Politik | Inland
24.03.2017

Prölls kämpferischer Abschied: "Tiefe Abfuhr für die Länderfeinde"

Nach 25 Jahren trat Erwin Pröll am Freitag als Parteichef ab. Sein Resümee fiel laut und deutlich aus.

"Ich schlaf schon die ganze Woche schlecht", lacht ein Delegierter aus dem Bezirk Wiener Neustadt. "Ich hab gestern schon vorgeweint", scherzt sein Kollege aus dem Mostviertel. Die Stimmung der rund 1100 Gäste im Veranstaltungszentrum St. Pölten war am Freitagnachmittag gelöst. Doch Erwin Prölls letzter Parteitag als Landesobmann endete tränenreich.

Erstmals in ihrer Geschichte hält die nö. Volkspartei einen zweitägigen Parteitag ab. Am Freitag verabschiedete die Partei ihren langjährigen Obmann. Heute, Samstag, wird seine Nachfolgerin Johanna Mikl-Leitner ins Amt gewählt. Es ist der Auftakt zu Prölls Rückzug: Am 19. April tritt er nach knapp 25 Jahren als Landeshauptmann ab.

"Es geht mir heute darum, Rechenschaft abzulegen, aber nicht abzurechnen", leitete Pröll seine rund einstündige Rede ein. Ganz sollte er sich nicht daran halten. Die versammelte Politprominenz der Partei, angeführt von der Ministerriege, sollte einiges zu hören bekommen.

In den vergangenen 25 Jahren habe es große Weiterentwicklungen in Wissenschaft, Kultur und Infrastruktur gegeben, resümierte Pröll. Letzteres werde aber zunehmend schwieriger: "Wenn Gerichte Projekte wie die dritte Piste am Flughafen verhindern und dazu noch von politischen Kräften, wie den Grünen bejubelt werden, dann schädigt das den Standort, gefährdet Arbeitsplätze und blockiert die Zukunft des Landes." Pröll fordert von seinen Kollegen wieder mehr Mut: "Es ist Mode geworden, sich hinter Gesetzestexten zu verstecken. Die Politik muss sich wieder mehr entscheiden trauen."

Zu seiner Kulturpolitik meinte Pröll: "Ich habe euch viel abverlangt, einiges war unpopulär, manches verstörend, vieles kontroversiell. Aber meine feste Überzeugung bleibt, dass Kunst und Kultur der Humus für Kreativität und Fortschritt sind."

Warnt vor Verleumdern

Mit dem Selbstbewusstsein des Landes hätten viele ihre Probleme gehabt. "Wer sind die Oberkritiker? Meistens sind es Einkommens-Milliardäre, die sich gerne Parteien und Politiker kaufen." Er werde seinen Kampf für den Föderalismus nicht aufgeben. "Länderfeinde" forderte auf, "endlich eine Volksabstimmung zur Abschaffung der Bundesländer zu starten. "Die Bevölkerung wird euch eine tiefe Abfuhr erteilen."

Zu der gegen ihn gerichteten Verleumdungskampagne vor einiger Zeit meinte er: "Heute reichen zwei Hände und ein Laptop um Zerrbilder zu produzieren und zu verleumden. Ich weiß wovon ich spreche. Als ich im Netz gejagt wurde, da hat sich gezeigt, was seriöser Journalismus ist. Kritischer Journalismus ist in der Demokratie unerlässlich. Wenn er aber zum gelenkten Journalismus wird, dann schadet das der Demokratie."

"Herz hängt am Land"

Seiner Nachfolgerin ebnete Pröll den innerparteilichen Weg: "Wir sind mit Hanni Mikl-Leitner und ihrem Team ausgezeichnet gerüstet für den Weg nach vorne. Das Land braucht sie." Für die vor ihr liegende Herausforderung wünschte er ihr alles Gute. Und als Erwin Pröll zum Abschluss mit feuchten Augen zwei Zeilen der nö. Landeshymne zitierte, flossen auch Tränen im Publikum: "Oh Heimat dich zu lieben, getreu in Glück und Not. Das ist nicht nur eine leicht gesungene Hymne. Das ist mein Leben. Mein Herz wird immer an diesem Land hängen."