Politik | Inland
20.08.2013

Schwule und Promis machen Mut

Das US-Projekt "Es wird besser" gegen Mobbing von Homosexuellen startet in Österreich.

Künstler und Schauspieler wie Elton John oder Jodie Foster haben sich längst geoutet: Sie stehen zu ihrer Homosexualität. Firmenbosse oder Sportler tun sich mit dem Schritt an die Öffentlichkeit weitaus schwerer. Sie müssen immer noch mit Häme und einem Karriereeinbruch rechnen. Umso beachtlicher, dass sich der US-Wrestler Darren Young vergangene Woche outete: „Ich bin schwul und bin glücklich damit“, sagte er. Besonderen Mut bewiesen am vergangenen Sonntag zwei russische Läuferinnen. Sie setzten mit einem öffentlichen Kuss bei der Leichtathletik-WM-Siegerehrung ein Zeichen gegen die zunehmende Homophobie in ihrem Land.

Solche prominente Rollenvorbilder können für Jugendliche eine große Hilfe sein. Davon ist der Grüne Politiker Marco Schreuder überzeugt. Er hat deshalb – gemeinsam mit Politikberater Feri Thierry – das Projekt „Es wird besser“ nach Österreich gebracht. Die Idee stammt aus den USA: In Videobotschaften soll jungen Menschen Mut gemacht werden, zu sich und zu ihrer sexuellen Orientierung zu stehen. Schwule und Lesben sprechen in Kurzclips darüber, wie ihre Umwelt auf sie reagiert. Heterosexuelle – wie Präsident Barack Obama oder Lady Gaga – berichten über ihre Erfahrung mit Homosexuellen und fordern zur Toleranz auf.

Depressiv

Toleranz haben gleichgeschlechtliche, bisexuelle sowie transidente Jugendliche (kurz LGBT für lesbian, gay, bisexual and transgender, Anm.) besonders nötig. Denn sie leiden viel stärker unter Diskriminierung als Heterosexuelle. Die Folge: Depressionen, Selbstmordgedanken und Suizide kommen bei ihnen weitaus häufiger vor. Darauf weist Martin Plöderl von der Uniklinik für Psychiatrie Salzburg hin. „Während ihres Outings, das meist im Jugendalter ist, sind sie besonders gefährdet“, weiß er. Und: „Menschen, die für schwul oder lesbisch gehalten werden, aber es nicht sind, stehen unter noch stärkerem psychischen Druck.“

Wenn junge Menschen aber merken, dass sie mit ihrer Neigung nicht allein sind, sind sie weniger suizidgefährdet. Es sind Sätze wie die von Feri Thierry, die Betroffenen Mut machen: „Je mehr du zu dir selbst stehst, desto besser wird es, weil andere dich dann akzeptieren“, sagt er in einem der 25 Videos, die seit Montag online unter www.eswirdbesser.at zu finden sind. Protagonisten wie Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek oder „Helden-von-Morgen“-Juror Mario Soldo geben ihr Statement ab. Bei diesen 25 soll es allerdings nicht bleiben. Ziel ist es, dass möglichst viele Menschen Clips zum Thema auf die Online-Seite stellen. Auf der Homepage finden sich Telefonnummern und Links zu Beratungsstellen.

Mehr dazu unter www.eswirdbesser.at

Schwulen & Lesben

Seit 1. Jänner 2010 sind in Österreich eingetragene gleichgeschlechtliche Partnerschaften erlaubt. Internationaler Vorreiter war 1989 Dänemark. Einen Schritt weiter ist Neuseeland: Seit Montag ist die Homo-Ehe erlaubt. 14 Prozentder homo- und bisexuellen Jugendlichen in Österreich haben Selbstmordversuche hinter sich. Bei Heterosexuellen sind es „nur“ ein Prozent. 49 Prozent der Österreicher befürworten die gleichgeschlechtliche Ehe. 44 Prozent wollen auch ein Adoptionsrecht.

„Ich bin lesbisch und auch nicht anders als ihr“

Lena war 19, als sie sich in Lisa verliebte. „Insgeheim fühlte ich mich schon länger zu Frauen hingezogen. Das Outing war für mich keine große Sache, eher ein notwendiges Übel. Ich war so verliebt und wollte das der ganzen Welt zeigen.“ Diese – oder zumindest das direkte Umfeld – reagierte durchwegs positiv. „Bis auf eine Ausnahme hatten meine Mitschüler kein Problem damit. Bei meiner Familie war es ähnlich. Die einzige Sorge meiner Mama war, dass ich selber negative Erfahrungen machen könnte.“ Solche gab es zwar – in einem Einkaufszentrum rief eine Frau dem verliebten Paar zu, es gehöre „auf den Müll“ –, „aber das sind absolute Ausnahmen“. Jugendlichen, die homosexuelle Neigungen verspüren, rät Lena, erst einmal in sich zu gehen. „Danach sollte man unbedingt auch öffentlich dazu stehen. Die Leute müssen merken, dass man kein Problem mit sich hat“, ist die 22-Jährige überzeugt.

Mutterschaft

Wütend wird die Studentin bei Diskussionen um die Stiefkindadoption für homosexuelle Paare. „Ich lebe mit einer Frau zusammen. Warum sollte ich deshalb keine gute Mutter sein? Am liebsten würde ich allen Heterosexuellen sagen: Ich bin nicht anders als ihr!“ Sehr viele wissen das längst. Lenas Oma etwa. „Sie meinte vor Kurzem, es wäre nett, wenn Lisa und ich eines Tages heiraten. Dann könnten unsere Familien nämlich zwei Brautbäume aufstellen.“