Antisemitische Vorfälle nehmen in Österreich zu, sagt Deutsch Oskar Deutsch, der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde in Österreich.

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Migration
07/06/2015

"Einwanderung sollte erleichtert werden"

Oskar Deutsch: Die Kriterien für die Rot-Weiß-Rot-Karte sollten gelockert werden, fordert der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde.

von Margaretha Kopeinig

Der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG), Oskar Deutsch, fordert eine Erleichterung der Zuwanderung nach Österreich, nicht nur für Juden.

KURIER: Herr Präsident, Juden fliehen aus Griechenland. Auch Richtung Österreich?

Oskar Deutsch: Es leben 2000 Juden in Griechenland und es geht ihnen nicht gut. Der steigende Antisemitismus ist Grund dafür, selbst eine der Regierungsparteien ist antisemitisch. Weiters sitzt eine neofaschistische Partei im Parlament.

Antisemitismus nimmt in ganz Europa zu. Auch in Österreich?

Die Anzahl der Vorfälle, die uns in den ersten vier Monaten 2015 gemeldet wurden, ist sehr hoch. Von 2013 auf 2014 beträgt die Zunahme antisemitischer Vorfälle 100 Prozent. Jüngste Beispiele: Ein Hausinhaber im zweiten Bezirk in Wien verlangt von einem jüdischen Mieter, die Mesusa (Kapsel mit Schriftstück aus der Bibel, die an der Wohnungstüre befestigt ist und einen jüdischen Haushalt kennzeichnet) zu entfernen. In Tirol will man einer Familie die Wohnung nicht vermieten, weil sie jüdisch ist.

Woher kommt der steigende Antisemitismus?

Hauptsächlich von der islamistischen Seite. In diversen Moscheen wird Hass gegen Juden und "Tod den Juden" gepredigt. In Schulbüchern der islamischen Schulen wird das Judentum nicht korrekt dargestellt. Ich habe Fuat Sanaç, den Präsidenten der Islamischen Glaubensgemeinschaft, darauf aufmerksam gemacht, leider hat er bis jetzt nicht reagiert.

Die Sicherheitslage der Juden in Österreich verschärft sich. Was wird dagegen getan?

Die Situation ist seit vielen Jahren absurd. Es kann nicht sein, dass jüdische Eltern ihre Kinder nur in streng bewachte Schulen schicken oder nur in bewachte Synagogen gehen können. Nach den Terror-Anschlägen in Europa ist die Situation gefährlicher geworden, aber wir arbeiten sehr eng und sehr gut mit dem Innenministerium zusammen.

Gibt es von der IKG Pläne, die Zuwanderung von Juden zu unterstützen?

Zur Zeit gibt es so gut wie keine Einwanderung von Juden. Grund dafür ist die Rot-Weiß-Rot-Karte, da es sehr schwierig ist, die Kriterien dieser Karte zu erfüllen. Dabei wäre Einwanderung für Österreich von Vorteil und sollte erleichtert werden. Aus ehemaligen Staaten der Sowjetunion, wie der Ukraine, würden Juden gerne nach Österreich kommen. Wien bietet jüdischen Einwanderern, die aus der EU und anderen Staaten des ehemaligen Ostblocks kommen, eine gut funktionierende jüdische Infrastruktur. Es gibt genügend Synagogen, Rabbiner, jüdische Schulen und jüdische Kultur etc. Die Absolventen der Lauder Business School in Wien haben keine Möglichkeit, nach Abschluss ihres Studiums in Wien zu arbeiten, da ihr Anfangsgehalt unter jenem der Rot-Weiß-Rot-Karte liegt. Die Republik Österreich unterstützt die Lauder Business School, daher sollte es auch eine Erleichterung für deren Absolventen geben, hier zu bleiben und zu arbeiten.

Sollte Zuwanderung erleichtert werden?

Generell sollten die Kriterien der Rot-Weiß-Rot-Karte gelockert werden.

Gibt es österreichische Juden, die auswandern?

Der stark steigende Antisemitismus führt zu Diskussionen unter Jungen und Alten über die Frage, welche Zukunft Juden generell in Europa haben? Einige österreichische Juden haben bereits das Land verlassen.

Macht Ihnen die Rechtsfraktion im EU-Parlament Angst?

Es gibt genügend Grund zur Sorge, da rechtspopulistische Parteien immer stärker werden.

Was kann man dagegen tun?

Es gibt viele Protestwähler, die mit den etablierten Parteien unzufrieden sind. Die Politiker sollten mehr auf die Bedürfnisse der Bevölkerung eingehen und enger und besser auch im überparteilichen Sinne zusammenarbeiten.

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