Pressefreiheit-Ranking: Österreich rutscht ab

APA7382634-2 - 28032012 - WIEN - ÖSTERREICH: ZU APA 447 II - Der renommierte Concordia-Medienpreis für Pressefreiheit geht heuer an die Redakteure der ORF-"Zeit im Bild" für ihren Protest gegen politische Einflussnahme. Das gab der Presseclub in einer Aussendung bekannt. Im Bild: Der Beginn des Protestvideos auf YouTube aufgenommen am Mittwoch, 28. März 2012. APA-FOTO: HELMUT FOHRINGER
Reporter ohne Grenzen sehen zunehmend schwierige ökonomische Lage für Qualitätsmedien.

Nordeuropas Länder sind weiterhin weltweit die Musterschüler in punkto Pressefreiheit. Österreich ist dagegen in der jährlichen Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen (ROG/RSF) abgerutscht und belegt nunmehr Platz 12 (Rang 5 im Vorjahr). Im Nahen Osten und in Nordafrika ist die Bilanz der Situation für Journalisten zwei Jahre nach Beginn des Arabischen Frühlings ernüchternd.

Druck auf Redaktionen

Grund für das schlechtere Abscheiden Österreichs ist laut ROG die "zunehmend schwierige ökonomische Lage von Qualitätsmedien sowie der wirtschaftliche Druck, dem Redaktionen und Journalisten ausgesetzt sind." Hinzu komme eine "Presseförderung und Anzeigenpolitik, die vornehmlich marktorientiert ist" sowie "Versuche seitens der Politik, durch gezielte Postenbesetzung im Bereich des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ORF ihren Einfluss geltend zu machen", so Reporter ohne Grenzen in ihrem Bericht.

Weiter verschlechtert hat sich die Situation im Jahr 2012 wie bereits im Vorjahr in Ungarn und Griechenland. Ungarn belegt nunmehr Rang 56. Hier sei die Selbstzensur seit den umstrittenen Mediengesetzen in den Redaktionen weitverbreitet, so ROG. In Griechenland, das von Platz 70 auf Platz 84 abrutschte, werden Journalisten immer häufiger von extremistischen Gruppen angegriffen.

Auch in der Türkei verschlechtert sich die Mediensituation, das Land belegt Platz 154 von den insgesamt 179 untersuchten Ländern. "Seit dem Militärregime saßen nie so viele Journalisten im Gefängnis wie heute", kritisiert ROG. In der Ukraine, das im Jänner den OSZE-Vorsitz übernommen hat, ist die Gewalt gegen Journalisten laut dem Bericht im Jahr 2012 deutlich gestiegen (Platz 126). Auch in Russland (Rang 148) hat sich die Situation für Medien weiter zugespitzt. Die Berichterstattung über Großdemonstration gegen die umstrittene Wiederwahl Wladimir Putins sei behindert worden, die Überwachung des Internets intransparent.

Ägypten leicht verbessert - Nordeuropa am besten

Ernüchternd fällt die Bilanz in den Ländern des sogenannten "Arabischen Frühlings" aus. Ägypten hat sich im Ranking zwar leicht verbessert (von Platz 166 auf Platz 158), nach wie vor werden Journalisten und Blogger aber häufig angegriffen, verhaftet oder vor Gericht gestellt. In Tunesien nahmen die Übergriffe auf Journalisten sogar zeitweise zu, das Land rutschte um vier Ränge auf die 138. Stelle ab. Libyen dagegen konnte seine Platzierung nach dem Sturz des Gaddafi-Regimes um 23 Plätze verbessern (Rang 131). Syrien bleibt erwartungsgemäß auf dem viertletzten Platz. Es folgen wie im Vorjahr die drei Schlusslichter in Bezug auf die Pressefreiheit Turkmenistan, Nordkorea und Eritrea.

Zu den "freiesten" Ländern für Medien gehören laut Weltrangliste der Pressefreiheit weiterhin Finnland, die Niederlande und Norwegen. Gute Nachrichten gibt es auch aus zwei afrikanischen Staaten. Malawi rückte um ganze 71 Plätze auf Rang 71 vor. Die Elfenbeinküste verbesserte sich um 63 Plätze und liegt nun auf Rang 96. Am meisten verschlechtert hat sich die Situation für Journalisten 2012 dagegen in Mali, das viele Jahre einer der Vorreiter der Pressefreiheit war. Infolge des Militärputsches und der Machtübernahme der Islamisten im Norden des Landes mussten viele Radiosender ihren Betrieb einstellen.

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Reporter ohne Grenzen

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