Politik | Inland
07.09.2018

Personalengpässe: Caritas und Hilfswerk fordern Pflegegipfel

Landau und Karas warnen vor einem drohenden Pflegenotstand. Bis 2050 werden 40.000 zusätzliche Pflegekräfte benötigt.

Caritas und Hilfswerk sind sich einig: Eine Reform des Pflegewesens ist dringend notwendig. „Wir müssen heute reagieren, wenn wir auch morgen eine menschenwürdige Pflege sicherstellen wollen“, betonte Caritas-Präsident Michael Landau bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Hilfswerk-Präsident und ÖVP-Delegationsleiter im EU-Parlament, Othmar Karas. Beide wollen nun einen eigenen Pflegegipfel ins Leben rufen und fordern eine parlamentarische Enquete mit allen Betroffenen.

Eine Reform sei angesichts der alarmierenden Zahlen dringend. Aktuell sind 459.000 Menschen in Österreich auf Pflege angewiesen, 2050 werden es bereits über 750.000 Personen sein. Fünf Prozent der Bevölkerung sind heute über 80 Jahre alt, in den nächsten dreißig Jahren soll sich diese Zahl mehr als verdoppeln.

40.000 Pflegekräfte zu wenig

Die Betreuung von Pflegebedürftigen könnte zukünftig jedoch am Fachkräftemangel scheitern. Bis 2030 werden rund 30.000 zusätzliche Pfleger benötigt, bis 2050 soll der Bedarf auf 40.000 ansteigen. Der quantitative Anstieg an Pflegebedürftigen dürfe keinesfalls zu einer "qualitativen Verwässerung der Pflegedienstleistungen oder gar zu einer Ausdünnung der Versorgung" führen, warnte  Karas.

Pflegeorganisationen wie Caritas und Hilfswerk haben schon heute mit Personalengpässen und der Rekrutierung neuer Arbeitskräfte zu kämpfen, österreichweit werden aktuell rund 200 beziehungsweise 270 Fachkräfte gesucht. Vor allem im ländlichen Bereich gibt es zu wenige Pflegekräfte, bedürftige Menschen landen oft auf der Warteliste.

Berufsfeld attraktivieren, Ausbildungsmöglichkeiten schaffen

Um dem befürchteten Pflegenotstand entgegenzuwirken, müsse man Maßnahmen gegen den Fachkräfteengpass setzen. Zentral sind eine Verbesserung der beruflichen Rahmenbedingungen sowie eine Korrektur des schlechten Images von Pflegeberufen in der Gesellschaft.

Karas betonte, dass Fairness geschaffen und herrschende Ungleichheiten, etwa bei der Unterstützung oder beim Gehalt von stationären und mobilen Pflegern, beseitigt werden müssen – „stationäre Pflege ist günstiger, gleichzeitig sind die Gehälter bei etwa gleicher Belastung höher“, gab der Hilfswerk-Präsident zu bedenken. Denn 84 Prozent der zu Pflegenden werden zuhause betreut, nur 16 Prozent leben in Pflegeheimen und ähnlichen Einrichtungen.

Auch die Ausweitung und Anpassung des Ausbildungsangebots sowie bessere Möglichkeiten für Quer- und Wiedereinsteiger sollen dazu beitragen, mehr Menschen für eine Ausbildung im Pflegebereich zu begeistern. "Betreuungs- und Pflegeberufe sind Zukunftberufe, die wir benötigen um unsere Zukunft gestalten zu können", sagte Karas

Forderung nach jährlicher Erhöhung des Pflegegelds

Karas und Landau begrüßten auch die Abschaffung des Pflegeregresses, eine umfassende Reform der Finanzierung sowie Maßnahmen für die Pflege zuhause seien aber dringend notwendig. Dazu zählt eine generelle sowie folglich jährliche Erhöhung des Pflegegeldes. „Der Wertverlust des Pflegegeldes beträgt seit seiner Einführung bereits 36 Prozent. Die Politik darf diese Menschen nicht im Stich lassen“, sagte Caritas-Präsident Landau.

Pflegegipfel und parlamentarische Enquete

Um auf die Probleme aufmerksam zu machen und Lösungen für den drohenden Pflegenotstands zu finden, fordern Caritas und Hilfswerk einen Pflegegipfel sowie eine parlamentarische Enquete. "Es braucht ein neues Miteinander, deshalb müssen sich alle Betroffenen an einen Tisch setzen um das Problem gemeinsam zu bewältigen", betonte Karas. Auch Angehörige und Fachkräfte sollen in die Gespräche einbezogen werden.

Auch Landau forderte eine breite politische Debatte zum Thema Pflege: "Es kann nicht sein, dass pflegende Eltern weniger bezahlt bekommen als jemand, der für die Pflege von Autos zuständig ist."

Sarah Dorfstätter