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Nach ÖVP-Vorstoß: Warum eine Pensionsreform nötig wäre

Erneut wird über die Anhebung des Pensionsalter debattiert. Was die neuen ÖVP-Vorschläge bringen würden, warum eine große Reform nötig wäre, aber unrealistisch bleibt.
Group of Elderly or old age People

Wie kann man Österreichs Pensionssystem zukunftsfit machen? Mit Seniorenbund-Präsidentin Ingrid Korosec und Tirols Landeshauptmann Anton Mattle haben zwei prominente ÖVP-Stimmen diese Debatte erneut angefacht. Sie schlagen vor, sich bei einer Pensionsreform an den Berufsjahren zu orientieren.

Beifall gab es dafür nur von den Neos. SPÖ, FPÖ und Grünen übten harte Kritik, auch Teile der ÖVP zeigten sich irritiert. Eine nachhaltige Reform ist also weiterhin nicht absehbar. Welche Maßnahmen die Regierung schon gesetzt hat, warum diese nicht reichen, was Experten vorschlagen – ein Überblick.

Warum wird das Pensionssystem teurer? 

In Österreich finanzieren die aktuell Beschäftigten das Pensionssystem. Das Problem: Die Bevölkerung altert, die Geburtenrate sinkt – und immer weniger Erwerbstätige sollen immer mehr Pensionen finanzieren. Bereits jetzt muss der Staat dem System rund 34 Milliarden Euro pro Jahr zuschießen. Diese Summe steigt weiter, auch in Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) – und zwar noch bis Mitte der 2030er-Jahre, wenn die Pensionierungswelle der „Babyboomer“ zu Ende ist. Ab dann bleiben die Auszahlungen laut Prognosen stabil, aus Expertensicht aber auf viel zu hohem Niveau.

Budget 2026
Teurer Pensionen

Welche Reformen hat die Koalition bereits gesetzt?

Der klarste Einschnitt: Die Pensionen werden heuer, 2027 und 2028 nicht voll an die Inflation angepasst. Damit entwertet die Regierung Pensionsleistungen kurz- und langfristig. Den Vorteil dieser Variante hat IHS-Chef Holger Bonin im KURIER erläutert: Auch Personen, die sich bereits jetzt im Ruhestand befinden, müssen einen Beitrag zu den Einsparungen leisten. 

Parallel dazu versucht die Regierung, das faktische Pensionsalter zu erhöhen. Das gesetzliche Pensionsalter der Männer liegt derzeit bei 65, jenes der Frauen steigt bis 2033 auf diesen Wert. Insofern steigt derzeit auch das faktische Frauenantrittsalter, jenes der Männer aber kaum. Dieses liegt bei etwa 62,5 Jahren. „Im internationalen Vergleich ist das viel zu niedrig“, sagt Ökonom Hanno Lorenz vom wirtschaftsliberalen Thinktank Agenda Austria.

Pensionsantrittsalter

Wie will die Regierung das faktische Antrittsalter erhöhen?

Mit mehreren Ansätzen. Das Eintrittsalter in die Korridorpension steigt von 62 auf 63 Jahre, die neue Teilpension soll ein Anreiz für Arbeiten im Alter sein – und die teure Altersteilzeit teilweise ersetzen. Ab 2027 kommen steuerliche Begünstigungen für Ältere, die über das Pensionsalter hinaus arbeiten, hinzu. Dass die Reformen nicht ihr volles Einsparungspotenzial entfalten werden, zeichnet sich bereits ab. Dafür müssten laut Sozialministerium jährlich 10.000 Personen in Teilpension gehen. Im ersten Halbjahr 2026 waren es lediglich 313.

Was bringt eine Anhebung des faktischen Antrittsalters?

„Finanzpolitisch gesehen hilft es langfristig nicht, das faktische Antrittsalter anzuheben. Man verschiebt die Belastung nur in die Zukunft“, sagt Lorenz. Warum? „Weil mit längerem Arbeiten natürlich auch die Pensionsansprüche steigen. Ich habe kurzfristig höhere Einzahlungen und geringere Auszahlungen, dafür später aber umso höhere Auszahlungen.“ Deshalb haben die Neos einen Nachhaltigkeitsmechanismus ins Reformpaket reklamiert: Bringen die aktuellen Maßnahmen bis 2030 nicht genügend Einsparungen, soll die nächste Regierung weitere Maßnahmen ergreifen. Die Frage ist, ob sie das auch will.

Wie könnte man das Pensionssystem nachhaltig reformieren?

Die am häufigsten genannte Option ist eine Anhebung des gesetzlichen Antrittsalters – etwa auf 67 Jahre. Eine Reform, die ausschließlich künftige Pensionisten betreffen würde. Das gilt auch für Mattles Idee, die wiederum Berufsjahre in den Fokus rückt: Österreicher sollen künftig erst nach 45 Erwerbsjahren in Pension gehen können – und frühestens mit 65.

Wie würde sich Mattles Modell auswirken?

Ein charmanter Aspekt wäre laut Lorenz, dass Akademiker künftig „eine kürzere Lebensdauer in der Pension“ hätten. Das aktuelle System würde fleißige Lehrlinge benachteiligen, die früher mit dem Arbeiten beginnen und entsprechend länger einzahlen bis zum gesetzlichen Antrittsalter als Akademiker. Jedoch müsste man auch Mattles Modell laufend an die Lebenserwartung anpassen und Abschläge bei früherem Pensionsantritt beibehalten, so Lorenz. Und: „Sollten 45 Versicherungsjahre und nicht 45 Beitragsjahre gemeint sein, wäre das etwa zwei Jahre zu niedrig.“ An eine baldige Reform glaube er ohnehin nicht: „Die ÖVP macht immer Vorschläge zu Pensionsreformen, umgesetzt wird dann relativ wenig.“

Welche Alternativen gibt es zur staatlichen Pension?

Nur ein Zehntel der Pensionsbezüge in Österreich ist kapitalgedeckt. Jedenfalls will die Regierung ab 2028 allen Arbeitnehmern eine freiwillige, etwas risikofreudigere Alternative zur „Abfertigung neu“ zur Verfügung stellen. Und die ÖVP hat erneut vorgeschlagen, mit einer steuerfreien Veranlagung von Aktien die private Altersvorsorge zu stärken.

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