TELEKOM-PROZESS UM SPENDE AN BZÖ: SCHIESZLER

© APA/HELMUT FOHRINGER / HELMUT FOHRINGER

Politik Inland
09/17/2021

Staatsanwalt ermittelt gegen Österreichs bekanntesten Kronzeugen

Im Vorjahr meldete Ex-Telekom-Manager Gernot Schieszler Privatkonkurs an. Der Masserverwalter vermutet, dass Schieszler Vermögen verschleierte. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft Wien.

von Ida Metzger

Er ist Österreichs bekanntester Kronzeuge. Gernot Schieszler, ehemaliger Telekom-Manager, erhielt 2013 von der Justiz den Kronzeugenstatus. Im Gegenzug für seine Straffreiheit packt der 51-Jährige bis heute in den zahlreichen Telekom-Korruptionsprozessen aus. Ex-Telekom-Vorstand Rudolf Fischer oder auch Ex-Lobbyist Peter Hochegger wurden durch die Belastungsaussagen von Schieszler verurteilt.

Nun hat der Kronzeuge selbst heftige Probleme mit der Staatsanwaltschaft Wien – sie ermittelt gegen Schieszler wegen betrügerischer Krida (Zahlungsunfähigkeit) und führt ihn als Beschuldigten. 

Die Vorgeschichte: Im Herbst 2020 geht Schieszler in Privatkonkurs, weil er Wiedergutmachungszahlungen in Höhe von 770.000 Euro an die Telekom Austria finanziell nicht mehr stemmen kann. Pro Jahr sind Rückzahlungen von 80.000 Euro vereinbart.

Goldbarren fehlen

Allerdings lassen seine Angaben den Masseverwalter skeptisch werden (der KURIER berichtete). Kurz nach der Privatpleite verabschiedet sich Schieszler in Richtung Dubai – auch für den Masseverwalter ist er im Wüstenstaat nur schwer erreichbar. Ein Schuldenberg von insgesamt 900.000 Euro soll sich angehäuft haben.

Laut der Anzeige soll Schieszler 400.000 Euro an Vermögen verschleiert haben. Wer durch die Tat einen 300.000 Euro übersteigenden Schaden herbeiführt, kann mit Freiheitsstrafe von einem bis zu zehn Jahren zu bestrafen werden. Sprich: Was der Masseverwalter Österreichs bekanntestem Kronzeugen vorwirft, ist heftig. Es gilt die Unschuldsvermutung und die Ermittlungen befinden sich erst in der Anfangsphase.   

Wie Schieszler das organisiert haben will, listet der Masseverwalter akribisch auf: So entdeckte er ein Bankschließfach bei der Steiermärkischen Sparkasse. Schieszler behauptet, dass sich im Bankschließfach lediglich einige wenige Silbermünzen befanden. Diese Angabe stellte sich schnell als falsch heraus, denn es gibt Videoaufnahmen von Schieszler in der Bank.

Zeuge Gernot Schieszler zeigte sich redselig

Nach der Insolvenzeröffnung entnimmt Schieszler Goldbarren im Wert von knapp 10.000 Euro. Schieszler übergibt dem Masseverwalter den Gegenwert dann in bar. "Das nennt man tätige Reue und kann man daher nicht zur Anzeige bringen", argumentiert Schieszlers Anwalt Stefan Prochaska.  Doch der Insolvenzverwalter äußert in der Sachverhaltsdarstellung die Vermutung, dass in dem Bankschließfach mehr Vermögen als nur die zwei Goldbarren gelagert waren. 

Fragen wirft der Abtretungsvertrag von Schieszlers 100-Prozent-Anteil an der Concipio-Management GesmbH an seine Ehefrau auf. 36.000 Euro will Schieszlers Ehefrau an ihren Ehemann für die „verlustbringende“ Gesellschaft gezahlt haben. Für die Staatsanwaltschaft ist das ein zu „niedriger Gegenwert“.

Außerdem, so vermutet die Staatsanwaltschaft, habe Schieszler „sein Vermögen um 247.384 Euro ohne entsprechende Gegenleistung verringert, indem er den Betrag rechtsgrundlos in die Gesellschaft seiner Frau investierte“.

Schieszlers Anwalt Stefan Prochaska sagt zu den Vorwürfen: „Die Anzeige vom Masseverwalter war voreilig verfasst, weil er die Unterlagen, die Gernot Schieszler ihm zugeschickt hat, nicht abgewartet hat. Die Bilanz der Gesellschaft zeigt deutlich, dass sie im Eck war.“

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