SPÖ-Staatssekretärin: "Ich halte diese Debatten für völlig entbehrlich"
Staatssekretärin Michaela Schmidt (SPÖ) hat diese Woche mit ihrem KURIER-Interview innenpolitisch für Aufsehen gesorgt, weil sie eine Volksbefragung über die Erbschaftssteuer zur Diskussion gestellt hat. Dieser Teil des Interviews ist bereits am Donnerstag im KURIER und auf kurier.at erschienen.
Hier finden Sie das restliche Interview über Olympische Spiele, Sport, ihre Rolle in der SPÖ und die parteiinternen Diskussionen. Das gesamte Interview „Bei Gebhart“ kann auf KURIER.TV bzw. kurier.at nachgesehen werden.
KURIER: Frau Schmidt, eines Ihrer Hauptthemen als Staatssekretärin ist der Sport. Jetzt haben die Olympischen Spiele in Italien begonnen. Werden Sie sich diese vor Ort anschauen?
Michaela Schmidt: Ja, ich werde von 17. bis 19. Februar dabei sein. Eingeplant habe ich den Damenslalom, die Nordische Kombination und Bobbewerbe.
Mit welchen Erwartungen reisen Sie nach Italien?
Ich bin immer dort, um Daumen zu drücken. Mit der Hoffnung, dass Sportlerinnen und Sportler, die zum Teil Jahrzehnte darauf hingearbeitet haben, um Österreich bei Olympischen Spielen vertreten zu können, an diesen Tagen ihre Bestleistungen geben können.
Jetzt wird man sehen, ob Österreich dort noch die Skination Nummer 1 ist. Im Breitensport ist sie es nicht mehr. Früher zählten Skikurse in den Schulen zum Pflichtprogramm, diese Zeit scheint vor allem im Osten vorbei zu sein.
Generell würde ich das schon weiter fassen. Wir haben 115 Athletinnen und Athleten zu den Olympischen Spielen geschickt. Bei der Frage, ob Österreich ein Wintersportland ist, würde es diesen nicht genüge tun, wenn man nur auf das Skifahren verweist. Wenn es darum geht, ob Kinder in Österreich noch Skifahren lernen, ist eine gesamtgesellschaftliche Anstrengung notwendig. Wir haben Förderprogramme des Sportministeriums gemeinsam mit der Wirtschaftskammer, wo wir zum Beispiel Kindern, die solche Kurse finanziell nicht schaffen würden, entgegenkommen. Es muss aber auch das Angebot von Betreibern ganz stark darauf ausgerichtet sein, attraktive Angebote für Familien zu schaffen, weil es für viele einfach nicht mehr leistbar ist. Wir werden uns daher auf europäischer Ebene noch einmal für die Einheimischen-Tarife einsetzen.
Das bedeutet, dass die Tickets für Einheimische billiger sind als für Touristen ...
Genau, das ist momentan nicht möglich. Wir schätzen alle die Touristen, die zum Skifahren in unser Land kommen. Aber es braucht attraktivere Angebote für Einheimische, wenn wir weiterhin den Anspruch haben wollen, dass Kinder Skifahren lernen sollen.
Benötigt wird auch Lehrpersonal, das noch Interesse daran hat, mit Kindern solche Schul-Skikurse durchzuziehen.
Das braucht es ohnehin. Aber unabhängig vom Skifahren ist der Ausbau der täglichen Bewegungseinheit eines meiner Herzensprojekte. Kinder und Jugendliche in die Bewegung, zum Sport zu bringen. Da ist es relativ egal, welchen Sport sie machen. Vor allem in den Kindergärten und Volksschulen geht es darum, die grundlegenden motorischen Fähigkeiten zu erlernen. Danach wird es schwierig, wenn man in diesem Alter keinen Zugang zum Sport hat. Deswegen arbeiten wir mit dem Bildungsministerium sehr hart am Ausbau der täglichen Bewegungseinheit.
Zum ausführlichen KURIER TV- Interview mit Staatssekretärin Schmidt
Das Problem wird seit vielen Jahren diskutiert. Warum geht der Ausbau nicht schneller?
Ich kann die Vergangenheit nicht ändern, ich kann mich nur um die Zukunft kümmern. Wir brauchen eigentlich einen nationalen Kraftakt, wo alle zielgerichtet Projekte machen, um Kinder und Jugendliche in Bewegung zu bringen. Das ist nicht nur die Basis für den Breitensport, für ein langes, aktives und gesundes Leben, sondern auch für den Spitzensport.
Grundsätzlich gefragt: Ist Österreich für Sie eine Sportnation?
Ich würde gerne sagen, Österreich ist eine Sportnation. Und in bestimmten Bereichen sind wir es auch, gerade was den Spitzensport betrifft. Wir haben mehr als 400 Spitzensportler in Anstellungsverhältnissen, wir haben diese Sportler sozial abgesichert. Aber wir haben Bereiche im Breitensport, wo wir nachlegen müssen. Nur ein Drittel der Kinder erfüllt die Bewegungsziele der WHO, sich wirklich jeden Tag zu bewegen. Das dürfen wir als Politik nicht zulassen. Es benötigt eine neue Bewegungskultur in Österreich.
Kommen wir zur Regierungspolitik. Gemeinsam mit Alexander Pröll (ÖVP) und Armin Huber (Neos) koordinieren Sie die Regierungsarbeit. Sie drei wissen somit immer, wie es um das Klima in der Koalition bestellt ist. Wie sieht es da derzeit aus?
Es gibt seit Beginn eine wirklich sehr gute Zusammenarbeit in der Koordinierung. Das ist auch der Grund, warum diese Dreierkoalition trotz der vielen Bedenken, dass so eine Konstellation nicht funktionieren kann, bisher sehr gut gearbeitet hat. Die SPÖ hat eine wirklich herausfordernde Situation übernommen, was eine andere Partei verweigert hat. Wir haben die Herausforderungen mit dem Budget gemeistert. Die Basis für die gute Zusammenarbeit sind Respekt, Wertschätzung, viel Kommunikation und auch die Fähigkeit, sich in den anderen hineindenken zu können. Ich bin sehr froh, Partner zu haben, die das können und zu dem wertschätzenden Klima auch beitragen.
Sie sind studierte Ökonomin und haben derzeit in der Koordination mit Wirtschaftsthemen zu tun. Da ist viel passiert, vor allem hat der Staat viel eingegriffen. Beim Strommarkt, bei den Lebensmittelpreisen, bei den Mieten. Finden Sie nicht, dass der Staat da derzeit sehr viel, vielleicht zu viel regelt?
Ganz im Gegenteil. Wir haben die vergangenen fünf Jahre gesehen, was passiert, wenn die Politik nicht eingreift und ihre Verantwortung nicht aktiv wahrnimmt. Wir sind als Sozialdemokratie mit dem Versprechen in die Regierung gegangen, diese Fehler nicht mehr zu wiederholen. Wir haben gesehen, dass die türkis-grüne Regierung in der Vergangenheit nicht eingegriffen hat, und die Inflationsrate lag bei elf Prozent. Dass die Inflationsrate jetzt auf zwei Prozent geschätzt wurde, wohin wir auch wollen, zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.
Michaela Schmidt (42): Die Salzburgerin war zuerst in der Arbeiterkammer tätig, ehe sie in die Bundespolitik wechselte. Die Staatssekretärin ist begeisterte Sportlerin und war Bundesliga-Spielerin im Faustball.
Kurz zu Ihrer Person, weil Sie bei der Regierungsbildung 2025 eine große Überraschung waren. Sie sind erst 2023 in den Nationalrat gekommen, waren nach der Wahl 2024 bereits im Verhandlungsteam von Andreas Babler und sind nun an seiner Seite Staatssekretärin. Wie haben Sie diesen Weg erlebt?
Ich bin in der Politik, weil ich gerne gestalte, weil ich auch gerne verhandle. Das habe ich immer gern gemacht und ich weiß, dass ich das auch gut kann. Man sagt mir nach, dass ich hart verhandle, aber immer fair, immer auf der Basis einer vertrauensvollen Zusammenarbeit. Ich komme aus dem Sport und habe gelernt, dass man sich beim Match durchsetzen muss. Aber es geht darum, dass man sich nach dem Match trotzdem die Hand geben kann, vielleicht auch gemeinsam etwas trinken kann. Das hat mir in allen Lebenslagen geholfen, das hilft auch in der Politik.
In den Beschreibungen, die es von Ihnen gibt, wird von Analysten meist betont, dass Sie dem linken Flügel der SPÖ angehören. Ist das die richtige Einordnung?
Diese Zuordnungen kommen meistens von außen, ich kann damit wenig anfangen. Ich bin ein Mensch, der parteiintern, aber auch gegenüber meinen Regierungskollegen, auf das Gemeinsame schaut. Und nicht auf das Trennende. Das ist für mich das Wesentliche. Damit habe ich in der Vergangenheit gute Erfahrungen gemacht, das wird auch in der Zukunft so sein.
Obwohl die Arbeit in der Regierung als stabil bezeichnet wird, gibt es immer wieder parteiinterne Debatten um Ihren Parteichef und Vizekanzler. Wie sehen Sie das?
Das sind Debatten, die vor allem von Medien in Medien geführt werden, und nicht in der Partei. Ich halte diese Debatten für völlig entbehrlich. Das ist nichts, was die Österreicherinnen und Österreicher tatsächlich interessiert. Die interessiert, was die Politik macht, damit ihr Leben besser wird. Darauf werden wir uns konzentrieren. Mein Job ist es, dafür zu sorgen, dass die Teuerung weiter bekämpft wird, dass die Wirtschaft wieder in Schwung kommt. Das sollte die Priorität von allen in der Politik sein.
Zum Abschluss möchte ich noch einmal zum Sport kommen. Sie sind begeisterte Sportlerin. haben Sie angesichts der Regierungsarbeit überhaupt noch Zeit für Ihren Sport?
Es ist weniger, als ich es in der Vergangenheit gewohnt war. Es ist auch weniger, als ich es mir wünschen würde. Ich schaffe es dennoch, dass ich meine Freizeit immer in Bewegung verbringe. Wenn es am Wochenende nur irgendwie möglich ist, gehe ich Klettern. Ich war heuer auch schon Skifahren. Ich brauche ab und zu Sport für mein persönliches Wohlbefinden, sonst bin ich auch für mein Umfeld schwer erträglich.
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