Politik | Inland
03.10.2018

Rendi-Wagner wirbt für Unterstützung des Frauenvolksbegehrens

Die neue SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner fordert gleichen Lohn und gleiche Pensionen für Frauen und Männer.

Mittwochmittag bei  der U-Bahnstation Landstraße, Wien-Mitte: Junge SPÖ-Frauen lassen bunte Luftballons steigen, manche teile Flyer und Kugelschreiber aus, sie versuchen Passanten zu überzeugen, das Frauenvolksbegehren zu unterschreiben.
Dann braust Jubel auf, die neue SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner kommt. „Was ist da los?“, fragt ein älterer Herr. „Es geht um gleiche Rechte für Frauen“, klärt ihn eine Aktivistin auf. Er antwortet beruhigt: „Ich habe schon unterschrieben, ich finde das Volksbegehren richtig.“
Ein anderer mischt sich ein: „Frauen sollen Frauen bleiben. Man darf ihnen nicht die Weiblichkeit nehmen.“  Ein Disput  beginnt,  den ein SPÖ-Funktionär    rasch mit der Bemerkung   „Das werden wir jetzt nicht ausdiskutieren können“ beendet.  

Applaus für Rendi-Wagner
„Ich bin eine ganz starke Unterstützerin des Frauenvolksbegehrens, und ich habe schon unterschrieben“, sagt Rendi-Wagner zum KURIER. „Ich will, dass unsere  Töchter  die  gleichen Chancen auf gleichen  Lohn und gleiche  Bildung haben.  Noch immer  verdienen Frauen in Österreich 22 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen, die Frauen   erhalten 44 Prozent weniger Pension. Das ist nicht fair“, erklärt die  designierte SPÖ-Vorsitzende.  „Wenn wir in diesem Tempo weitermachen, schließt sich die Lohnschere  frühestens  2050.  Wir müssen jetzt aktiv werden, nicht morgen“, betont  Rendi-Wagner.

Auf die von manchen Frauen  geäußerte Kritik,  das Volksbegehren nicht zu unterschreiben, weil die Forderungen unrealistisch seien, erklärt Rendi-Wagner: „Ja, manches hat einen perspektivischen Charakter. Uns  geht es um Geschlechtergerechtigkeit“, Dutzende  applaudieren.   
Zum Auftritt der Parteichefin kam auch die Vorsitzende der Sozialistischen Jugend (SJ), Julia Herr.   „Seit mehr als 100 Jahren fordern wird schon gleichen Lohn für gleich Arbeit.“  Auch sie weist das Argument, die Anliegen des Frauenvolksbegehrens seien  realitätsfern, zurück: „Es geht um das große Ganze.  Wir haben noch nicht alles erreicht.  Für Veränderungen müssen  wir  die Leute hier auf der Straße überzeugen. Ich     erwarte  mir auch   von ÖVP- und FPÖ-Frauen, dass sie sich solidarisch zeigen“, sagt Herr.
 Ein Anliegen ist  der SJ-Vorsitzenden der „freie Zugang zu den Hochschulen“.  Studiengebühren würden  besonders Frauen aus Arbeiterfamilien  benachteiligen.
Nach dem Volksbegehren erwartet sich Herr, dass die Regierung die Forderungen des Volksbegehren  auch umsetzt. Bis zum  8. Oktober können Wahlberechtigte das Frauenvolksbegehren unterschreiben.