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Politik Inland
08/21/2021

Rudolf Edlinger 1940 - 2021

Am Samstag verstarb der langjährige sozialdemokratische Politiker. Er war Kommunalpolitiker und Finanzminister, später Präsident von Rapid Wien und des Wiener Pensionistenverbandes

von Bernhard Gaul

Als sich Rudolf Edlinger im Jahr 2000 während einer hitzigen Parlamentssitzung einmal mehr ans Rednerpult begab, fiel der Satz, der wohl den meisten bis heute im Gedächtnis ist: „Bevor ich das Geld der Österreicher der ÖVP übertrage, lasse ich meinen Hund auf eine Wurst aufpassen.“

Edlinger richtete die Worte an den damaligen ÖVP-Chef Wolfgang Schüssel, der als Voraussetzung für eine weitere SPÖ/ÖVP-Koalition den Finanzminister vorschlagen wollte.

„Und recht behielt ich“, sagte Edlinger noch 2019. Schließlich sei zwar kein ÖVPler, sondern Karl Heinz Grasser von der FPÖ sein Nachfolger im Finanzministerium geworden. Und dieser wurde 2020 – nicht rechtskräftig – wegen Untreue während dessen Amtszeit als Finanzminister zu acht Jahren Haft verurteilt.

Am Samstag verstarb Edlinger nach langer, schwerer Krankheit im 82. Lebensjahr.

Edlinger war ein Arbeiterkind aus Wien, er erlernte den heute kaum noch bekannten Beruf des Lithografen, später studierte er an der Universität für Welthandel.

Politische Karriere

Ab 1969 war er für die SPÖ Wien im Gemeinderat und von 1981 bis 1986 Klubvorsitzender. Dann wechselte er als Wohnbaustadtrat in die Landesregierung. In diese Zeit fiel unter anderem die Offensive für die öffentlich geförderten Wohnhaussanierungen und den Ankauf der Grundstücke für die Seestadt Aspern.

Unter Bürgermeister Michael Häupl übernahm er das Amt des Finanzstadtrates. Als bisher letzter SPÖ-Finanzminister in der Regierung von Viktor Klima fixierte er als EU-Ratsvorsitzender die Wechselkurse von damals elf nationalen Währungen zum künftigen Euro. Und: Er leitete die Abschaffung der verhassten Stempelmarken ein.

In seine Amtszeit als Präsident des SK Rapid fiel der bisher letzte Meistertitel für seinen Klub.

Bekannt war er außerdem für seine bunten Krawatten mit Statement (etwa jene mit den blauen Schweinen) und seine schnoddrige, bisweilen goscherte Art – ähnlich wie der Wiener Gesundheitsstadtrat Peter Hacker heute auftritt. Und obwohl von den ÖVP-Politikern damals nicht sehr gemocht, war Edlinger doch ein Großkoalitionär der alten Schule, und damit für sie immer verhandlungsfähig.

Van der Bellen: "Es war immer eine Freude, mit ihm zu diskutieren"

Tief betroffen zeigte sich Bundespräsident Alexander Van der Bellen. „Mit großer Leidenschaft hat Rudolf Edlinger Jahrzehnte lang das politische Geschehen in Österreich geprägt, zunächst als Gemeinde-und Stadtrat in Wien und dann als Finanzminister der Republik. Ich habe ihn in meiner Zeit im Parlament als sozial verantwortungsvollen Politiker sehr geschätzt, und es war immer eine Freude mit ihm zu diskutieren. Besonders in Erinnerung bleibt mir sein ausgeprägter Sinn für Humor“, so der Bundespräsident in einer Aussendung: „In Erinnerung bleibt aber auch sein unbeirrbares Engagement für soziale Gerechtigkeit und seine antifaschistische Grundhaltung, die sich zuletzt in seinem Wirken als Präsident des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstands manifestierte.“

SPÖ trauert um "aufrechten und engagierten Sozialdemokraten"

SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner würdigte Edlinger als aufrechten und engagierten Sozialdemokraten, der sich in all seinen Funktionen immer für die Anliegen der Menschen stark gemacht habe. „Die Lücke, die er hinterlässt, ist groß. Mein aufrichtiges Mitgefühl gilt seiner Familie“, so Rendi-Wagner. Dass Edlinger „unfassbar fehlen“ werde, betonte auch SPÖ-Bundesgeschäftsführer Christian Deutsch.

Wiens Bürgermeister und SP-Landesparteichef Michael Ludwig reagierte in tiefer Trauer. „Als einer meiner Amtsvorgänger als Wiener Wohnbaustadtrat, langjähriger Mandatar des Wiener Landtages und Gemeinderats, als Nationalratsabgeordneter sowie als Finanzminister und zuletzt als Präsident des PVÖ Wien hat Rudi dem politischen Geschehen in Österreich immer seinen Stempel aufgedrückt“, teilte der Bürgermeister mit. Kärntens Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) würdigte ihn als „Politiker, der Empathie und sozialdemokratische Wert großgeschrieben hat“.

„Es ist unfassbar traurig, dass Rudi Edlinger von uns gegangen ist“, erklärte Arbeiterkammer-Präsidentin Renate Anderl: „Ein langjähriger Wegbegleiter in der Politik und bei Rapid wird sehr fehlen. Meine Gedanken sind bei seiner Familie.“ PVÖ-Präsident Peter Kostelka würdigte die „lange und erfolgreiche politische Karriere“ des Verstorbenen, und PVÖ-Ehrenpräsident Karl Blecha hob die freundschaftlich und politische Verbundenheit seit Jugendtagen hervor.

ÖVP: "Ein versierter Sozialpolitiker, der sich durch Feingefühl und Konstruktivität ausgezeichnet hat"

Seitens der ÖVP zeigt sich Seniorenbund-Präsidentin Ingrid Korosec bestürzt. „Rudolf Edlinger war ein fachlich versierter Sozialpolitiker, der sich durch Feingefühl und Konstruktivität ausgezeichnet hat“, erklärte sie. FPÖ-Frauen- und Seniorensprecherin Rosa Ecker bezeichnete ihn als starkes Sprachrohr für die Anliegen der Senioren.

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