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Politik | Inland
01/19/2019

Rundumschlag bei Neujahrstreffen: Strache will "Vize" loswerden

Neujahrstreffen: Eine entfesselte FPÖ mobilisiert gegen Brüssel, Wien, Othmar Karas und die SPÖ. Strache will überdies Kurz’ Job.

Die FPÖ und ihr Obmann Heinz Christian Strache lassen nichts aus.

In Hinblick auf die jüngsten Frauenmorde gibt Strache den Flüchtlingshelfern von 2015 „Mitverantwortung an dem dramatischen Gewaltanstieg gegen Frauen“. Wörtlich sagt Strache: „Genau jene, die als Willkommensklatscher aufgetreten sind, haben Mitverantwortung für das, was gerade passiert.“

Das Publikum in der vollen Halle der Wiener Messe klatscht euphorisch und schwenkt rot-weiß-rote HC-Fähnchen.

Willkommen beim FPÖ-Neujahrstreffen 2019.

Die John-Otti-Band dröhnt, Johann Gudenus führt durch das Vorprogramm. Er ersucht um einen Sonderapplaus für den niederösterreichischen Burschenschafter Udo Landbauer, „weil wir uns niemanden ungerechtfertigt raus schießen lassen“. Auf den zweiten umstrittenen Niederösterreicher, Gottfried Waldhäusl, vergisst Gudenus, für ihn wird Strache später einen Sonder-Applaus anregen. Sozialministerin Beate Hartinger-Klein erhält Lob für ihr „soziales Herz für die Österreicher“, und weil sie „die Sozialkarawane aus dem arabisch-islamischen Raum“ stoppt. Zu den illustren Gästen im Saal gehören Udo Guggenbichler, der Organisator des Akademikerballs, und Richard Lugner, über den sich Strache besonders freut, „dass er zu uns gefunden hat“.

„Sorgen“ macht sich Gudenus an diesem Samstagvormittag wegen Wien: „In Wien sitzen die Zuwanderer in den Gemeindebauten, kassieren Mindestsicherung und schimpfen über unser Rechtssystem.“ Gudenus: „Es ist an der Zeit, Wien und die Wiener Bevölkerung von der rot-grünen Fremdherrschaft zu befreien. Wien muss anders werden.“

Vor der Tür demonstriert ein Grüppchen gegen die FPÖ – das kommt dem FPÖ-Spitzenkandidaten für die EU-Wahl, Harald Vilimsky, gerade zupass. „Liebe Freunde da draußen – je lauter Ihr schreit, desto größer werden unsere Wahlerfolge. Ihr seid unsere Neujahrsglücksschweinchen.“

Während Gudenus Wien befreien will, setzt Vilimsky zur Befreiung Brüssels an. „2019 wird das Jahr, in dem europaweit vorgegangen wird, und eine Abwahl ins Leben gerufen wird, eine Abwahl von Juncker, Macron, Merkel.“

Salvini, „Retter Europas“

Vilimsky entschuldigt sich „bei allen Ischias-Patienten, das kann eine schwere Krankheit sein“. Juncker leide „an einer speziellen Form, bei der man einen schwarzen und einen braunen Schuh anzieht, herum torkelt und Frauen in den Haaren wuschelt“.

Die Retter Europas seien Salvini, Strache und Orban, sie würden „den Weg in die Zukunft weisen“. Am 26. Mai, dem EU-Wahltag, müsse ein Signal von Österreich ausgehen, „dass die Reform, die wir in Österreich vorzeigen, die in Italien, Ungarn und Polen zu sehen ist, durch ganz Europa gehen muss“, sagt Vilimsky. Zum Spitzenkandidaten der ÖVP sagt Vilimsky: „Lieber Othmar Karas, ich werfe Ihnen heute den blauen Fehdehandschuh ins Gesicht. Sie stehen für offene Tore für Zuwanderer und für eine zentralistische Union.“

„75 Prozent FPÖ“

Jetzt kommt Strache. Er bilanziert 2018 so: „In der Bundesregierung gibt es 75 Prozent freiheitliche Handschrift bei einem Wahlergebnis von 26 Prozent.“ Für 2019 kündigt der FPÖ-Chef eine „Neukodifizierung des gesamten Asylrechts“ an und sagt ganz generell: „Wir wollen keine weitere Migration.“ Strache: „Wir werden sicherstellen, dass jeder, der sich nicht an die Spielregeln hält, sofort Österreich verlassen muss. Herbert Kickl wird das sicherstellen. Er tut, was getan werden muss. Ihm ist es egal, ob ihn die Medien oder die NGOs lieb haben.“ Die Stimmung im Saal kocht hoch.

Es sei gut, dass die SPÖ aus der Regierung gewählt wurde, und es sei gut, dass sie die nächsten zwanzig Jahre nicht mehr an die Regierung kommen werde, sagt Strache. Für die SPÖ hat er nur Spott übrig: „Rendi-Wagner ist völlig untergetaucht. Ihr Vorgänger hat wenigstens noch Pizza ausgetragen.“

Strache ruft dazu auf, nach dem Bund „die Sozialisten“ auch in Wien abzuwählen: „Die Sozialisten forcieren die Zuwanderung nach Wien, davon profitieren die privaten Miethaie, weil die Sozialisten zu wenige Wohnungen bauen. Wir werden in Wien 60.000 leistbare Wohnungen bauen. In den Gemeindebauten werden Asylanten bevorzugt. Wenn wir in Wien endlich in der Regierung sind, werden die Österreicher bevorzugt.“

ORF-Reform kommt 2019

Für 2019 kündigt Strache weiters an, „die überfällige ORF-Reform voranzutreiben“. Außerdem werde es ein Gesetz geben, um den politischen Islam zu verbieten und Verdächtige auszuweisen.

Als Wahlziel für die EU-Wahl nennt Strache Platz 2. Und danach? Strache: „Wir sind noch lange nicht am Ziel. Es steht bei mir der Vize vor dem Kanzler, das nächste Mal soll Kanzler davor stehen.“