Politik | Inland
16.11.2017

Schieder und Ludwig werden sich parteiinternen Hearings stellen

Kontrahenten um Häupl-Nachfolge werden den Genossen ihre Ideen präsentieren.

"Ich habe sehr viele motivierende Mails und Anrufe bekommen", sagt SPÖ-Klubobmann Andreas Schieder, einen Tag nachdem er ins Rennen um die Nachfolge von Wiens Bürgermeister Michael Häupl eingestiegen ist. "Die Reaktionen gingen quer durch alle Bezirke und Altersgruppen."

Inhaltlich will er sich auf die Schwerpunkte Arbeit und Digitalisierung, Bildung sowie Klimaschutz konzentrieren. "Als langjähriger Finanzstaatssekretär weiß ich aber auch, wie wichtig ein möglichst ausgeglichenes Budget ist." Im Bereich Integration plädiert Schieder dafür, "alle Menschen mit einem Maßstab zu messen. Wir müssen allen die gleichen Chancen geben, von ihnen aber auch das Gleiche verlangen."

Eine klare Absage erteilt der 48-Jährige Kürzungen bei der Mindestsicherung. "Wir dürfen nicht zusehen, wie Schwarz-Blau versucht, das Sozialsystem zu zerstören. Kürzungen in Ländern wie NÖ und OÖ schaffen mehr soziale Probleme, als sie lösen."

Schon bald werden Schieder und sein Kontrahent Wohnbaustadtrat Michael Ludwig Gelegenheit haben, mit den Genossen über diese und andere Themen zu diskutieren: "Die Landespartei wird für Möglichkeiten sorgen, damit beide Kandidaten unter fairen Rahmenbedingungen ihre Programme und Ideen vorstellen und sich präsentieren können", kündigt SPÖ-Landesgeschäftsführerin Sybille Straubinger an.

Geplant sind Veranstaltungen, auf denen sich alle Parteimitglieder ihre Meinung bilden können. "Denn der künftige Parteichef wird der Vorsitzende der gesamten Partei sein und nicht nur der Delegierten des Parteitags", sagt Straubinger.

Details will man im Dezember präsentieren, die Veranstaltungen selbst werden vor allem im Jänner über die Bühne gehen, nachdem die Nennfrist für die Kandidatur für den Landesparteitag am 27. Jänner verstrichen ist.

Gewerkschaft

Auch die Gewerkschafter – sie stellen 120 der knapp 1000 Delegierten – wollen beide Kandidaten zu einer Art Hearing einladen. "Die Mitglieder sollen sich ein Bild machen können, wie sie etwa zu Fragen wie Sonntagsöffnung, Daseinsvorsorge oder höhere Löhne stehen", sagt Christian Meidlinger, Vorsitzender des FSG Wien, zum KURIER. Seine eigene Bewertung der Kandidaten: " Ludwig hat in der Kommunalpolitik sehr viel Gutes bewirkt. Wir werden sehen, wie Schieder die Dinge sieht."

Unterdessen deklarieren sich immer mehr Genossen öffentlich: "Grundsätzlich kann ich mit beiden Kandidaten leben", sagt der ehemalige Klubobmann und Stadtrat Rudi Schicker von der SPÖ Landstraße zum KURIER. "Aber Ludwig hat sich in Wien bewährt, während Schieder auf der Bundesebene aktiv ist." Schicker traut Ludwig auch zu, den parteiinternen Kontrahenten "die Hand zu reichen".

Für Ludwig macht sich auch der frühere Stadtschulrat Kurt Scholz stark: "In Fragen der Volksbildung, der zeitgeschichtlichen Forschung oder bei Aktivitäten gegen Rechts war Ludwig immer der verlässlichste Ansprechpartner. Insofern halte ich es für völlig unangebracht, dass ihn seine Gegner ins rechte Eck drängen wollen. Das ist am Rande des Rufmords." Scholz kritisiert aber auch, dass es der Parteispitze nicht gelungen ist, eine Kampfabstimmung abzuwenden. "Eine solche Konfrontation wäre unter Helmut Zilk undenkbar gewesen", sagt er.

Für Schieder spricht sich hingegen Gemeinderätin Katharina Schinner, Gemeinderätin aus Währing, aus: "Er hat sehr viel Erfahrung und politisches Fingerspitzengefühl. Gerade in Zeiten wie diesen ist das wichtig. Außerdem hat er sich immer klar gegen Schwarz-Blau positioniert und nie mit FPÖ-Themen geliebäugelt."

Wie Ludwig stammt auch Gemeinderätin Susanne Bluma aus Floridsdorf. Dennoch unterstützt sie Schieder: "Ich habe es mir nicht leicht gemacht, ich kenne beide sehr gut. Schieder ist ein sehr verbindender Mensch und Politiker. Von seinem Alter her wäre er ein echter Generationenwechsel." Weiters ist Bluma überzeugt, dass Schieder eine "konsequentere Haltung gegenüber der FPÖ" hat als Ludwig.

Rote Frauen müssen weiter warten

Dass sie selbst ins Rennen geht, sei ohnehin nie zur Debatte gestanden, sagt Renate Brauner, Vizebürgermeisterin in Wien und Chefin der dortigen roten Frauen. Bei Noch-Frauenministerin Pamela Rendi-Wagner und den Wiener Stadträtinnen Sandra Frauenberger und Ulli Sima war das freilich nicht so – sie galten durchaus als potenzielle Nachfolgerinnen von Michael Häupl. Die roten Frauen, viele Parteilinke und auch Häupl selbst sollen jedenfalls eine weibliche Kandidatin favorisiert haben.

Warum es mit Michael Ludwig und Andreas Schieder dennoch zwei Männer sind, die ums Erbe Häupls streiten? Diese Frage ist selbst für Brauner nicht so einfach. "Stimmt, jetzt sind es zwei Männer geworden", sagt sie zum KURIER, allerdings seien "beide Herren bestens geeignet". Zudem sei ein Antritt eine "sehr persönliche Entscheidung. So einfach ist das nicht."

Mit ein Grund ist aber auch, dass es bei keiner der potenziellen Kandidatinnen so aussah, als habe sie genügend Unterstützer in den Bezirken. Auch der Umstand, dass es in Teilen der Wiener SPÖ nach wie vor gut verankerte, männlich dominierte Seilschaften gibt, macht es für die roten Frauen nicht einfacher, eine Personalie durchzubringen.

Keine Frau als Dritte

Eine Variante, die derzeit kursiert, ist der Antritt einer Frau als Konsenskandidatin; etwa, wenn sich Schieder und Ludwig in den kommenden Wochen zu sehr beschädigen. Dass sich etwa Ulli Sima zur Verfügung stellen könnte – ihr Name wird gerne genannt –, glaubt Brauner nicht. " Ich glaube nicht, dass sich noch jemand aufstellen wird."