Niessl will Bundespräsident werden: "Alter sollte kein Kriterium sein"

Hans Niessl
Niessl ist klar für eine Verlängerung der Wehrpflicht. FPÖ-Mandatar Hofer beschäftigt eine Kandidatur derzeit nicht.

Zusammenfassung

  • Hans Niessl erwägt eine Kandidatur für die Bundespräsidentenwahl 2028 und erhält parteiübergreifend Zuspruch.
  • Er spricht sich klar für eine Verlängerung der Wehrpflicht aus und betont die Bedeutung der Neutralität Österreichs.
  • Norbert Hofer (FPÖ) schließt eine eigene Kandidatur derzeit aus und unterstützt einen FPÖ-Kandidaten.

Der frühere burgenländische Landeshauptmann Hans Niessl (SPÖ) hofft bei einem etwaigen Antreten bei der Bundespräsidentenwahl 2028 auf breite Unterstützung. Seit der Veröffentlichung seiner Überlegungen am Dienstagabend haben ihn zahlreiche Anrufe und Nachrichten aus allen politischen Lagern erreicht, erklärte Niessl am Mittwoch gegenüber der APA. Thematisch sprach er sich bereits klar für die Verlängerung der Wehrpflicht aus.

"Ich bin sehr häufig darauf angesprochen worden, interessanterweise von Vertretern und Sympathisanten aller politischer Parteien", ebenso habe es in der Nacht auf Mittwoch Rückmeldungen zahlreicher Sympathisanten aus anderen Parteien gegeben. "Das hat mich dazu bewogen, zu sagen, ich überlege es mir", so Niessl.

Ein Bundespräsident sollte zu allen demokratisch gewählten Parteiobmännern eine Gesprächsbasis haben und den Austausch pflegen. Er sei natürlich für die SPÖ Bürgermeister und Landeshauptmann gewesen, jedoch habe er als Präsident der Bundessportorganisation gezeigt, dass er überparteilich agieren kann, und schon davor mit allen zusammengearbeitet, betonte Niessl.

Alter sollte kein Kriterium sein

"Ich bin ein politischer Mensch und habe immer gerne Wahlkämpfe gemacht", verwies er darauf, dass er sieben Mal als Spitzenkandidat angetreten sei - vier Mal auf Landesebene und drei Mal in seiner Heimatgemeinde Frauenkirchen. "Jetzt verfolge ich natürlich auch die Wahlauseinandersetzungen und die Politik mit Interesse. Ich habe mich weitestgehend zurückgehalten, bis jetzt", nun wolle er aber eine Kandidatur nicht ausschließen.

Dass sein Alter für manche ein Kritikpunkt ist, kann der 74-Jährige nicht nachvollziehen: "Man sollte beurteilen, wie fit man ist in dem Alter", verwies er auch auf eine kürzlich getätigte eingehende medizinische Untersuchung. Dabei sei ihm attestiert worden, "dass ich fit bin". Geistig fit halte ihn auch die Tätigkeit bei Sport Austria.

Für Verlängerung der Wehrpflicht

Thematisch schlug er am Tag nach dem Bekanntwerden seiner Kandidatur-Erwägung auch schon erste Pflöcke ein. So positioniert sich Niessl als Befürworter einer längeren Wehrpflicht: "Wir sind mittendrin in einer geopolitischen Veränderung. Ein verantwortungsvoller Politiker muss sagen, ja wir konnten mit sechs Monaten Grundwehrdienst leben, aber jetzt kommt eine Zeit, wo Österreich Milliarden in modernes technisches Gerät investiert und da braucht man entsprechend Mitglieder beim Österreichischen Bundesheer, die Österreich schützen können." Gleichzeitig betonte er den "hohen Stellenwert" der Neutralität.

Bei einer von Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) vorgeschlagenen Volksbefragung zu dem Thema würde er klar für die Verlängerung stimmen. Wenn die Bevölkerung gut über das Thema informiert sei und diese rasch abgewickelt werde, könnte es auch zu einer schnelleren Einigung kommen als bei langjährigen Verhandlungen mit SPÖ und NEOS in der Bundesregierung, meinte der ehemalige Landeshauptmann.

Doskozil sicherte Niessl Unterstützung zu

Burgenlands Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) bekräftigte, Niessl im Fall einer Kandidatur unterstützen zu wollen - unabhängig davon, ob er für die SPÖ oder überparteilich antritt. "Ich glaube, es ist kein Geheimnis, dass ich meinem Vorgänger persönlich sehr viel zu verdanken habe und dass er auch sehr viel für das Burgenland geleistet hat", betonte er. Insofern sei es für ihn gar keine Frage, dass Niessl seine Unterstützung habe.

Auch der niederösterreichische Landwirtschaftskammerpräsident und ÖVP-Nationalratsabgeordnete Johannes Schmuckenschlager zeigte sich einer Niessl-Kandidatur gegenüber nicht abgeneigt. Ein überparteilicher Antritt wäre aus seiner Sicht "vernünftig" und "gescheit". Er gehe außerdem davon aus, dass Niessl sich mit den anderen, befreundeten Alt-Landeshauptleuten wie Niederösterreichs Erwin Pröll (ÖVP) und Wiens Michael Häupl (SPÖ) abgesprochen habe und diese nicht antreten werden.

FPÖ-Hofer: "Nicht auf meiner To-do-Liste"

Was seine eigene etwaige Kandidatur für das höchste Amt im Staat betrifft, will Niessl nun noch etwas zuwarten. Schließlich brauche es hierfür ein Budget, eine Plattform und eine bundesweite Organisation: "Das ist eine Herausforderung."

Der ehemalige FPÖ-Bundespräsidentschaftskandidat aus dem Burgenland Norbert Hofer erklärte auf APA-Anfrage, Niessl sei integer, er schätze ihn und wünsche ihm "alles Gute". Gleichzeitig betonte er, dass er bei der Wahl einen FPÖ-Kandidaten oder eine FPÖ-Kandidatin unterstützen würde. Ob er dabei noch einmal selbst antritt, damit beschäftige er sich derzeit "überhaupt nicht", verwies er auch auf seinen kürzlich erfolgten Wechsel in die Privatwirtschaft - wofür er auch das Amt des Klubobmanns im Landtag zurückgelegt hatte. "In der Politik kann man nicht so weit in die Zukunft blicken, aber es steht nicht auf meiner To-do-Liste", meinte Hofer.

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