Hofer zu Öxit: "EU-Austritt wäre ein Fehler"

Norbert Hofer
Foto: AP/Ronald Zak Norbert Hofer: Strategiewechsel im Wahlkampf?

Der Hofburg-Kandidat der FPÖ relativiert sein Liebäugeln mit einem EU-Referendum in Österreich. Die Fronten beim Wahlkampfthema EU scheinen damit etwas abgeschwächt.

Bundespräsidentschaftskandidat Norbert Hofer (FPÖ) kann sich offenbar nicht für einen "Öxit" erwärmen. "Ich bin nicht für einen Austritt Österreichs aus der Europäischen Union", sagte Hofer in einem Interview mit der Presse. Er ärgere sich seit Tagen, dass ihm das unterstellt werde. Er sei "not amused".

Unmittelbar nach dem Brexit-Votum der Briten klang das noch etwas anders. Da hatte Hofer in einem Interview von einem Referendum in Österreich gesprochen, wenn die Weichen in der EU in Richtung mehr Zentralismus gestellt würden. Hofer spricht nun von einem Referendum nur im "Extremfall", wenn die Türkei der EU beitrete oder die Mitgliedsstaaten durch neue Verträge "entmachtet" würden.

Hofer versucht offenbar, seinem Wahl-Kontrahenten Alexander Van der Bellen etwas Wind aus den Segeln zu nehmen. Dieser hatte angekündigt, das Thema Brexit und Öxit im Wahlkampf zu thematisieren. Im KURIER-Interview antwortete Van der Bellen auf die Frage, ob der Brexit eher ihm in die Hände spielen würde: "Wenn die FPÖ wie bisher behauptet, der EU-Austritt sei im Grunde eine zumindest überlegenswerte Sache, dann ja. Jeder, der etwas von Wirtschaft versteht, weiß: Die Engländer können einem nur leid tun. (...) Ich sage: Finger weg von solchen Experimenten wie dem Brexit."

Abgrenzung von Le Pen

Nun stimmt auch Hofer solche Töne an: "Für Österreich wäre es zweifellos ein Schaden, aus der EU auszutreten", erklärt er gegenüber der Presse. Der FPÖ-Kandidat grenzt sich somit inhaltlich vom rechtspopulistischen französischen Front National unter Marine Le Pen ab. Weil ein EU-Austritt Österreichs "ein Fehler wäre", sagt Hofer.

Erst kürzlich war Le Pen, die als Favoritin für den ersten Durchgang der französischen Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr gilt, auf FPÖ-Einladung in Wien zu Gast. Nun sagt Hofer: "Die Front National (sic) hat eine überaus kritische EU-Linie. Dort geht es stark in Richtung Austritt. Das ist nicht die Linie der FPÖ."

Nun doch für Fairnessabkommen

Auch bei einem anderen Thema hat Hofer am Freitag überrascht: Er will nun doch ein Fairnessabkommen im Stichwahlkampf. Das erklärte er per Aussendung, nachdem Kardinal Christoph Schönborn für einen solchen Pakt eingetreten war. Hofer hatte dies bei beiden vorherigen Wahlkämpfen als nicht notwendig abgetan, da die FPÖ ohnehin fair agiere. Nun führt er aber "negative Erfahrungen" ins Treffen.

Hofer sprach von Angriffen auf seine Familie, die "bei Weitem die Grenzen des guten Geschmacks überschritten" hätten. Wörtlich beklagte er eine "üble Schmutzkübelkampagne": "Die negativen Erfahrungen in den beiden vorangegangenen Wahlkämpfen haben gezeigt, dass ein solches Abkommen leider notwendig ist."

Er selbst werde sich "jedenfalls weiterhin daran halten, den politischen Mitbewerber und seine Familie nicht persönlich anzugreifen", und sei überzeugt, dass auch sein Kontrahent Alexander Van der Bellen so handeln werde. Überzeugungsarbeit sei aber bei den "Vorfeld- und Partei-Organisationen der linken Seite" angebracht, glaubt er.

Konkrete nächste Schritte nannte Hofer noch nicht. Auf Nachfrage meinte sein Sprecher, man greife nun einmal Schönborns Vorschlag auf: "Vielleicht moderiert das ja der Kardinal. Das wäre eine Möglichkeit."

(KURIER / tem) Erstellt am
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