Politik | Inland
24.07.2017

Papa-Monat: Über 1000 Anträge

Familienministerin Sophie Karmasin will Beteiligung von Vätern von derzeit 19,4 Prozent auf 25 Prozent anheben.

Seit März 2017 können Väter direkt nach der Geburt des Kindes zwischen 28 und 31 Tage durchgehend zuhause bleiben. Für den sogenannten "Familienzeitbonus" vulgo "Papa-Monat" gibt es 700 Euro. Dass in den vergangenen fünf Monaten 1089 Anträge gestellt wurden, freut Familienministerin Sophie Karmasin. Es zeige, dass das Modell gut angenommen werde. "Unser Ziel ist es, die Beteiligung der Väter auf 25 Prozent anzuheben," sagt Karmasin.

„Der Papa- bzw. Babymonat ist ein wichtiger und vor allem der natürlichste Einstieg in die Väterkarenz", sagt SPÖ-Frauenvorsitzende Gabriele Heinisch-Hosek. Sie plädiert für einen Rechtsanspruch auf diese Möglichkeit. „Das wäre ein Gewinn für die Mütter, die Väter und vor allem auch die Kinder“, ist sich Heinisch-Hosek sicher. Auch die Grünen fordern einen Rechtsanspruch. „Solange es keinen Rechtsanspruch auf einen Papamonat gibt und die 700 Euro des Papamonats vom weiteren Kinderbetreuungsgeld wieder abgezogen werden, bleibt er für viele Familien reines Wunschkonzert. Das Gesetz gehört unbedingt nachgebessert“, sagt Judith Schwentner, Familiensprecherin der Grünen.

Der Papa-Monat ist Teil des neuen Kindergeldkontos, das im März in Kraft getreten ist. Das einkommensabhängige Kindergeld gibt es weiterhin, statt den bisherigen Pauschalvarianten gibt es aber seither vereinfacht gesagt die Summe von bis zu 15.449 Euro für eine relativ flexible Bezugsdauer (zwischen rund zwölf und 28 Monaten für einen Elternteil bzw. zwischen rund 15,5 und 35 Monaten für beide Elternteile). Eine gesamtheitliche Entwicklung rund um das neue Kindergeldkonto liegt noch nicht vor. Zieht man den Juni quasi als Momentaufnahme heran, bezogen knapp 8.400 Personen Kindergeld, davon 5.800 im Rahmen des Kindergeldkontos und 2.600 das einkommensabhängige Kindergeld.

Wirtschaftskammer gegen Rechtsanspruch auf Papa-Monat

Die Wirtschaftskammer sieht keine Notwendigkeit für einen Rechtsanspruch auf einen Papa-Monat. Das Modell auf freiwilliger Basis laufe gut, erklärte Martin Gleitsmann, Leiter der Sozialpolitischen Abteilung, am Montag in einer Ausendung.

Aus Sicht der Wirtschaft besteht keine Notwendigkeit, einen Rechtsanspruch durchzusetzen. Bereits jetzt würden viele Möglichkeiten existieren, um aus familiären Gründen eine Dienstfreistellung zu erwirken. Gleitsmann verwies hier etwa auf Pflegeurlaube oder Freistellungsansprüche in Kollektivverträge. Das Modell des Papa-Monats laufe gut, der WKÖ seien auch keine Probleme beim Abschluss von Vereinbarungen bekannt, hieß es weiters.

Auch NEOS gegen Rechtsanspruch

Die NEOS sind der Meinung, dass ein Rechtsanspruch nicht entscheidend für die höhere Väterbeteiligung sei. Es zeige sich, dass Männer vor allem in den Sommermonaten Kinderbetreuungsgeld beziehen. Dies seien Monate, in denen es betrieblich einfacher sei, Karenzen von kurzer Dauer zu koordinieren. "Ein Rechtsanspruch auf den Papa-Monat würde einen zusätzlichen Koordinationsaufwand in Unternehmen erfordern und diese belasten", so Familiensprecher Michael Bernhard.

Für die Einführung eines Rechtsanspruchs sprach sich hingegen der Katholische Familienverband aus - dass dieser fehlt, sei ein "großes Manko", hieß es in einer Aussendung.