Kunstmarmor-Porträt des Dritten Nationalratspräsidenten Norbert Hofer

© Kurier/Juerg Christandl

FPÖ
03/11/2017

"Vizekanzler kann ich mir nicht vorstellen"

Wie Norbert Hofer damit lebt, statt erster Mann in der Hofburg wieder dritter Nationalrats-Präsident zu sein.

von Johanna Hager, Jürg Christandl

Kein Ingwer-Tee mehr. "Dafür einen anderen. Es ist ja nicht mehr Winter." Und er nicht mehr Bundespräsidentschaftskandidat. Der längste Wahlkampf der zweiten Republik hat das Büro des Dritten Nationalratspräsidenten verändert. Ein überdimensioniertes Porträt – Geschenk aus dem Wahlkampf-Finale – thront förmlich, weil zu schwer, auf einer Staffelei aus Holz. Auf einem Lederfauteuil in der Ecke nimmt er – wie üblich bei Interviews (das vollständige KURIER-Interview lesen Sie hier)– Platz. Hinter ihm an der Wand das Porträt des Tiroler Freiheitskämpfers Andreas Hofer, vor ihm am Tisch Tee, E-Zigarette und Unterlagen, die er während des Gesprächs nie zur Hand nehmen wird. Der Burgenländer hat seine Botschaften wie stets im Kopf, wirkt trotz Terminstress gelassen. Ostentativ gelassen, was Kritik betrifft.

Dass sein Facebook-Posting von einem sonntäglichen Pizza-Essen mit Familie – weil mit altem Foto versehen – zum #pizzagate und zur internationalen Meldung wurde, lässt ihn schmunzeln.

"Es gibt eine unglaubliche Aufmerksamkeit in sozialen Medien. Vor einiger Zeit war das Winterwonder-Land von Kanzler Kern(Kern ließ aus dem Krankenstand ein Foto mit dem winterlichen Ausblick aus dem Kanzler-Büro posten) im Nationalratssitzungssaal das Thema. Das Pizza-Foto war nicht aktuell – daher die Aufregung."

Straches Stellvertreter

Gänzlich unbeeindruckt gibt er sich, wenn es um seine Position in der FPÖ geht. Dass partout er, den 2,1 Millionen Menschen zum Bundespräsidenten machen wollten, am Parteitag letzter Woche verkündete, dass Heinz-Christian Strache Spitzenkandidat der nächsten Nationalratswahl sein wird, habe er ganz bewusst gemacht.

"Weil ich ein klares Zeichen setzen wollte. Strache ist seit 12 Jahren Parteiobmann und bekommt knapp 99 Prozent. Das muss man erst einmal zustande bringen. Das zeigt, dass er auch die Partei zusammenhält. Dieses Ergebnis ist für die Parteiobmänner von SPÖ und ÖVP ganz schwer zu erreichen."

Keine Zweideutigkeiten, Zwischentöne oder Zweifel lässt Hofer im KURIER-Gespräch darüber aufkommen. Er, der doppelt so viele Wähler hinter sich vereinte wie die FPÖ bei der Nationalratswahl 2013 unter Strache, ist dessen erster Stellvertreter. Und Punkt. Auf Funktionen oder Positionen will er sich nicht festlegen – lassen.

"Am meisten Freude macht mir das, was ich jetzt mache. Wenn es nach einer Wahl zu einem Ergebnis x kommt und meine Partei zu mir sagt: ,Bleibe im Präsidium des Nationalrates‘ – dann wird mich das ganz besonders freuen. Wenn man mich bittet, etwas anderes zu machen, werde ich prüfen, ob ich dem gewachsen bin."

Landeshauptmann kein Thema

Dass Strache ihn bei einer etwaigen blauen Regierungsbeteiligung bitten könnte, den Vizekanzler zu stellen, quittiert er auch deutlich im Tonfall: "Das kann ich mir gar nicht vorstellen."

Noch weniger kann er der Idee abgewinnen, irgendwann Landeshauptmann des Burgenlands zu werden: "Das ist gar nicht Teil meiner Lebensplanung."

Sein Plan ist, den Pilotenschein zu machen, für den er seit Kurzem täglich eine Stunde lernt. Und im Mai mit FPÖ-Senioren auf Kreuzfahrt zu gehen. Eine Reise, die im Vorhinein beinah so viel Aufmerksamkeit erregte wie seine Russland-, USA- oder Israel-Reisen im Nachhinein.

" Ich selbst war auch überrascht, über das Medienecho. Ich fahre demnächst nach Zypern, besuche Vertreter des Parlaments. Wichtig ist für uns, weil wir nicht wissen, ob wir regieren werden, dass wir uns jedenfalls darauf vorbereiten. Was Russland und die USA betrifft, habe ich schon einmal gesagt, dass wir beiden Ländern viel zu verdanken haben. Kontakte zu diesen Ländern wie zu anderen Ländern zu unterhalten, ist wichtig."

"Mit Live-Cam in Israel"

Eines der Länder ist Israel, wo Hofer 2014 laut eigenen Angaben "mitten in einem Terroranschlag" war. Seinen Schilderungen folgten Recherchen, Ungereimtheiten und im Wahlkampf 2016 ein handfester Disput zwischen FPÖ und ORF, der seine Darstellung zu widerlegen versuchte. Ob Israel wieder ein Reiseziel ist, beantwortet Hofer mit dem ihm eigenen Humor.

"Sicher, ist aber derzeit nicht geplant. Dann muss ich mir überlegen, eine Live-Cam mitzunehmen. Ich werde im Rahmen meiner St.Georgs-Ordenstätigkeit auch nach England reisen. Du musst dich persönlich vorstellen, wenn auf dem Time-Magazin steht, der gefährlichste Mann Europas sei Norbert Hofer."

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