Politik | Inland
20.12.2017

SPÖ Wien: Ludwig würde Kern nicht weichen

Um die Zukunft des SPÖ-Chefs brodeln Gerüchte. Doch dieser widmet sich der europäischen Sozialdemokratie.

Zeigleich mit der türkis-blauen Regierung wird auch die oppositionelle SPÖ am 4. Jänner in Klausur gehen. Sie hat auch einiges intern zu bereden.

Denn derzeit gleicht die SPÖ eher einer Gerüchteküche als einer effizienten Oppositionspartei. Daran ist sowohl die immer noch ungeklärte Nachfolge für Michael Häupl in Wien verantwortlich als auch die grassierende Überzeugung, dass Christian Kern sich auf Dauer nicht mit der Oppositionsrolle im Parlament zufrieden geben werde.

Kern war am Montag und Dienstag in Deutschland, um gemeinsam mit Welt-Herausgeber Stefan Aust eine Laudatio auf den deutschen Außenminister Sigmar Gabriel zu halten.

Außerdem war Kern zum Frühstück beim deutschen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier und traf sich mit dem Präsidenten des deutschen Gewerkschaftsbunds, Reiner Hoffmann.

Prompt verbreiteten sich in Wien Gerüchte, Kern strecke die Fühler nach einem Job aus, er suche deswegen den Kontakt zu Gerhard Schröder.

"Schröder war bei keinem Treffen dabei, und ich will auch nicht als Sekretär beim DGB anheuern", scherzt Kern. Vielmehr sei es bei den Gesprächen um die Zukunft der europäischen Sozialdemokratie ( SPE ) gegangen. Im Juni 2019 finden EU-Parlamentswahlen statt. Teile der SPE wollen diese Parlamentswahl anders als die letzte nicht mehr zu einer indirekten Wahl des Kommissionspräsidenten umfunktionieren. Die SPE hat kaum Chancen, stärkste Partei in der EU zu werden, Frankreichs Präsident Emanuel Macron überlegt nämlich, mit seiner Bewegung "etwas Eigenes" zu machen und seine Stimmen nicht der SPE beizusteuern. Somit würden die Konservativen zum x-ten Mal in Folge den EU-Kommissionspräsidenten stellen.

Nachgesagt werden Kern auch Ambitionen, am 27. Jänner für die Nachfolge Häupls auf dem Wiener SPÖ-Parteitag zu kandidieren. Die Überlegung lautet, Stadtrat Michael Ludwig würde auf eine Kandidatur gegen Kern verzichten, weil Kern auch Bundesparteichef ist. Doch dieses Kalkül scheint ein verfehltes zu sein. Warum sollte die Fraktion von Werner Faymann, die hinter Ludwig steht, ausgerechnet für Kern das Feld räumen? Kern hat immerhin Faymann vom Kanzlerthron gestoßen. So heißt es auch aus dem Ludwig-Lager: "Es wäre voreilig, anzunehmen, dass Ludwig zurück weicht, wenn Kern kandidiert".