Recherche: FPÖ-Gründer ausschließlich Altnazis
Das Logo der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ). Laut „Spiegel“ war die NSDAP-Vergangenheit der frühen FPÖ-Führung noch ausgeprägter als bisher bekannt – und der parteieigene Historikerbericht weist offenbar Lücken auf.
Zusammenfassung
- Laut „Spiegel“ bestand die frühe FPÖ-Führung in den 1950er-Jahren ausschließlich aus ehemaligen NSDAP-Mitgliedern.
- Die Recherchen widersprechen dem FPÖ-Historikerbericht von 2019, da mehrere als „unparteiisch“ dargestellte oder unerwähnte Funktionäre in der NSDAP-Kartei aufscheinen.
- Auslöser der FPÖ-internen Aufarbeitung war 2018 die Affäre um antisemitische Texte im Liederbuch der Burschenschaft von Udo Landbauer.
Dass einstige Nationalsozialisten eine wichtige Rolle bei der Gründung der FPÖ vor rund 70 Jahren gespielt haben, ist bekannt. Die Dichte ehemaliger NSDAP-Mitglieder in den Anfangsjahren der Partei war laut Recherchen des deutschen Wochenmagazins Spiegel in der Mitgliederkartei der NSDAP allerdings noch höher als bisher bekannt. Demnach bestand die blaue Parteiführung der ersten Jahre ausschließlich aus ehemaligen Mitgliedern der Nazi-Partei.
So finden sich laut „Spiegel“ alle vier Mitglieder des sogenannten Proponentenkomitees, das die FPÖ zunächst provisorisch führte, in der Kartei. Dasselbe gelte für das Quartett, das nach dem ersten Parteitag im April 1956 die Kontrolle übernahm. Auch ein Wechsel 1958 brachte lediglich ein weiteres ehemaliges NSDAP-Mitglied in die Parteiführung. Die Recherchen bestätigen auch die von Experten geäußerte Kritik an dem 2019 von der FPÖ präsentierten Historikerbericht.
Angebliche Unparteiische tauchen in NSDAP-Kartei auf
Denn mehrere Parteifunktionäre, die in dem Bericht als „Unparteiische“ bezeichnet oder gar nicht erwähnt wurden, tauchen in der NSDAP-Kartei auf. So wurde der Vorsitzende des FPÖ-Gründungskomitees, Franz Rainer, kurz nach dem „Anschluss“ Mitglied der Hitler-Partei. Bereits 1933 beigetreten war der spätere steirische FPÖ-Landesparteichef Alexander Götz senior. Die im Historikerbericht nicht erwähnte spätere FPÖ-Bundesfrauenleiterin Wilma Jobst trat 1938 bei.
Der „sogenannte Historikerbericht“ sei das Papier nicht wert, kritisierte die SPÖ am Freitag und sah sich in ihrem Befund bestätigt, dass die FPÖ bis heute ein „Rechtsextremismus-Problem“ habe. „Trotz Skandalen und Enthüllungen am laufenden Band kappt die FPÖ ihre Verbindungen zum Rechtsextremismus nicht“, meinte der SPÖ-Bundesgeschäftsführer Klaus Seltenheim mit Blick auf Kontakte zu Identitären in einer Aussendung.
Anlass für die Auseinandersetzung der FPÖ mit den eigenen „braunen Flecken“ war 2018 das Auftauchen antisemitischer Texte im Liederbuch der Burschenschaft des nunmehrigen niederösterreichischen Vize-Landeshauptmanns Udo Landbauer (FPÖ). Die vom Spiegel nun durchforstete Mitgliederkartei der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) wurde durch das US-Nationalarchiv veröffentlicht.
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