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Noch-ÖBAG-Chef Thomas Schmid, 45

© APA/HANS PUNZ / HANS PUNZ

wirtschaft von innen
04/06/2021

ÖBAG-Chef Schmid: Ein typisch österreichischer Abgang

Warum der Alleinvorstand der Staatsholding seinen Vertrag "freiwillig“ nicht mehr verlängern will. Der Job war bisher immer ein Schleudersitz.

von Andrea Hodoschek

So österreichisch im Sinne traditioneller Parteipolitik die Bestellung von Thomas Schmid, 45, zum Alleinvorstand der Staatsholding ablief, so typisch österreichisch werden jetzt auch die Konsequenzen gezogen. Schmid erklärte am Montag in einer außerordentlichen Aufsichtsratsitzung, sich nicht mehr um eine Verlängerung seines mit März 2022 auslaufenden Vertrages zu bemühen.

Der laut Gerüchten mit rund 400.000 bis 600.000 Euro (inklusive aller maximal möglichen Boni) dotierte Vertrag hätte noch um zwei Jahre verlängert werden können. Dieses „3-plus-2“-Modell ist bei allen Vorstandsverträgen der ÖBAG-Beteiligungsunternehmen inzwischen üblich.

Gesichtswahrend

Über Ostern war heftig diskutiert und telefoniert worden. Mit dem Ergebnis können alle Beteiligten jetzt das Gesicht wahren. Dass sich die Opposition, die seit Monaten scharf gegen Schmid schießt, empört, war zu erwarten. Neos-Wirtschaftssprecher Sepp Schellhorn und SPÖ-Finanzsprecher Jan Krainer fordern den sofortigen Rücktritt bzw. die fristlose Abberufung.

Eine solche würde höchstwahrscheinlich rechtlich nicht halten und die Steuerzahler eine Stange Geld kosten. In diesem Fall könnte Schmid spazieren gehen und sein Vertrag müsste voll ausbezahlt werden. Die Chats, die das ganze Land vergangene Woche nachlesen konnte, zeigen zwar ein peinliches türkises Sittenbild, haben aber bisher keine strafrechtliche Relevanz. Auch inhaltlich wurde über die Arbeit von Schmid in der ÖBAG nichts Negatives ruchbar. Als ÖBAG-Chef hat er bisher keinen Fehler gemacht, das muss zu Schmids Ehrenrettung auch einmal gesagt werden.

Die ÖVP hat sich nach außen hin trotz des oppositionellen Dauerfeuers keinen der „Ihren“ herausschießen lassen. Schmid gehört zum engen Kreis („Familie“, siehe Artikel unten) um Kanzler Sebastian Kurz und Finanzminister Gernot Blümel. Zu gehen war ja offiziell Schmids freiwillige Entscheidung.

Stark anzunehmen, dass hinter den Kulissen von türkiser Seite dabei etwas nachgeholfen wurde.

Der Aufsichtsrat, der Schmid in der Vorwoche noch die Stange gehalten hatte, ist quasi auch entlastet. Es ist nicht abzusehen, was in nächster Zukunft noch an Chats aufpoppen kann. Bei 300.000 Kurznachrichten weiß heute vermutlich nicht einmal mehr der Verfasser selbst, was er alles eilig ins Handy tippte.

Das Nominierungsausschuss des Aufsichtsrates startet bereits die Nachfolgersuche und hat die Chance, diesmal eine Jobsuche nach internationalen Standards aufzusetzen. Anzunehmen, dass Schmid nicht mehr das gesamte restliche Jahr bleibt.

Alphatiere

Ein Vorstand mit baldigem Ablaufdatum gilt intern als „lame duck“. Auch die sehr selbstbewussten CEOs in den Beteiligungsunternehmen werden einem derart angezählten ÖBAG-Chef kaum noch auf Augenhöhe begegnen. Ist schwer vorstellbar bei so ausgeprägten Alphatieren wie OMV-Boss Rainer Seele, Post-Chef Georg Pölzl oder Verbund-CEO Michael Strugl.

Da wären auch noch die Syndikatspartner der ÖBAG, die politische Einmischungen gar nicht schätzen. Als da sind die Mubadala (Abu Dhabi) bei der OMV, die America Movil des Mexikaners Carlos Slim bei der Telekom und die Sazka Group des tschechischen Milliardärs Karel Komarek in den Casinos.

Schmid wird nicht in den Aufsichtsräten der ÖBAG-Unternehmen bleiben. Er ist Vorsitzender im Verbund und Vizepräsident in der OMV, des Weiteren hält er Mandate in BIG, Telekom, Austrian Real Estate und bei den Lotterien. Aufsichtsräte können nur von der Hauptversammlung ausgetauscht werden, das wird also noch dauern.

Eines ist klar. Der nächste ÖBAG-Chef darf kein reiner Manager sein, sondern muss politische Erfahrung und G’spür mitbringen. Die Holding ist auch eine Schnittstelle zur Politik. Der Job stand immer stark im öffentlichen Fokus und war ein Schleudersitz. Man erinnere sich an die Abgänge von Rudolf Streicher, Johannes Ditz, Peter Michaelis, Markus Beyrer, Rudolf Kemler und zuletzt von Martha Oberndorfer.

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