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Politik Inland
02/21/2019

Posse um konkretes Modell für Karfreitag

Analyse: Der Handel will offene Geschäfte ohne Zuschläge für die Mitarbeiter – das bringt die Koalition in die Bredouille.

von Michael Bachner

Karfreitag ab 14 Uhr: Auf diesen neuen halben „Feiertag“ hat sich Türkis-Blau festgelegt und jetzt ist heftiges Tauziehen angesagt, wie diese Stunden im Handel zu handhaben sind. Denn eines ist klar: Die Geschäfte sollen offen bleiben, extra bezahlen wollen das die großen Händler nicht.

Am kommenden Mittwoch soll der „Viertel-Feiertag“, wie die Arbeiterkammer ätzt, im Parlament beschlossen werden. Das verlangt der Fristenlauf. Bis spätestens Montag sollte daher geklärt sein, wie die Details der Karfreitags-Lösung aussehen, heißt es. Und das wird alles andere als leicht. Der Zeitdruck ist enorm, die Positionen liegen weit auseinander.

Und das nicht nur zwischen den Unternehmen und der Gewerkschaft in der Frage der Entlohnung, falls am 19. April doch gearbeitet wird. Sondern auch innerhalb der Koalition: Wie weit gibt man dem Drängen der Wirtschaft nach einer „kostenneutralen“ Lösung nach oder behält auch Interessen der Arbeitnehmer im Auge?

Schließlich kann man politisch schwerlich einen neuen „Feiertag“ verkünden und dann zum Normaltarif arbeiten lassen. Der Aufschrei wäre enorm. Zuschläge wird es also geben müssen, aber in welcher Höhe?

 

 

 

Am teuersten käme den Handel das Modell „8. Dezember“, das FPÖ-Minister Norbert Hofer in Aussicht gestellt hat. Am 8. Dezember müssen die Arbeitgeber gemäß einer Sozialpartner-Einigung Zuschläge von 200 Prozent zahlen.

Am günstigsten käme den Handel das Modell „Samstag-Nachmittag“, das ÖVP-Ministerin Margarete Schramböck ins Spiel gebracht hat. Hier gibt es für die Beschäftigten nur 50 Prozent extra.

Welche Fraktion sich durchsetzt, ist offen. Am Donnerstag wurde wieder verhandelt, federführend ist hier Kanzleramtsminister Gernot Blümel. Aus seinem Umfeld ist zu hören, dass man mit 50-Prozent-Zuschlägen wohl kaum auskommen wird.

Kompensation

Vorsorglich deponieren die Händler, Zuschläge ab 14 Uhr bezahlen zu müssen, wäre überhaupt eine „riesen finanzielle Belastung“, die einen Millionenbetrag kosten würde. „Wir wollen eine Kompensation haben, wenn das kommt“, sagt Rewe-Vorstand Marcel Haraszti. Die Gewerkschaft will naturgemäß die 200 Prozent des 8. Dezembers und trommelt: „Keine Rabatte für den Handel.“

Wer für all das kein Verständnis hat, kann im Internet bei zwei nahezu identen Petitionen für einen „Karfreitag für alle“ unterschreiben. Die evangelische Kirche und die SPÖ suchen Unterstützer.

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