SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner im Gespräch mit einer Patientin

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Politik Inland
06/07/2019

Patientenbesuch statt politisches Geplänkel

SPÖ-Chefin Rendi-Wagner will weg von der Personaldiskussion hin zur Sachpolitik

von Wolfgang Zaunbauer

„Die SPÖ muss lernen, sich nicht zu sehr mit sich selbst zu beschäftigen. Wir müssen zu den Menschen gehen“, sagt Pamela Rendi-Wagner. Also ging die SPÖ-Chefin am Freitag zu den Menschen.

Gemeinsam mit dem Wiener Sozialstadtrat Peter Hacker (SPÖ) besuchte sie die Abteilung für Onkologie im Wiener Wilhelminenspital, um auf die gesundheitsgefährdenden Folgen des Rauchens aufmerksam zu machen. 

Kein Wahlkampfthema

Nach einer zermürbenden Personaldebatte in den vergangenen Tagen sucht die rote Spitzenkandidatin den Weg zurück zur Sachpolitik: „Die Menschen interessieren sich nicht für politisches Geplänkel.“

Was die Menschen interessiere, seien Fragen der Pflege und Gesundheit - "und ich werde zuhören", sagt Rendi-Wagner.

Im Gesundheitsbereich ist die Medizinerin in ihrem Element. Sei es im Gespräch mit Ärzten oder mit einer 80-jährigen Krebspatientin - hier blüht die Ex-Gesundheitsministerin regelrecht auf. Für politische Beobachter mag die Themenwahl für einen anlaufenden Wahlkampf falsch sein, der SPÖ-Chefin ist es ein echtes Anliegen. "Der Gesundheit ist es egal, ob Wahlkampf ist", sagt sie.

Sünde an der Gesundheit

Die Aufhebung des Rauchverbots in der Gastronomie durch die türkis-blaue Regierung sei "eine der größten Sünden an der Gesundheit der österreichischen Bevölkerung, die in den letzten Jahren passiert ist". Dass die ÖVP nun ein Umdenken in Richtung Rauchverbot signalisiert, will sie für einen neuen Anlauf nützen. Ab 1. September soll das Rauchverbot in der Gastronomie gelten. Dass die Wirtschaft eine längere Übergangsphase fordert, lässt sie nicht gelten: "2015-18 waren Übergangszeit genug, jetzt muss das sofort in Kraft treten."

Unterlegt werden die Forderungen mit Fakten der anwesenden Mediziner: Bei vier von fünf Lungenkrebspatienten hat Rauchen zu der Erkrankung geführt, sagt der Primarius Georg-Christian Funk. "Rauchen ist die Ursache Nummer eins für Lungenkrebs." Aber Rauchen ist nicht nur für Lungenkrebs verantwortlich, sonder für eine Vielzahl von Krebserkrankungen: Im HNO-Bereich - hier erkranken jährlich 1600 Personen, 800 Personen sterben -, in Kehlkopf, Speiseröhre, Harnblase. "Das führt zu schweren Erkrankungen und großem Leid", sagt Oberarzt Adalbert Weißmann. 

Umfaller als Kalkül

Während Rendi-Wagner froh über den Meinungsumschwung der ÖVP ist, sieht Peter Hacker hinter dem "ÖVP-Umfaller" reines Kalkül: "Inhaltlich ist es der ÖVP wurscht. Es geht ihr ums die Symbolik, nicht um die Sache." Und "es wird keine 24 Stunden dauern, dann wird die ÖVP immer schon für das Rauchverbot gewesen sein". Ein Glaubwürdigkeitsproblem bei sich selbst sieht Hacker in der Rauchverbotsfrage nicht: "Ich bin überzeugter Raucher, aber nicht in der Gastronomie – und nur darum geht’s."

Rendi-Wagner sind die Motive der ÖVP egal: "Nehmen wir diesen Schwenk und entscheiden wir uns für die Gesundheit der Österreicher."

So sehr die SPÖ-Chefin auf medizinischem Terrain zuhause ist, auch beim Spitalsbesuch man ihr die Anspannung nach der Debatte um ihre Person noch an. Die parteiinternen Querelen bleiben präsent - auch auf der Krebsstation.

"Wir diskutieren halt gern"

Man möge in die Debatten nicht zu viel hineininterpretieren, bittet sie. „Wir diskutieren halt gern.“ 

„Diskutieren gehört zur DNA der SPÖ“, springt ihr Parteifreund Hacker bei, „aber manchmal stehen wir uns damit selber im Weg.“ Doch es sei „unmissverständlich klar, wer die Chefin ist“. Die schwachen Umfragewerte der SPÖ machen Hacker keine Sorgen: „Wir reagieren nicht mit Umfragen, sondern mit Wahlergebnissen.“ 

Rendi-Wagner geht daher „optimistisch wie nur etwas“ in die Wahl. Schließlich sei die Situation auch bei ihren Vorgängern Alfred Gusenbauer und Werner Faymann zu Beginn ihrer Wahlkämpfe ähnlich gewesen. „Und am Ende hat die SPÖ gewonnen.“