesen, das wir in Österreich haben. Dem Grunde nach geht es um die Kammern. Es ist kein singuläres Problem der Wirtschaftskammer, die gerade so präsent ist, weil wir dort einen Skandal rund um Walter Ruck haben. Es geht darum, dass wir in der Wirtschaftskammer 44 Vizepräsidenten haben und dieselbe Struktur können Sie copy-paste auf die Arbeiterkammer und auf die Ärztekammer umlegen. Die Skandale in der Ärztekammer sind ja auch himmelschreiend. Manche sprechen von mafiösen Strukturen – von einem freien Markt oder Transparenz sind wir auch in der Ärztekammer Lichtjahre entfernt. Dieses System der Kammern entzieht dem österreichischen Mittelstand, den Ärzten, Architekten, Anwälten, Unternehmerinnen und Unternehmern jedes Jahr 1,5 bis 2 Milliarden Euro. Die fehlen dem Mittelstand, weil sie in Form von Zwangsgebühren in diese Kammern fließen und dort versickern. Ein Closed Shop an Leuten lebt gut davon. Vielleicht hat das in den 1960er und 1970er-Jahren im Sinne der Sozialpartnerschaft noch Sinn gemacht, aber im Jahr 2026 erinnert das eher an Kalabrien als an Sozialpartnerschaft.

Alles, was Sie sagen, würde auch der ein oder andere Freiheitliche den Kammern attestieren ...

Ich bin der Meinung, dass man demokratisch legitimierte Parteien ernst nehmen muss. Wir haben immer versucht, Lösungen zu präsentieren – das unterscheidet uns ganz wesentlich von den Freiheitlichen. Ich sehe mich auch nicht als politische Partei, sondern als eine gesellschaftspolitische Bewegung. Gleichzeitig muss ich sagen, dass die FPÖ manche Dinge aufgezeigt hat in der Vergangenheit: Wir erinnern uns an Jörg Haider, die Arbeiterkammer, den Fall Rechberger, der damals als Arbeiterkammerdirektor 288.000 Schilling Gehalt pro Monat erhalten hat und das berühmte Taferl von Haider im Duell mit Vranitzky. Unter Haider wurde vieles aufgebrochen.

War der Rücktritt von Harald Mahrer als Wirtschaftskammerpräsident Österreich (WKO) der Ausgangspunkt, warum der öffentliche Diskurs jetzt ein anderer ist?

Schauen Sie: Auch Sepp Schellhorn war, bevor er Staatssekretär wurde, einer der größten Kritiker der Wirtschaftskammer und das zurecht. Im November 2025 kamen bestimmte Zahlen, Daten und Fakten ans Tageslicht, die auch mir persönlich so nicht bewusst waren: Dass die WKO 5.800 Mitarbeiter hat, dass jeder Arbeitnehmer in Österreich 11 Euro pro Monat an Zwangsmitgliedschaft leistet. Vielleicht gingen auch um 5 Euro oder um 6 und nicht um 11 Euro. Wir haben auch in der Arbeiterkammer Strukturen, die einfach nicht mehr zeitgemäß sind.

Zum Beispiel?

Dieselben neun Länderkammern, Direktoren ohne Ende, die absurde Gehälter kassieren.

Feature: Arbeiterkammer

Was ist für Sie ein absurdes Gehalt?

Wenn ein Arbeiterkammerpräsident in einer Länderorganisation 22, 23, 24.000 Euro brutto verdient, dann finde ich das absurd hoch. Wenn ein Generalsekretär in der Wirtschaftskammer das verdient – in einer Bundesorganisation mit einem Budget von 1,2 Milliarden Euro – dann finde ich es gerechtfertigt, weil das eine wirkliche Managementaufgabe ist. Für einen Direktor der Arbeiterkammer in Salzburg oder in Oberösterreich, der nur für das Bundesland verantwortlich ist, ist es einfach eine massive Überzahlung.

Zur Causa Ruck: Hat es Sie überrascht, dass die ÖVP Walter Ruck ausgeschlossen hat, der Wiener Bürgermeister ihm aber die Stange hielt?

Ich glaube, man muss das trennen: Die Männerfreundschaft des von mir geschätzten Michael Ludwig zu Herrn Ruck ist seine Sache. Die möchte ich gar nicht kommentieren, weil das eine Privatangelegenheit ist. Aber ich bin eben Zwangsmitglied in einer Wirtschaftskammer. Dort sitzt ein Präsident, der all die Dinge, die publik sind, nicht widerlegt hat. Also muss man davon ausgehen, dass sie alle stimmen. Ich weiß von vielen Gesprächen mit Funktionären oder ehemaligen Funktionärinnen der Wiener Wirtschaftskammer, wie es dort zugeht. Und wie gesagt, das erinnert eher an die Cosa Nostra als an die Wirtschaftskammer.

++ ARCHIVBILD ++ CAUSA RUCK - WIENER WK-CHEF VOR PARTEIAUSSCHLUSS AUS ÖVP

Wie geht es da zu?

Eine hochrangige Funktionärin hat mir gesagt, sie hat im Gespräch mit ihm (Ruck, Anm.) widersprochen und gesagt, das werde ich so nicht tun. Und dann hat er zu ihr gesagt: „Du wirst das sehr wohltun, sonst hack’ ich Dir die Finger ab.“ Das sind alles so Sachen, wo ich sagen muss: Das hat im Jahr 2026 nichts verloren. Was mich wirklich überrascht hat, das ist der Nicht-Aufschrei der Frauen und der Nicht-Aufschrei der Funktionärinnen. Ich habe versucht, viele Frauen zu motivieren, auch überparteilich und aus Führungspositionen in Politik, Medien, Kunst, Kultur öffentlich zu sagen: „Das kann wohl nicht ernst sein.“ Das kann auch nicht im Sinne des Herrn Babler, nicht im Sinne der Herrn Stocker, nicht im Sinn des Herrn Van der Bellen sein.“ Immerhin reden wir hier über eine Organisation, wo wir alle Zwangsmitglieder sind. Da hätte ich mir erwartet, dass ein paar prominente Frauen ihre Stimme erheben, haben sie nicht getan.

WIRTSCHAFTSKAMMER WIEN (WKW): "FRÜHLINGSERWACHEN IM SCHANIGARTEN 2025" - RUCK/LUDWIG

Worauf führen Sie das zurück? Bei anderen Themen gibt es schnell mal einen gemeinsamen Brief.

Ja, so ist es. Ich habe Antworten von Politikerinnen bekommen, die ich gebeten habe, sich einzubringen. Die haben mir zurückgeschrieben: „Ich bin auf Urlaub“. Es ist wirklich erstaunlich.

Erstaunlich oder beschämend?

Beides. Ich glaube, es zeigt einfach nur die Verlogenheit unserer Gesellschaft. Wir feiern alle großartig und zurecht, den 8. März, den Weltfrauentag, und halten uns den Gender-Pay-Gap vor und ich weiß nicht, was noch wir uns noch permanent vorhalten, nachsagen und vorwerfen, wo wir Frauen schlecht behandeln. Dann hätten die Frauen eine gute Gelegenheit aufzustehen und zu sagen: „So, liebe österreichische Bundesregierung, es ist jetzt an der Zeit, diese Strukturreformen auch dahin gehend anzugehen, dass man jemanden wie den Ruck absetzen kann.“ Noch einmal: Der steht jetzt einfach für ein System. Ich kenne den Herrn Ruck nicht einmal, – der ist mir auch wurscht, aber es zeigt, welche Strukturprobleme wir haben.

Weil Sie jetzt immer Beate Meinl-Reisinger außen vorgelassen haben, müsste sie oder Martha Schultz jeden Tag draußen stehen und sagen: „So sind wir nicht“?

Das war meine Erwartungshaltung und meine Hoffnung. Es gibt auch bekanntermaßen eine Chefin der Grünen, Gewessler, und Edith Hlawati als Chefin der ÖBAG und viele andere sehr erfolgreiche Frauen, von denen ich gedacht hätte, sie tun sich zusammen und sagen: „Jetzt reicht's.“

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