"Eine Sensation": Was Norbert Hofer als Unternehmer vorhat
Die große politische Karriere von Norbert Hofer scheint vorüber zu sein. Der Fokus des Bundespräsidentschaftskandidaten 2016, Ex-FPÖ-Chefs und bis Ende 2025 Klubobmanns der FPÖ Burgenland liegt mittlerweile auf der Privatwirtschaft.
Im Burgenland ist Hofer noch Landtagsabgeordneter und Obmann des Rechnungsausschusses. Sein Schwerpunkt sei die Behindertenpolitik, die Rolle des Energiesprechers habe er bewusst abgelehnt, sagt Hofer zum KURIER: "Ich will das nicht vermengen mit meiner Tätigkeit bei Emerald Horizon."
Der mittlerweile 54-Jährige sitzt beim Grazer Energiespeicherhersteller im Aufsichtsrat. Eine operative Tätigkeit, die Hofer begeistere, aber auch vereinnahme, wie er betont. "Schon deshalb hätte es glaube ich nicht funktioniert, zusätzlich Geschäftsführer bei Binder-Leitl zu sein." Die Binder-Leitl Investment GmbH ist jene Beteiligungs-Holding, an der mehrere aktive und ehemalige Politiker Anteile halten.
Dem "Hans" zuliebe
Je fünf Prozent halten Hofer, FPÖ-Nationalrat Hubert Fuchs, Ex-WKO-Generalsekretär Karlheinz Kopf (ÖVP) und Burgenlands ehemaliger Landeshauptmann Hans Niessl (SPÖ). Letzterer will als Bundespräsident kandidieren. Den Anstoß, nicht wie geplant zweiter Geschäftsführer bei Binder-Leitl zu werden, habe "natürlich die Kandidatur von Hans" gegeben, betont Hofer. Er wollte Niessl im Wahlkampf damit nicht in die Quere kommen.
Übrigens war Hofer bereits kurz Geschäftsführer bei Binder-Leitl – bis 14. Februar 2025. "Dann wurde eine Lex Hofer im Landtag beschlossen", sagt er. Seitdem gilt für den Klubobmann im Burgenland ein Berufsverbot. Ausnahme: der Bürgermeister-Posten.
Alleiniger Geschäftsführer von Binder-Leitl ist nun weiterhin Multimillionär Andreas Binder – Kroatiens größter Kiesunternehmer hält neben Ex-WKO-Präsident Christoph Leitl 40 Prozent der Anteile. "Andreas Binder habe ich kennengelernt, als er noch Bezirksobmann der FPÖ Mattersburg war." Binder habe ihn kontaktiert und gefragt, ob er sich mit fünf Prozent bei Binder-Leitl beteiligen wolle.
"Wir sind alle keine Hardliner"
Warum vertrauen Hofer und so viele Politiker Binder, der 2022 dann in Bad Sauerbrunn bei der Gemeinderatswahl für die Neos antrat? Hofer: "Einer seiner großen Vorteile ist, dass seine Mutter aus dem ehemaligen Jugoslawien stammt. Und wenn du in Kroatien wirtschaftlich tätig sein willst, musst du wissen, wie die Dinge dort funktionieren. Diesen Vorteil nutzt er."
Die Konstellation der GmbH, mit sechs Politikern aus vier Parteien, sei natürlich eine sehr seltene. "Das war also nur möglich, weil das Personen sind, die sich auch persönlich sehr gut verstehen", sagt Hofer. "Ich formuliere es so: Wir sind alle keine Hardliner, sondern eher Brückenbauer."
Burgenlands ÖVP-Klubobmann Bernd Strobl (li.) und Norbert Hofer
Binder-Leitl beteiligt sich an Projekten in Österreich sowie Kroatien – der KURIER berichtete. Was genau macht allerdings Emerald Horizon, also jenes Unternehmen, das mittlerweile einen Großteil von Hofers Zeit beansprucht?
Ein kleiner Reaktor
Es feilt unter anderem an ADES: ein kleiner Reaktor, der auf Basis des chemischen Elements Thorium (Th, Ordnungszahl 90) arbeitet. "Das Spezielle daran ist, dass es bei diesem System keine kritische Kettenreaktion geben kann. Das ist physikalisch unmöglich", erklärt Hofer.
Die Funktionsweise, grob skizziert: Einem flüssigen Kern aus Salz wird das schwach radioaktive Metall Thorium beigemengt. Von außen bringt ein Beschleuniger dann Neutronen ein, die das Thorium spalten. "Dieses Gerät kann ich auf- und abdrehen wie einen Lichtschalter", so Hofer.
Fertig sein soll der CO2-neutral arbeitende Reaktor 2029. Seine Einsatzbereiche: Er soll etwa Wind- und Solarparks stabilisieren, E-Tankstellen mit Strom speisen oder Energienetze sowie Krankenhäuser im Fall von Blackouts sichern.
Einsatz in der Krebstherapie
Und: Man befinde sich auch in Gesprächen mit dem Uniklinikum in Graz, verrät Hofer. Der Neutronen-Beschleuniger, den Emerald für den Thorium-Reaktor benötigt, könne nämlich auch in der Krebstherapie eingesetzt werden. Wie soll das funktionieren?
"Ein Krebspatient, der beispielsweise einen nicht operablen Hirntumor hat, nimmt Bor zu sich. Die Krebszellen nehmen das Bor auf, dann wird der Patient mit Neutronen bestrahlt. Das Bor, es ist nur in den Krebszellen, und die Neutronen reagieren. Unsere Ergebnisse zeigen: Nach drei Sitzungen ist der Tumor weg", sagt Hofer.
In Helsinki ist das Gerät bereits im Einsatz. Unternehmer Hofer befindet, wie gewohnt gut gelaunt: "Das ist natürlich eine Sensation."
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