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Politik Inland
07/05/2019

Kurz in Korneuburg: "Ich brauche jeden von Euch"

ÖVP-Chef startet mit Unterstützer-Fest in den Sommer und warnt vor Falschmeldungen.

von Johanna Hager, Jeff Mangione

Nichts ist dem Zufall überlassen. Und es funktioniert, weil er funktioniert. Die Werft in Korneuburg dient als Kulisse. Die rund 1500 Besucher, die türkises Eis essen, türkise Limonade trinken, türkise Buttons basteln und türkise Kleidung tragen, sind Darsteller einer Inszenierung. Sind Teil einer politischen Professionalisierung, die hierzulande ihresgleichen sucht, jedenfalls an US-Wahlkämpfe erinnert.

 

Kein Eintritt ohne Band

Joghurt-Eis in Bewegungsfarbe

Accessoires für Foto-Box

Wir für Kurz! als Wlan-Zugangsdaten

Buttons und Bänder zum Mitmachen

Knüpfanleitung

Standing Ovations für den ÖVP-Chef

Eppinger mit türkisen Fan-Familie Stockreiter

EU-Kommissar Johannes Hahn

Ex-Fußballer Frenkie Schinkels

Schauspielerin Sabine Petzl mit Therapiehund Susi

Ex-Ministerriege

Ex-Minister auf Zuschauerbühne

Da ist Moderator Peter L. Eppinger, der den ersten Akt bestreitet, indem er Sympathisanten vor das Mikrofon bittet. Eppinger, der von einer "positiven Gesinnungsgemeinschaft" spricht und der Bewegung, die fortan "Wir für Kurz!" und nicht länger "Team Kurz" heißen soll.

 

Da sind die Promis wie Fußballer Frenkie Schinkels, der gegen Pamela Rendi-Wagner wettert. Und da sind die Politiker: die vollzählige türkise Ex-Ministerriege, EU-Kommissar Johannes Hahn, Casinos-Chefin Bettina Glatz-Kremsner.

 

Und da ist Sebastian Kurz, der nur Stunden nach seinen Zweier-Gesprächen mit Merkel, Kramp-Karrenbauer und von der Leyen in Berlin, seinen Auftritt hat. Und genießt.

Zweiter Akt. Gut gelaunt, leger in Jeans, Hemd und Blazer betritt Kurz das Gelände, bahnt sich den Weg in die kleine Arena, stellt sich zu Eppinger und wie beiläufig sein Wahlprogramm vor.

Wahlversprechen

Die Kameras beobachten ihn. 360 Grad. Erst zeigen sie die einstige VP-Regierung in der zweiten Reihe, dann die Nummer eins. Fokus auf Kurz und Eppingers Fragen. Jede Antwort ein mehr oder weniger verstecktes Wahlversprechen. Er wolle dem "eingeschlagenen Kurs" treu bleiben. Er spricht vom Klimawandel und davon, dass man "mit der Schöpfung respektvoll umgehen" müsse. Davon, dass "ständige Steuererhöhungen nicht der richtige Weg sind – dafür die ökosoziale Marktwirtschaft." Dafür und für jede Anekdote bekommt Kurz Applaus.

 

Nach gut 20 Minuten schließt er mit einer Bitte seine Rede, die an das Ibiza-Video anschließt. "Es sind so viele Gerüchte und Falschmeldungen in Umlauf. Ich habe eine große Bitte: Wenn das mehr wird, dann haltet ordentlich dagegen, lasst euch nicht außer Tritt bringen. Und: Beteiligen wir uns nicht daran!"

 

Und noch etwas betont Kurz mehrfach, ehe er das Bad in der Menge nimmt und die Inszenierung endet: "Bitte lehnen wir uns nicht zurück", sagt er und meint die Wahlumfragen. "Es geht darum, wie es am 29. September ausgeht. Da brauche ich jeden einzelnen von Euch!"

Um die Stimmen buhlt er am Sonntag wieder. Bei seiner Wander-Tour in Tirol.