"Haben bessere Kandidaten": Aus für Hochschulrat-Chef der PH NÖ
Der Wirbel rund um den Verdacht einer Intrige an der Pädagogischen Hochschule Niederösterreich hält an. Das Bundesministerium hatte am Montag erklärt, die Ermittlungen rund um die „Checkliste einer Intrige“ unbekannter Herkunft eingestellt zu haben. Auch die im KURIER wiedergegebenen Aussagen der beiden Bildungswissenschafter, die an den PH in Vorarlberg (Prof. Manfred Prenzel) und Niederösterreich (Prof. Norbert Pachler) den Vorsitz des Hochschulrates innehaben, ändern nichts daran. Weder Pachler noch Prenzel wurden vom Ministerium in dieser Sache kontaktiert.
Nun ist ein weiteres Detail aus der Checkliste bemerkenswert: Dabei geht es um die derzeit laufende Bestellung eines neuen Rektors oder einer neuen Rektorin.
„Extrem positive Bewertung“ eines „geeigneten Kandidaten im Sinne der Personalvertretung“, steht auf Seite 2, „ausführliche logisch-konsequente und eindeutige Stellungnahme zum Auswahlverfahren“ und „Unumstößliche Erstreihung unseres Kandidaten und detaillierte Herabwürdigung der anderen“ ist in der Checkliste zu lesen.
Punkt 6.2 der Liste zum „Auswahlverfahren (Wenn-Dann-Logik)“ wiederholt bei „Erstreihung unseres Kandidaten“: „Unumstößliche Präferenz unseres Kandidaten und detaillierte Herabwürdigung der anderen“. Punkt 6.2 (b), im Fall einer „alternativen Reihung“, also falls der eigene Kandidat nicht vom Hochschulrat erstgereiht sein sollte: „Infragestellung des gesamten Auswahlverfahrens“, „Desavouierung von Hochschulrat sowie Personalberatung und Bezichtigung der einseitigen Parteilichkeit“, „Detaillierter, scharfer Widerspruch zu negativen Aspekten in Bezug auf unseren Kandidaten“ und „umgekehrt umfangreiche Argumentation für unseren Kandidaten und gegen alle anderen“.
Soweit der Plan, ab Punkt 6.2 gibt es keine Hakerl mehr. Doch was dann tatsächlich geschah, folgte der Logik der Checkliste:
Dem KURIER liegen zwei schriftliche Stellungnahmen des Dienststellenausschusses (DA) mit Datum 9. Jänner 2026 und 22. Februar 2026 vor. Dazwischen, am 10. Februar, hatte der Hochschulrat, der mit allen Kandidaten ein Hearing durchlief, ein „Résumé-Protokoll der Sitzung zur Besetzung der Stelle einer Rektorin/eines Rektors“ an die zuständigen Stellen geschickt.
In der ersten Stellungnahme des DA, gezeichnet vom Vorsitzenden Jörg Spenger, findet sich auf 45 Seiten eine Stellungnahme zur Bewerbung aller 16 Kandidaten. Gleich zu Beginn wird ein Oberösterreicher auf fünf A4-Seiten vor allen anderen Kandidaten hervorgehoben, am Ende steht: „Insgesamt hebt sich die Bewerbung klar von den übrigen Bewerbungen ab und weist die mit Abstand höchste Eignung für die ausgeschriebene Funktion auf.“
Dem Papier zufolge entsprechend negativ fällt die Bewertung aller anderen 15 Kandidaten aus.
Ganz anders im „Résumé-Protokoll“ des Hochschulrates: Dort zeigt sich, dass der vom DA hochgelobte Kandidat für den Hochschulrat nur eine wenig überzeugende Bewerbung ablieferte.
„Stark tendenziell“
Somit kommt Punkt 6.2 zu tragen: Der DA drückt in einer „ergänzenden schriftlichen Stellungnahme“ zuerst sein „Befremden über die Abwicklung des Bestellverfahrens“ aus, findet die ersten Ergebnisse des Hochschulrates „unvollständig, oberflächlich und wenig aussagekräftig“, und die Einschätzungen der Kandidaten „stark tendenziell“. In dieser Tonart geht es über sechs Seiten weiter. Ganz wie im Dokument.
Am Dienstag dann der nächste Knalleffekt aus dem Ministerium: Dem Vorsitzenden des Hochschulrats der PH NÖ, dem an der London University tätigen Bildungswissenschaftler Norbert Pachler, wurde mitgeteilt, dass er nicht erneut dem Gremium angehören wird – weil er die „Kriterien“ nicht erfülle. „Wie das möglich ist, dass ich im Moment die Funktion des Vorsitzenden innehabe, obwohl ich die Kriterien laut Ministerium nicht erfülle, weiß ich nicht“, sagt der Professor dem KURIER.
Das Ministerium bestätigt, dass sich bessere Kandidaten als Pachler beworben hätten und zitiert aus dem Schreiben an diesen, wonach dessen Bewerbung nach „sorgfältiger Prüfung aller eingelangten Bewerbungen sowie der (...) maßgeblichen gesetzlichen Rahmenbedingungen und Kriterien“ keine Berücksichtigung fand. Pachler hatte Medien gegenüber in den vergangenen Tagen deutlich Kritik vor allem am Dienststellenausschuss und der Hochschulsektion geübt.
Kommentare