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Politik | Inland
07/21/2019

Pflege-Lehre: ÖVP will neuen Beruf als Ausweg aus der Misere

SPÖ-Kritik: 15-Jährige sind zu jung für so einen belastenden Beruf. ÖVP sagt: Praxis erst mit 17.

Die Österreicherinnen und Österreicher werden immer älter. Damit steigt auch der Bedarf an Pflegekräften. Dem will die ÖVP mit der Einführung eines Lehrberufs Pflegekraft entgegenwirken – und stößt dabei bei SPÖ und Gewerkschaften auf Ablehnung.

Sind derzeit rund fünf Prozent der Bevölkerung über 80 Jahre alt, werden es 2030 schon 6,7 Prozent sein (636.000 Personen), 2050 dann 11,1 Prozent (mehr als eine Million). Entsprechend werden mehr Pflegekräfte benötigt. Laut Wifo-Berechnungen werden 2030 fast 87.000 Personen in diesem Bereich arbeiten. Das ist ein Plus von 24.000 (39 Prozent) gegenüber jetzt. 2050 sogar 142.000 (Plus 80.000, 127 Prozent).

Forderung der Caritas

Diese müssen auch entsprechend ausgebildet werden. Dazu schlägt die ÖVP in ihrem jüngst präsentierten Pflegekonzept die Schaffung einer Pflegelehre vor. Lob kommt dafür etwa aus Vorarlberg und von der Caritas, die diesen Lehrberuf schon länger fordern.

Kritik üben hingegen SPÖ und Gewerkschaften. Mit 15 Jahren seien Jugendliche zu jung, um mit dem Schicksal von Pflegebedürftigen belastet zu werden, so der rote Tenor. „Die Arbeit mit Menschen in so einer sensiblen Situation erfordert eine gewisse Reife“, sagte Kärntens SPÖ-Chef und Landeshauptmann Peter Kaiser zum KURIER.

Theorie ab 15, Praxis ab 17

Aktuelle Gesetzeslage spricht gegen eine Pflegelehre ab 15: „Die praktische Unterweisung der Schüler am Krankenbett und im Operationssaal darf erst nach Vollendung des 17. Lebensjahres erfolgen“, heißt es in Paragraph 43 des Gesundheits- und Krankenpflegegesetz. Dann kann man die einjährige Ausbildung zur Pflegeassistenz machen. Ab 18 die zweijährige Ausbildung zur Pflegefachassistenz.

Zu spät, findet die ÖVP: In den zwei, drei Jahren, die zwischen dem Pflichtschulabschluss und dem Pflegeausbildungsbeginn stehen, verliere man viele interessierte Jugendliche an andere Berufe, heißt es aus dem ÖVP-Seniorenbund. Darum soll eine Ausbildung ab 15 ermöglicht werden. Wobei die Praxisausbildung erst ab 17 erfolgen soll.

Vorbild Schweiz

Vorbild ist die Schweiz, wo es seit 2003 die Lehre „Fachmann/-frau Gesundheit“ gibt – mittlerweile der zweitbeliebteste Lehrberuf für junge Schweizerinnen nach der Kauffrau. Wie in der Schweiz soll auch in Österreich die entsprechende Ausbildung ab 15 möglich sein.

Aber „keineswegs wollen wir Jugendliche gleich nach dem Pflichtschulabschluss ans Krankenbett stellen“, sagt Seniorenbund-Obfrau Ingrid Korosec. Stattdessen sollen die ersten Lehrjahre rein theoretisch sein. Damit würden auch die nationalen und europäischen Regelungen eingehalten.

Lehrlingsentschädigung offen

Noch unklar ist, wie die Pflegelehrlinge im ÖVP-Modell entschädigt werden sollen – vor allem im rein theoretischen Ausbildungsteil.

Die Gewerkschaft bleibt dabei: Für sie ist die Lehre der falsche Weg. Sie fordern vielmehr eine Pflegeausbildung in einer Berufsbildenden Höheren Schule.

Pflegekurse für Migranten

Auf der Suche nach Pflegekräften geht Oberösterreich indes einen eigenen Weg. Eine entsprechende Ausbildungsoffensive wird nun um ein Angebot speziell für Migranten erweitert. Im Herbst starten in Schulen der Diakonie und der Caritas sowie an zwei Altenpflegeschulen des Landes insgesamt sechs Vorbereitungslehrgänge für rund 120 Interessenten.

Die zweisemestrigen Kurse richten sich auch an Asylwerber und Asylberechtigte. Mit den Vorbereitungskursen soll für Anwärter nichtdeutscher Muttersprache ein "gleichberechtigter Zugang" zu dem Beruf geschaffen werden.