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Politik | Inland
05/26/2019

Starkes Comeback für die Grünen

Kogler will „nun einmal nach Brüssel“, Kandidatur bei Nationalratswahl lässt er offen.

Reinkommen!“

Mehr wollte Werner Kogler gar nicht. „Reinkommen“, das ist für die Grünen seit der desaströsen Nationalratswahl 2017 keine Selbstverständlichkeit mehr. Aber „reingekommen“ sind sie am EU-Wahlsonntag. Und sie könnten sogar mit drei Mandaten drinnen sein.

Bei der ersten Trendprognose gab es minutenlangen Jubel im Wiener Metropol; dann, als Stunden später das vorläufige Ergebnis kam, waren die Grünen endgültig in Ekstase. Was zum Teil an Klängen wie „We’re going to Ibiza“ und Vodka-Bull im Wiener Metropol lag (#ibizagate).

14 Prozent, das ist nur etwa ein halber Prozentpunkt weniger als das Rekordergebnis bei der EU-Wahl 2014 (14,5) und zehn mehr als bei der Nationalratswahl 2017 (3,8). Der Slogan "Zurück zu den Grünen" ist aufgegangen - mehr als das. Damit hätte niemand gerechnet.

Kogler am wenigsten. Am Abend zuvor beschlich ihn noch eine leise Panik, erzählt man sich im Metropol. Durch die Ibiza-Affäre kam man mit dem Klima-Thema nicht mehr durch. Und die Grünen hatten die EU-Wahl ja zur "Klima-Wahl" erklärt, alles auf dieses Thema gesetzt.

Der "Ibiza-Effekt"

Dabei könnte es auch die Ibiza-Causa gewesen sein, die so manchen Zweifler überzeugt hat, doch noch die Grünen zu wählen. "Die Menschen sind korrupte Politik leid. Und saubere Politik ist etwas, wofür die Grünen schon immer gestanden sind", sagt Wahlkampfleiter Thimo Fiesel.

Mit kleinem Budget – vieles davon Spenden – hat Fiesel einen starken Social-Media-Wahlkampf aufgestellt. Überall sonst wurde gespart: Die grünen EU-Fahnen, die im Metropol ekstatisch geschwenkt wurden, waren schon 2009 und 2014 in Verwendung. Jemand hat sie im Keller gefunden.

Herzliche Umarmung für Lunacek

An 2014 erinnert sich Ulrike Lunacek besonders gerne. An 2017 weniger. Sie war es, die als Spitzenkandidatin jeweils das historisch beste und das historisch schlechteste Ergebnis für ihre Partei eingefahren hat.

Und sie umarmte Kogler auch als erstes - und das besonders herzlich - als er nach der ersten Trendprognose im Metropol eintraf. Und er prostete ihr zu, als er kurz vor Mitternacht zum Oldie "Spirit in the sky" nach einem Interview-Marathon im Haus Europa wieder zurückkam.

Für die Grünen ist das EU-Ergebnis gehöriger Rückenwind für die Neuwahl. Es war ein erster bundesweiter Stimmungstest, und die Stimmung ist gut.

Die Frage, wer sie da anführen soll, drückt den Anhängern im Metropol aber etwas aufs Gemüt. Die Personaldecke ist dünn. Kogler ist das Zugpferd, er ist bekannt, er begeistert. Aber der muss ja jetzt nach Brüssel. Oder?

Die einen sagen, Kogler sei alternativlos - er muss derjenige sein, der den Weg zurück in den Nationalrat bereitet. Andere - aber das sind nur wenige - meinen, es müssten neue, frische Gesichter her.

"Teamlösung" für Nationalratswahl

Kogler schwebt da eine Mischung vor, er spricht am Wahlabend von einer "Teamlösung". Ob er selbst als Spitzenkandidat antritt, lässt er offen, meint, er wolle "eigentlich nun einmal nach Brüssel".

Als Alternative fällt immer wieder der Name Rudi Anschober. Der Grüne Landesrat hat sich durch seinen Kampf gegen die Abschiebung von Lehrlingen bundesweit einen Namen gemacht.

Die Gremien werden ab Montag tagen, schon am Mittwoch könnte die Spitzenkandidatur stehen. Im Laufe des Juni finden die einzelnen Landeskongresse statt, am 30. Juni soll die Liste beim Bundeskongress fixiert werden.