Politik | Inland
18.01.2018

Russischer Rechtsaußenideologe hält Vorträge in Wien

Der umstrittene rechtsradikale Vordenker Alexander Dugin ist vor dem FPÖ-Akademikerball Gast eines Ex-Börsenhändlers.

Der umstrittene russische Rechtsaußendenker Alexander Dugin wird am 25. und 26. Jänner in Wien Vorträge halten. Das berichtet die Tageszeitung Die Presse mit Verweis auf Ex-Börsenhändler Thomas Bachheimer, dessen Internetseite als Veranstalter der Vorträge auftritt. Unklar ist, ob Dugin während seines Wienaufenthalts auch den FPÖ-Akademikerball am 26. Jänner besuchen wird.

"Wie kaum ein anderer Philosoph verursacht Alexander Dugin mit seinen Büchern, Theorien und Aussagen immer wieder fassungslose Gesichter und Ratlosigkeit von London bis Wladiwostok", bewirbt der Veranstalter den für 25. Jänner geplanten Vortrag Dugins. Der Russe will sich laut Die Presse inhaltlich mit der Zukunft Europas und seiner Liberalismuskritik beschäftigen. Aufgrund "erhöhter Sicherheitsstandards" würden angemeldete Besucher erst am Tag vor dem Vortrag über den genauen Veranstaltungsort informiert werden, heißt es auf der Internetseite von Bachheimer, der selbst für seine Forderung nach einer Wiedereinführung des sogenannten Goldstandards im Finanzsystem bekannt ist.

Von der Popkultur zum rechtsradikalen Vordenker

Der 56-jährige Dugin, der Ende der 80er-Jahre zunächst als Experte für spätsowjetische Popkultur aufgetreten war und später zum rechtsradikalen Vordenker avancierte, war von internationalen Medien in vergangenen Jahren wiederholt fälschlich als Berater des russischen Präsidenten Wladimir Putin dargestellt worden. Obwohl manche seiner antiliberalen Ideen im Russland Putins mainstreamtauglich wurden, hat sein Einfluss zuletzt merklich abgenommen.

Seine martialischen Appelle 2014, russische Streitkräfte offiziell in der Ostukraine einmarschieren zu lassen, zeitigten keinerlei Resultate. Der habilitierte Philosoph mit auffälligem Bart selbst verlor im Juni 2014 seine Professur an der Moskauer Staatlichen Universität und konzentrierte sich in Folge auf publizistische Aktivitäten. Mit Videos in einigen Sprachen, unter anderem auch in gebrochenem Deutsch, versuchte er zudem, sich auch international Gehör zu verschaffen.

Umstrittenes Institut

Kontakte Dugins nach Österreich liefen zuletzt vor allem über das "Suworow Institut" in Wien. Diese rechtslastige Kleinstinstitution, die sich mit Fokus auf das "christliche Fundament der russischen Zivilisation" für einen "ehrlichen Dialog mit Russland" einsetzen möchte, hat den nunmehrigen Auftritt des Philosophen laut Veranstalterangaben auch miteingefädelt. 2014 war der Russe als Teilnehmer eines internationalen Rechtsradikalenkongresses im Wiener Palais Liechtenstein aber auch auf hochrangige FPÖ-Politiker wie Heinz-Christian Strache oder Johann Gudenus getroffen.

Bereits zuvor soll Dugin laut Medienberichten aber auch den nunmehr in Akademikerball umbenannten WKR-Ball von Burschenschaftern besucht haben. Ob er bei der diesjährigen Ausgabe der rechten Abendveranstaltung am 26. Jänner Gast sein würde, war am Donnerstagabend zunächst unklar und Gegenstand politischer Spekulationen.