Politik | Inland
02.08.2017

ÖVP-Machtkampf um Listenplätze geht in Salzburg in die nächste Runde

ÖAAB-Kandidatin zog nach Nominierung von Kira Grünberg als Spitzenkandidatin ihre Kandidatur zurück, auch in Salzburg dürfte ÖAAB-Frau gegenüber Wirtschaftsbund-Frau das Nachsehen haben.

Die Listen für die Nationalratswahl nehmen langsam Form an, und in der neuen Volkspartei von Sebastian Kurz gibt es deshalb die ersten Wickel: Angefangen hat es damit, dass in Tirol die Ex-Stabhochspringerin Kira Grünberg auf den ersten Listenplatz gesetzt wurde. Entschieden hat das aber nicht die Landespartei, sondern der Bundesparteichef höchstpersönlich. Kurz hatte die 23-jährige Innsbruckerin, die im Rollstuhl sitzt, erst vergangene Woche stolz der Öffentlichkeit präsentiert.

Beim Arbeitnehmerbund (ÖAAB) ist man verstimmt. Auf Platz zwei steht mit Seilbahner-Chef Franz Hörl ein Wirtschaftsbündler. Bettina Ellinger, Landtagsabgeordnete und ÖAAB-Funktionärin, verzichtet jetzt auf ihren dritten Platz, auch zwei andere ÖAAB-Frauen haben laut Tiroler Tageszeitung angekündigt, sich zurückzuziehen.

Begehrte vier Listenplätze

Nicht nur in Tirol fühlen sich die Arbeitnehmervertretung schlecht repräsentiert, auch in Salzburg bahnt sich ein Machtkampf an.

Derzeit hat Salzburg drei Mandate, die ÖVP ist aber zuversichtlich, ein viertes dazugewinnen zu können. Präsentiert werden die Landes- und die Bezirkslisten erst am 16. August, schon jetzt zeichnet sich aber ab, wie die voraussichtlich vier Mandate besetzt werden könnten: Als Fixstarter gelten Franz Eßl vom Bauernbund und Peter Haubner vom Wirtschaftsbund, die beide bereits im Nationalrat sitzen.

Der Wirtschaftsbund will eine weitere Wunschkandidatin prominent platzieren: Ihre Vize-Obfrau Tanja Graf – als wirtschaftstreibende Frau hätte ihre Kandidatur Signalwirkung, heißt es intern. Dann kommt noch Stefan Schnöll ins Spiel. Der 29-Jährige ist Nachfolger von Sebastian Kurz als Bundesobmann der Jungen ÖVP und gilt als einer seiner engsten Vertrauten. Gut möglich, heißt es intern, dass der Bundesparteichef hier seinen Einfluss geltend macht.

ÖAAB-Frau chancenlos

Eine weitere Kandidatin scheint dagegen chancenlos – womit wir wieder bei der Verstimmung der Arbeitnehmerschaft wären. Der ÖAAB in Salzburg hat Gertraud Salzmann als Wunschkandidatin nominiert. Die Juristin und Lehrerin dürfte aber nur auf Platz 4 oder noch weiter hinten landen. Theoretisch könnte Salzmann am Wahltag durch Vorzugsstimmen vorgereiht werden. In der Salzburger ÖVP überlegt man aber, ihr als Wiedergutmachung einen guten Platz für die Landtagswahl im Frühjahr 2018 anzubieten.

Die Probleme weitestgehend ausgeräumt hat die ÖVP indes in der Steiermark: Fritz Grillitsch und Bernd Schönegger, intern beide umstritten, haben auf Plätze verzichtet. Reinhold Lopatka wird zwar nicht über die Landesliste abgesichert – sein Einzug in den Nationalrat über den Regionalwahlkreis Ost gilt allerdings als fix. Während Platz zwei der Landesliste für Ex-Generalsekretär Werner Amon reserviert sein soll, ist die Vergabe von Platz eins noch unklar: Fix ist nur, dass es eine Frau wird. Kurz-Favoritin soll Juristin Cattina Leitner sein.