Franz Dinghofer: Linzer Bürgermeister und dann bedeutender Politiker der Zwischenkriegszeit in Wien

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Politik | Inland
03/14/2019

NS-Vergangenheit: Diskussion um FPÖ-Säulenheiligen Dinghofer

Der frühere Linzer Bürgermeister und spätere Ausrufer der Ersten Republik war ab 1940 NSDAP-Mitglied. Kritik auch an ORF-Doku.

Die Linzer Grünen fordern, die Straßenschilder in der Dinghofer-Straße mit Zusatztafeln zu versehen, die auf eine NSDAP-Mitgliedschaft des ehemaligen Bürgermeisters Franz Dinghofer hinweisen. Auch eine Debatte über eine Umbenennung wäre für Klubobmann Helge Langer angebracht. Hintergrund ist eine entsprechende Recherche des Mauthausen Komitee Österreich (MKÖ), über die es am Donnerstag berichtete.

Der in Ottensheim geborene großdeutsche Politiker Dinghofer (1873-1956) war von 1907 bis 1918 Linzer Bürgermeister. In den 1920er-Jahren war er u.a. Nationalratsabgeordneter, Justizminister, Vizekanzler und Dritter Präsident des Nationalrates. Von 1928 bis 1938 war er Präsident des Obersten Gerichtshofes. Dinghofer ist in FPÖ-Kreisen hoch geschätzt, zuletzt hatte eine ORF-Dokumentation über ihn für Aufregung gesorgt.

In ORF-Doku als "Baumeister der Republik"

Das MKÖ kritisiert die am 23. Februar in der Reihe "Baumeister der Republik" ausgestrahlte Produktion: Die Doku zeichne den Politiker sehr freundlich. "Bis zur Geschichtsverfälschung steigert sich diese Tendenz der Darstellung, wenn es um das Verhältnis Dinghofers zum Nationalsozialismus geht", heißt es in einer Aussendung vom Donnerstag. Wer die Sendung gesehen hat, müsse glauben, Dinghofer habe den Nationalsozialismus abgelehnt.

Mitgliedsnummer 8450902

Das MKÖ berichtete von einer Anfrage beim Bundesarchiv in Berlin, ob Dinghofer NSDAP-Mitglied war. Die Auskunft lautete demnach: Dinghofer habe sich 1940 um die Aufnahme in die NSDAP bemüht, diese sei ihm bereits nach zweieinhalb Monaten gewährt worden. Seine Mitgliedsnummer sei 8450902 gewesen. "Soweit wir wissen, hat Franz Dinghofer kein Verbrechen begangen. Aber er hat ein Verbrecherregime unterstützt", betonte MKÖ-Vorsitzender Willi Mernyi.

"Das Bundesarchiv in Berlin hat uns auf eine einfache Anfrage hin nach nur einer Woche die NSDAP-Mitgliedskarte von Dinghofer übermittelt. Warum haben die Historiker der aufwendigen ORF-Dokumentation diesen selbstverständlichen Fakten-Check nicht geschafft?", wundert sich der Sprecher des OÖ. Netzwerks gegen Rassismus und Rechtsextremismus, Robert Eiter. Mernyi, der auch ORF-Publikumsrat ist, verlangt eine Entschuldigung bei den Zusehern.

Der Grüne Klubobmann in Linz, Helge Langer, findet "die Verklärung eines überzeugten Antisemiten und Nationalsozialisten" unerträglich. Die Stadt müsse "ein klares Zeichen setzen und die Straßenschilder in der Dinghoferstraße umgehend um die Information ergänzen, dass Dinghofer NSDAP-Mitglied war". Auch eine Diskussion um eine Umbenennung sei "mehr als angebracht", so Langer.

SPÖ fordert Konsequenzen

Die SPÖ-Sprecherin für Gedenkkultur Sabine Schatz hat am Donnerstag weitere Konsequenzen verlangt. Sie schloss sich zum einen der Forderung Mernyis nach einer Entschuldigung und einer "klaren Distanzierung des ORF" an. Zum anderen verlangte sie von der FPÖ die Umbenennung des FPÖ-nahen Franz-Dinghofer-Instituts.

"Die Verharmlosung und versuchte Reinwaschung der FPÖ ist skandalös und inakzeptabel", so Schatz. Dinghofer "war weder Patriot, noch ein Baumeister. Das muss auch die FPÖ zur Kenntnis nehmen". Wahre Patrioten seien vielmehr "jene mutigen Menschen, die Widerstand gegen das NS-Regime geleistet haben und dafür gequält und ermordet worden sind", gewesen.