© Screenshot / Facebook / Karl Berger Cartoons

Politik | Inland
07/05/2019

Wiener Cartoonist zeichnet Kurz in NS-Uniform

Karl Berger sagt zu seiner Zeichnung, dass es ihm nie einfallen würde, "die NS-Zeit zu relativieren".

Der Wiener Cartoonist Karl Berger zeichnet mit Vorliebe Karikaturen von Ex-Kanzler Sebastian Kurz. Ein Teil seiner Zeichnungen wird unter anderem über die Website "Kontrast.at" ausgespielt, deren Eigentümer der SPÖ-Parlamentsklub ist.

Noch mehr Kurz-Comics finden sich auf Bergers Facebook-Seite. Ob in Verbindung mit dem Ibiza-Video, ob als Strohmann für Großspender oder als skrupelloser Machtpolitiker: Berger bedient im Grund weit verbreitete Kurz-Klischees. Nun dürfte er allerdings etwas übers Ziel hinaus geschossen sein.

Kurz in einem Remake von Schindlers Liste

"Dem jungen Mann stehen viele Möglichkeiten offen", kommentiert Berger seine neueste Karikatur. Sie ist als Situation aus dem Film "Schindlers Liste" angelegt. Kurz trägt darin offensichtlich eine NS-Uniform, sitzt Oskar Schindler gegenüber und sagt: "Mein lieber Oskar Schindler: Juden retten schön und gut, aber das ist ein Bruch der Gesetze! Wir haben eine klare Gesetzeslage..."

Darunter steht geschrieben: "Falls es bei Sebastian Kurz bei der Wahl nicht klappt, ist er für eine Rolle im Remake von ,Schindlers Liste' im Gespräch."

Eine Verharmlosung der NS-Zeit? Einige Kommentare unter dem Foto insinuieren das, während der Großteil der Reaktionen positiv ist. Berger will sich den Vorwurf jedenfalls nicht gefallen lassen. "Es würde mir nie einfallen, die NS-Ideologie oder ihre Verbrechen zu relativieren. Wer das in der Zeichnung sieht, versteht sie einfach nicht", antwortet er auf KURIER-Anfrage.

"Kurz nimmt faschistische Salvini-Gesetze zum Maßstab"

Grundsätzlich ist die Zeichnung offenbar als Anspielung auf den Fall der Sea-Watch-Kapitänin Carola Rackete zu verstehen, die im Mittelmeer schiffbrüchige Migranten rettete und sie nicht nach Libyen, sondern auf die italienische Insel Lampedusa schiffte. Kurz kritisiert das Vorgehen von NGOs auf dem Mittelmeer regelmäßig. Beim Puls-4-Sommergespräch sagte er etwa über die Kapitänin Pia Klemp, der in Sizilien bis zu 20 Jahre Haft drohen, dass diese nicht "für die Rettung von Menschen", sondern "für den Bruch von Gesetzen" auf der Anklagebank sitze. Klemp wird Beihilfe zur illegalen Migration vorgeworfen.

Berger hat dazu eine klare Meinung und diese wollte er offenbar auch in der kontroversen Karikatur zum Ausdruck bringen: "Wenn der Herr Kurz faschistische Salvini-Gesetze zum Maßstab nimmt, was Recht ist und daher vertretbar wäre, muss man ihn, und jene, die ihm in diesem zynischen Gedankengang folgen, darauf hinweisen, dass einige der größten Verbrechen der Geschichte aufgrund bestehender Gesetze begangen wurden."