Politik | Inland
06.02.2018

Rote Gewerkschaft formiert sich neu zwischen Dialog und Widerstand

ÖGB und AK bekommen neue Führungen. Das Rezept in schweren Zeiten: Routine.

Im Prinzip gehe er lieber zum Heurigen als Protestieren, sagte Wolfgang Katzian am Dienstag. Manchmal gebe es aber Ausnahmen.

Welche? Dazu später mehr.

Zunächst einmal gilt es zu bestätigen, was KURIER-Leser seit 20. Jänner wissen: Der 61-jährige Katzian ist als Chef der wichtigsten Fraktion im ÖGB, der FSG, und als Vorsitzender der größten Teilgewerkschaft, der GPA-djp, nicht nur einer der mächtigsten Männer in der Gewerkschaft. Er wird zudem von der FSG für die Nachfolge von Erich Foglar nominiert – und damit im Juni zum nächsten ÖGB-Präsidenten gekürt.

Katzians Job als FSG-Chef übernimmt der Chef der Produktionsgewerkschaft "pro-ge", Rainer Wimmer. Katzians Platz in der GPA bekommt Wiens GPA-Chefin Barbara Teiber. Und weil die SPÖ-Gewerkschafter in der AK den Ton angeben, wurde auch die vom KURIER bereits berichtete Rochade bestätigt: Auf Rudolf Kaske folgt an der AK-Spitze die bisherige ÖGB-Vizepräsidentin Renate Anderl – nach Lore Hostasch ist sie die erst zweite Arbeiterkammer-Chefin.

Herumg’scheiteln

Soviel zum Personellen. Was aber bedeutet der Wechsel inhaltlich? Wie legen es Katzian, Anderl und Wimmer an?

Offiziell wollen sich die Betroffenen nicht groß äußern. Man sei formal noch nicht gewählt, und es sei, so Katzian, ein Gebot der Höflichkeit, nicht schon in der Amtszeit des Vorgängers "herumzug’scheiteln".

Unabhängig davon ist klar, dass eine von ÖVP und FPÖ geführte Bundesregierung für eine sozialdemokratisch geführte Arbeitnehmerbewegung manche Herausforderung bereithält – zumal sowohl ÖVP wie FPÖ bereits im Wahlkampf Zweifel daran angemeldet haben, ob die gesetzliche Pflichtmitgliedschaft noch sinnvoll ist.

Innerhalb der Gewerkschaftsbewegung werden Wimmer, Katzian und Anderl als Signal für Kontinuität und Routine verstanden. Insbesondere der neue Mann an der ÖGB-Spitze, Wolfgang Katzian, gilt gesellschaftspolitisch als Linksausleger. Stärker noch als andere Rote fühlt er sich der antifaschistischen Tradition verpflichtet. Und im Unterschied zu anderen (Gewerkschafts-) Genossen steht Katzian Kooperationen mit den Freiheitlichen ausnehmend reserviert gegenüber.

Die Arbeiterkammer wiederum will schon im März einen "Dialog mit ihren Mitgliedern" eingehen. Die Idee dahinter: Die Mitglieder sollen deutlicher als bisher die Inhalte vorgeben, mit denen sich die AK auseinandersetzt – so schafft man Rückhalt und Legitimation.

In Richtung Regierung kommen vorerst keine allzu scharfen Töne. Man warte ab, was Türkis-Blau tut und gibt sich dialogbereit, so die Devise. Eines ist für Katzian & Co aber sonnenklar: "Wenn es jemanden gibt, der uns die Bereitschaft zum Dialog als Schwäche auslegt, werden wir – wenn notwendig – in den Widerstand treten."