Hochschulrat: „KURIER-Bericht hat mich vom Sessel geholt“

Veröffentlichung der „Checkliste einer Intrige“ sei „Déjà-vu-Erlebnis“, das sich mit erlebten Erfahrungen decke.
Pädagogische Hochschule Niederösterreich in Baden

Der Deutsche Manfred Prenzel ist emeritierter Professor für Empirische Bildungsforschung an der TU München und der Universität Wien. Und er ist seit vielen Jahren auch der Vorsitzende des Hochschulrates der Pädagogischen Hochschule Vorarlberg.

In dieser Funktion erstellte er, wie gesetzlich vorgesehen, die Ausschreibung des Rektorenpostens an der Hochschule. Auch der langjährige Rektor Gernot Brauchle, der 2014 erstmals bestellt wurde, bewarb sich um eine Verlängerung in seinem Amt. Der damalige Bildungsminister Martin Polaschek (ÖVP) ernannte am Ende aber eine andere Person.

Prenzel bestätigt gegenüber dem KURIER, dass 2024 am Ende der Bewerbung der Hochschulrat wie vorgesehen dem Ministerium eine Reihung der geeignetsten Kandidaten übermittelte. Auf Platz 1 gereiht wurde damals Gernot Brauchle. Dass sich der Minister für jemand anderen entschied, war für den Hochschulrat-Vorsitzenden Prenzel nicht ungewöhnlich – schließlich gibt der Hochschulrat nur eine Empfehlung ab, die Entscheidung liegt allein beim Ressortchef des Bildungsministeriums.

Déjà-vu-Erlebnis

Doch seit der KURIER vergangenen Freitag die vermeintliche „Checkliste einer Hochschul-Intrige“ veröffentlicht hat, stelle sich das Vorgefallene in einem anderen Licht da: „Die vom KURIER veröffentlichte Checkliste hat mich am Samstag wirklich vom Stuhl geholt, da hatte ich ein Déjà-vu-Erlebnis, weil all diese Schritte aus der Liste passiert sind. Weil sich alles mit unseren Erfahrungen deckt. Wir hatten schon auch immer gedacht, dass hier eine Intrige läuft, wir hatten nur keine Idee, aus welcher Ecke.“

Zuerst sei, wie in der Checkliste aufgezählt, schlechte Stimmung gegen den damaligen Rektor gemacht worden, sagt der Professor. „Und zwar innerhalb der Hochschule und von außen, durch die Vorarlberger Nachrichten, in denen die Zustände an der Hochschule kritisiert und die Sorgen und Nöte des Kollegiums und der Studierenden, wenn auch anonym, berichtet wurden.“

Für ihn als Hochschulrat sei das besonders verwunderlich gewesen, „weil wir mit allen Abteilungen der PH vor dem Bestellverfahren gesprochen haben, und niemand sich über große Missstände beklagt hat“, sagt Prenzel.

Was Prenzel als Nächstes irritiert hat, war das Vorgehen des Ministeriums: „Dort wurden dann erneut alle Kandidaten einbestellt, die dann einer anderen Kommission Rede und Antwort stehen mussten. Und es gab dann auch Berichte, wonach der Hochschulrat parteiisch gewesen sei, was ja genau so in der Checkliste als Maßnahme ebenfalls vorkommt, wonach das Verfahren nicht sauber gewesen sei und der Hochschulrat nicht unabhängig agiert habe. Die Checkliste beschreibt genau, was wir als Hochschulrat erlebt haben.“

Am Ende, erklärt der Professor, sei der Hochschulrat mit dem Ergebnis konfrontiert gewesen, wonach der Minister die Zweitgereihte nominiert hatte. „Wir geben ja nur eine Empfehlung ab. Aber wenn im Vorhinein so ein Weichschießen des Rektors, des Hochschulrates und des Bestellverfahrens stattfindet, wonach das Verfahren nicht sauber abgelaufen sei, wundert es auch nicht, dass der Minister anders entscheidet. Für mich ist klar: Sollte sich die Checkliste als wahr herausstellen, ist das wirklich ein Skandal.“

Seitens des Bildungsministeriums wird erklärt, dass man zu den Beweggründen rund um die PH Vorarlberg nichts sagen könne, „da das die Vorgängerregierung betraf. Auch die Mitglieder der Kommission können wir nicht nennen aus Schutz der Persönlichkeitsrechte.“

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