Politik | Inland
04.09.2018

Digitale Schule: "Es soll an allen Standorten Tablets geben"

Maserplan Digitalisierung: Ex-Bildungsministerin Hammerschmid sieht Kosten von 320 Millionen.

Heute, Mittwoch, fällt der Startschuss für ein Großprojekt der Regierung: die Einführung des digitalen Klassenzimmers. Statt Tafel und Kreide sollen vermehrt Laptop und Tablet in die Klassenzimmer einziehen.

Zuvor müssen aber die Schulen mit einem leistungsstarken Zugang zum Internet verkabelt werden. „Das ist der erste Schritt“, sagt Kanzler Sebastian Kurz zum KURIER. „Es geht nicht nur darum, Kabel zu verlegen und Computer anzuschaffen.“

Als zweiten Schritt müssen die Lehrer weitergebildet werden, damit sie die digitalen Hilfsmittel in den Unterricht integrieren können und die Lehrpläne um die digitalen Inhalte ergänzt werden. Kurz: „Wir müssen die Lehrer dabei begleiten.“ Nicht zuletzt muss eine Software-Entscheidung getroffen werden. Das sei schwierig, meint Kurz, denn der Großteil der Schüler werde später im Erwachsenenleben vermutlich bei der Software, die in der Schule benutzt wurde, bleiben.

In welcher Altersstufe mit dem digitalen Klassenzimmer begonnen wird, ist gerade Gegenstand von Erhebungen. Das Bildungsministerium wertet internationale Erfahrungen aus, in welcher Altersklasse der Einstieg am sinnvollsten ist, sagt Kurz. Sinn des digitalen Klassenzimmers sei, die digitalen Fähigkeiten der Schüler zu fördern, denn „Facebook und YouTube kann jeder“. Das genüge nicht, um an die Weltspitze zu kommen. Grundsätzlich sollten die neuen technischen Möglichkeiten in allen Fächern genutzt werden, um zum Beispiel Biologie anschaulicher oder Geschichte erfahrbarer zu machen.  

An allen Schulstandorten wird es Tablets geben, sagt Kurz. Wie diese finanziert werden, sei aber  noch  Gegenstand von Verhandlungen

Bis 2022, also bis zum Ende der laufenden Legislaturperiode, will der Kanzler das digitale Klassenzimmer möglichst flächendeckend umgesetzt haben.

Faßmann bemängelt früher fehlende Systematik

Bildungsminister Heinz Faßmann wird heute dem Ministerrat  den Plan vorstellen. Nicht abschließend geklärt sei, wie und in welcher Form digitale Inhalte und Instrumente in den Unterricht einfließen sollen. So habe  die OECD im Rahmen einer PISA-Zusatzauswertung herausgefunden, dass die Verfügbarkeit entsprechender Geräte nicht automatisch zu besseren Lernergebnissen führen würde.„Es gibt hier keine simplen Zusammenhänge, mehr Digitalisierung – bessere Lernerfolge“, sagt Faßmann. Und er kritisiert seine (SPÖ-)Vorgängerinnen im Ressort scharf: „Bis dato gab es unzählige Projekte und Einzelinitiativen, systematische Gedanken haben sich die Vorgängerinnen nicht gemacht.“

Ex-SPÖ-Bildungsministerin Sonja Hammerschmied ist darüber wenig erfreut. Sie verweist auf eine fertige Strategie „Schule 4.0“ vom Jänner 2017  – inklusive der damals errechneten Kosten: 100 Millionen Euro für Breitband an den Schulen, 160 Millionen für Tablets und Laptops und 60 Millionen für die Wartung der Netze.