Pflege: ÖVP will mit neuem Lehrberuf die Situation entschärfen

Pflege: ÖVP will mit neuem Lehrberuf die Situation entschärfen
SPÖ und Gewerkschaft lehnen ab, dass Teenager im Pflegebereich arbeiten. Die ÖVP kontert: Bis 17 soll Theorie gelehrt werden.

Der Bedarf an Pflegekräften steigt, das ist bekannt. Die ÖVP will diesem Trend unter anderem mit der Einführung des LehrberufsPflegekraft“ entgegenwirken – und stößt bei SPÖ und Gewerkschaften auf Ablehnung.

Laut Wifo-Berechnungen werden 2030 fast 87.000 Personen im Pflegebereich arbeiten; das ist ein Plus von 39 Prozent gegenüber heute. Und für die Ausbildung dieser zusätzlichen Mitarbeiter schlägt die ÖVP in ihrem jüngst präsentierten Pflegekonzept die neue „Pflegelehre“ vor. Lob kommt dafür etwa vom Land Vorarlberg und von der Caritas, die diesen Lehrberuf fordern.

Die Kritik von SPÖ und Gewerkschaften fußt auf der Altersfrage: Mit 15 Jahren seien Jugendliche zu jung, um mit dem Schicksal von Pflegebedürftigen belastet zu werden, so der Tenor. „Die Arbeit mit Menschen in so einer sensiblen Situation erfordert eine gewisse Reife“, sagt Kärntens SPÖ-Chef und Landeshauptmann Peter Kaiser zum KURIER.

Die aktuelle Gesetzeslage spricht jedenfalls gegen eine Pflegelehre ab 15: „Die praktische Unterweisung der Schüler am Krankenbett und im Operationssaal darf erst nach Vollendung des 17. Lebensjahres erfolgen“, heißt es im Gesundheits- und Krankenpflegegesetz. Ab 18 ist die zweijährige Ausbildung zur Pflegefachassistenz möglich – zu spät, findet die ÖVP: In den zwei, drei Jahren, die zwischen Pflichtschulabschluss und Beginn der Pflegeausbildung stehen, verliere man viele interessierte Jugendliche an andere Berufe.

Schweiz erlaubt es

Vorbild der ÖVP-Idee ist die Schweiz, wo es seit 2003 die Lehre „Fachmann/-frau Gesundheit“ gibt – mittlerweile der zweitbeliebteste Lehrberuf für junge Schweizerinnen nach der Kauffrau. Wie in der Schweiz soll auch in Österreich die entsprechende Ausbildung ab 15 möglich sein. Aber „keineswegs wollen wir Jugendliche gleich nach dem Pflichtschulabschluss ans Krankenbett stellen“, sagt ÖVP-Seniorenbund-Obfrau Ingrid Korosec. Stattdessen soll in den ersten Lehrjahren die Theorie im Vordergrund stehen. Damit würden auch die nationalen und europäischen Regelungen eingehalten. Unklar ist, wie die Pflegelehrlinge im ÖVP-Modell entschädigt werden sollen – vor allem im rein theoretischen Ausbildungsteil.

Die Gewerkschaft bleibt dabei: Für sie ist die Lehre der falsche Weg. Sie fordern eine Pflegeausbildung in einer Berufsbildenden Höheren Schule.

Auf der Suche nach Pflegekräften geht Oberösterreich indes einen eigenen Weg. Eine entsprechende Ausbildungsoffensive wird nun um ein Angebot speziell für Migranten erweitert. Im Herbst starten in Schulen der Diakonie und der Caritas sowie an zwei Altenpflegeschulen des Landes sechs Vorbereitungslehrgänge für rund 120 Interessenten. Die zweisemestrigen Kurse richten sich auch an Asylwerber und Asylberechtigte. Mit den Vorbereitungskursen soll für Anwärter nichtdeutscher Muttersprache ein „gleichberechtigter Zugang“ zu dem Beruf geschaffen werden.

W. Zaunbauer, J. Hager

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