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Falstaff-Chef Rosam: „In Österreich ist der Neid größer als die Liebe“

Der Magazinmacher, Agentur-Gründer und PR-Berater über seinen Aufstieg, wie er die jetzige Politik sowie die Lage des ORF einschätzt – und ob sein Weinkeller sein größter Luxus ist.
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In seinem schmucken Büro am Schottenring mit Blick auf die Votivkirche treffen wir den quirligen Unternehmer aus Kärnten.

KURIER: Finanzminister Markus Marterbauer gilt als stiller Star der Regierung. Wie beurteilen Sie seine Performance?

Wolfgang Rosam: Er hat erstaunlich schnell in die Rolle als Finanzminister hineingefunden und ist eine starke Persönlichkeit. Wenn man sich aber das Budget anschaut, vermisse ich ein starkes Signal in Richtung ausgabenseitiges Sparen. Wir haben einen viel zu fetten und aufgeplusterten Verwaltungsapparat.

„Danke für nichts“ hat Marterbauer in seiner Budgetrede am Mittwoch in Richtung der früheren Koalition gesagt.

Diese Polemik hätte er sich ersparen können, auch wenn er inhaltlich recht hat: Die vorige Regierung hat zu viel Geld ausgegeben. Wir haben uns ja seinerzeit, als er noch Chefideologe der Arbeiterkammer war, ein ziemliches Match auf Twitter geliefert. Seither ist er schon staatstragender geworden. Er verbirgt seine Ideologie nicht, ist aber diszipliniert – also ein Profi.

Die Dreierkoalition funktioniert, warum kommt sie nicht vom Fleck, während die FPÖ wächst?

Es gibt einen europaweiten Rechtsruck und außerdem globale Unsicherheit, da kannst du nichts gewinnen. Was man aber schon kritisieren darf, ist der fehlende Mut der Regierung. Sie ist mir zu unambitioniert und zu wenig couragiert.

Wer waren begabte Kommunikatoren in der Politik?

Bruno Kreisky. Franz Vranitzky war ein guter Kommunikator, obwohl er sehr zurückhaltend war. Auf ÖVP-Seite sicher Sebastian Kurz und auf der FPÖ-Seite Jörg Haider.

Hat Kurz eine Chance auf ein politisches Comeback?

Er ist ein extrem erfolgreicher Unternehmer und in kurzer Zeit reich geworden, was ihn aber wahrscheinlich nicht dauerhaft befriedigen wird. Kurz hat das Macht-Gen. Wenn das Verfahren für ihn gut ausgeht, ist ein Comeback sehr realistisch.

Wolfgang Rosam

Zum ausführlichen "Salon Salomon" mit Wolfgang Rosam

Sie sind ein Profi der Krisenkommunikation. War das Handling der Affäre Weißmann durch Ihre Kollegen Heinz Lederer und Gregor Schütze im ORF-Stiftungsrat ein Ruhmesblatt für Ihre Branche?

Nein, es war erstaunlich schlecht gemacht, obwohl ich beide als Top-Profis schätze. Man hätte mehr Schaden vom ORF abwenden müssen. PR-Leute sollten aus meiner Sicht prinzipiell nicht an der Aufsichtsratsspitze des größten Medienunternehmens sitzen.

Ist der ORF noch zu retten?

Für die Demokratie, die Kultur, das Miteinander im Land ist eine starke, gesunde Medienszene wichtig. Dazu gehört auch ein großer öffentlich-rechtlicher Fernsehsender wie der ORF. Man müsste ihn nur ganz anders aufstellen und könnte zum Beispiel die Qualitätszeitungen in den Bundesländern die ORF-Landesstudios betreiben lassen.

Sie sind Eigentümer des Genussmagazins „Falstaff“. Haben Sie Ihr Hobby – gut essen, trinken und reisen – zum Beruf gemacht?

Absolut! Vor 18 Jahren habe ich den Falstaff gekauft, weil ich mir dachte, irgendwann in der Pension nur noch Weingüter zu besuchen – natürlich eine Illusion. Ich bin jetzt 69 und hab meine dritte Karriere begonnen. Das Falstaff-Wachstum ist noch lange nicht zu Ende. Wir haben 200 Mitarbeiter, kratzen an der 50-Millionen-Umsatzmarke, erscheinen in 13 Ländern in fünf Sprachen. Ich habe die Vision, eine europäische Magazinmarke zu bauen, es macht mir unglaublich viel Spaß. Und das Schöne ist: Falstaff repräsentiert das gute Leben!

Wolfgang Rosam

Was ist das Geschäftsmodell?

Community-Building! Als ich aus Kärnten nach Wien kam, habe ich den Club Carinthia gegründet und in der Publico den berühmten Zigarrenklub. Das war die erste Networking-Veranstaltung des Landes. Nach dessen Verkauf, gemeinsam mit der Publico, habe ich einen Gourmet-Club gegründet – noch vor der Übernahme des Falstaff. Von unseren 350.000 LeserInnen in Österreich sind 20.000 Gourmet-Club-Mitglieder, die das Abo gesponsert bekommen. Dasselbe bauen wir gerade in Deutschland und anderen Ländern auf. Mit dieser Reichweite und der Qualität der Leserschaft funktioniert auch unser Werbemarkt bestens.

Sie haben immer viel Geld verdient. Wie viel Neid ernten Sie?

Vor 50 Jahren bin ich mit einer Straßenbahnfahrkarte von Kärnten nach Wien gekommen und habe niemanden gekannt. Ich habe mir alles selbst erarbeitet. In Österreich ist der Neid größer als die Liebe. Ich werde mich nie damit abfinden.

Was halten Sie von neuen Vermögenssteuern?

Das ist eine wahnsinnig scheinheilige Debatte, die das Land spaltet. Wer es zu etwas gebracht hat, hat ja auch verdammt viel Steuer dafür gezahlt. Wenn wir wie die Schweiz eine Erbschaftssteuer einführen, dann bitte auch deren Steuersatz, der die Hälfte des österreichischen beträgt.

Wie schwer ist es Ihnen gefallen, Ihre Agentur an Silvia Grünberger – und weitere Partner – abzugeben?

Überhaupt nicht! Ich fühle mich mit Falstaff wie in einem Start-up, bin aufgeregt und voller Ideen. Ich nerve meine Mitarbeiter und habe noch viel vor.

Sie haben hohe Mitarbeiterfluktuation. Sind Sie ein schwieriger Chef – und sogar ein Choleriker?

Ich bin sehr anspruchsvoll, rege mich schon mal auf und kann manchmal auch lauter werden, worüber ich mich dann aber selbst ärgere. Die Gnade des Alters ist, dass man sich rasch wieder beruhigt. Aber ich habe immer Angst, etwas zu versäumen, aktuell zum Beispiel mit der Künstlichen Intelligenz. Wir arbeiten gerade an einem KI-Assistenten, der das Reisen in Zukunft attraktivieren und extrem erleichtern wird. Wenn das Projekt fliegt, wird es ganz groß.

Worauf sind Sie stolz?

Dass ich in mehr als 40 Jahren PR und Lobbying stets auf meinen Anstand geachtet habe und keinen einzigen Untersuchungsausschuss und auch kein Gerichtsverfahren hatte. Ich habe oft selbst bei großen Etats „nein“ gesagt, wenn ich gespürt habe, dass etwas nicht koscher war.

Ist Ihr Weinkeller Ihr größter Luxus?

Mein größter Luxus ist, seltene Weine, die ich sammle, auch zu trinken – aber nicht im stillen Kämmerlein, sondern mit Freunden. Ich bin ein Genussmensch, lebe im Jetzt und Heute.

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