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Politik Inland
05/27/2021

Stammt Corona doch aus dem Labor? Was spricht dafür, was dagegen?

China wehrt sich wütend gegen neue Vorwürfe aus dem Weißen Haus. Was spricht für, was gegen die Labortheorie?

Der Tonfall ist – für diplomatische Umgangsformen – inzwischen brutal. Die USA sollten sich lieber um die „dunkle Vergangenheit“ ihrer Geheimdienste kümmern, statt sich in fremde Angelegenheiten einzumischen, wetterte der Sprecher des chinesischen Außenministeriums. Der Auftrag des Weißen Hauses verfolge ohnehin nur durchsichtige politische Motive. Der Auftrag war Stunden zuvor von US-Präsident Biden persönlich erteilt worden.

90 Tage gab er den US-Geheimdiensten, um die Herkunft des Coronavirus zu überprüfen, also festzustellen, ob der Erreger nicht doch aus dem Labor stammt. Zuvor hatte der US-Gesundheitsminister eine solche Untersuchung gefordert. Wie aber kommt es zu diesem neuen Streit – und was ist dran an der Labortheorie?

Wieso die neue Aufregung?Das Wall Street Journal hat einen Bericht der US-Geheimdienste veröffentlicht, wonach schon Ende 2019 mehrere Mitarbeiter eines virologischen Labors in Wuhan an Covid erkrankt sein sollen.

Was geschah im Wuhan-Labor? Am Institut für Virologie in Wuhan wurden in Zusammenarbeit und mit finanzieller Unterstützung der USA Experimente mit Coronaviren durchgeführt. Experten zufolge auch sogenannte „Gain of function“-Experimente. Dabei wird das Erbgut der Viren mit Methoden der Gentechnik manipuliert, um zu studieren, wie sich ihre Gefährlichkeit für den Menschen verändert. Derartige Experimente waren unter Obama in den USA verboten worden.

Wer vertritt die Labor-Theorie?Seit dem Ausbruch der Pandemie haben zahlreiche Forscher auf eine mögliche Herkunft aus dem Labor hingewiesen, so etwa ein russisch-kanadisches Gentechniker-Team, aber auch der deutsche Physiker Roland Wiesendanger. Im führenden Wissenschaftsmagazin Science forderte vor wenigen Wochen eine Gruppe international renommierter Wissenschafter eine neuerliche Untersuchung der Herkunft des Virus, da sowohl ein natürlicher Ursprung als auch ein Laborunfall plausibel seien. Auch führende US-Politiker, allen voran Donald Trump während seiner Amtszeit, haben die Labortheorie öffentlich vertreten.

Und die natürliche Herkunft?Gänzlich ausgeschlossen wird ein Laborunfall inzwischen von kaum einem westlichen Experten mehr. Die meisten halten ihn aber weiter für „äußerst unwahrscheinlich“. Zu exakt diesem Urteil kam auch ein Team der WHO, das zu Jahresbeginn in Wuhan Ermittlungen anstellte. Allerdings weigert sich WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus wenig später kategorisch, die Labortheorie zu verwerfen: „Ich möchte klarstellen, dass beide Hypothesen gültig bleiben und weitere Nachforschungen benötigen.“

Was sind die Indizien für beide?Für die natürliche Herkunft spricht, dass Viren, die Sars-Cov2 genetisch nahe kommen, in Fledermäusen gefunden worden sind. Da Coronaviren rasch mutieren – also ihr Erbgut verändern – ist eine natürliche Entstehung nachvollziehbar. Gegen eine natürliche Herkunft spricht, dass bisher kein Zwischenwirt gefunden worden ist, also eine Tierart, über die das Virus von Fledermäusen auf den Menschen übergesprungen sein könnte.

In dem verdächtigen Labor in Wuhan verfügte man tatsächlich über zahlreiche Varianten von Fledermaus-Viren. Anders als anfangs von Forschern behauptet, kann aufgrund der Struktur des Erbguts des Virus ein Laborunfall nicht ausgeschlossen werden. Es sei sogar, so das Urteil von Experten, technisch einfach, ein solches Virus herzustellen. Gegenüber dem Spiegel formuliert es der deutsche Biologe Matthias Glaubrecht – ein Kritiker der Labortheorie – so: „Wir können derzeit nicht widerlegen, dass Sars-CoV-2 aus einem Labor stammt. Genauso wenig können wir aber ausschließen, dass es von einem Tier auf einen Menschen übergesprungen ist. Es bleibt uns nur abzuschätzen, was plausibler ist.“

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