Westenthaler kontert Khol: Fairness endet offenbar beim ORF
Als sich ÖVP und FPÖ in den 2000er-Jahren in einer Koalition fanden, waren die Klubchefs Andreas Khol (ÖVP) und Peter Westenthaler (FPÖ) ein, wenn nicht das zentrale Gespann. Als „väterlichen Freund“ soll der damals 33-Jährige sein ÖVP-Pendant bezeichnet haben. Umso bemerkenswerter ist, wie Khol ein Vierteljahrhundert später über den einstigen Kompagnon urteilt. Was Westenthaler dem Stiftungsrat bzw. der Regierung vorwirft, nämlich ein abgekartetes Spiel bei der Wahl von Clemens Pig zum ORF-Chef betrieben zu haben, das gelte für Westenthaler genauso. „Alles, was er seinen Kontrahenten vorwirft, hat er damals selber praktiziert“, so Khol in der Montagausgabe des KURIER. Als Beleg gilt dem früheren Nationalratspräsidenten die Wahl von Alexander Wrabetz, bei der Westenthaler einen SPÖ-Kandidaten zum ORF-Chef gemacht habe. Überhaupt werfe Westenthaler anderen vor, was er selbst sei, nämlich: „völlig parteinahe“.
Väterlicher Freund
Der von den Freiheitlichen entsandte Stiftungsrat will den Vorwurf nicht einfach so stehen lassen. Vorweg hält er fest, dass die Bezeichnung „väterlicher Freund“ auf Khol nicht zutrifft. „Ich habe nur einen Vater, und der ist schon lange verstorben.“
Khol sei in der Regierung ein „fairer Partner“ gewesen. „Das hat sich beim Thema ORF aufgehört“, sagt Westenthaler zum KURIER.
Ist er selbst parteiisch? „Jedem bis auf Andreas Khol ist bekannt, dass ich auf dem Ticket der FPÖ sitze.“
Zum Vorwurf, er habe damals mit Wrabetz einen SPÖ-Mann an die Spitze des ORF gehievt, sagt Westenthaler: „Die Wahrheit war folgende: Die ÖVP wollte die uneingeschränkte Macht über den ORF bekommen. Es gab eine Generaldirektorin Monika Lindner und ihren schwarzen Exekutor Werner Mück. Wir wollten den ORF von der schwarzen Vereinnahmung befreien.“
Der ÖVP habe das logischerweise nicht gefallen. „Wir haben es aber trotzdem gemacht – halt mit der Hilfe aller anderen Parteien.“
Dass Clemens Pig ein Regierungskandidat ist, liegt für Westenthaler „auf der Hand“: „Er ist der Generaldirektor von Kanzlers Gnaden.“
Woran er Pigs Parteilichkeit festmacht?
„Es ist dokumentiert, dass Bundeskanzler Christian Stocker und ÖVP-Generalsekretär Nico Marchetti wollten, dass Pig kandidiert. Auch der Tiroler ÖVP-Landeshauptmann hat in Interviews erklärt, wer Generaldirektor werden soll.“
Im Unterschied zu anderen Kandidaten wie Markus Breitenecker oder Johannes Larcher habe Pig in seinem Hearing aber nicht verraten, mit wem aus der Politik er sich getroffen habe.
Westenthaler will den neuen ORF-Chef nun an seinen nächsten Personalentscheidungen messen. „Wenn er vier unabhängige Direktoren im ORF bestellt, ziehe ich meinen Hut.“ Freilich sei er diesbezüglich „nicht sehr optimistisch“: „Ich glaube, es ist schon lange ausgemacht, dass zwei SPÖ-nahe und zwei ÖVP-nahe Direktoren bestellt werden müssen.“
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