Niessls Rot-Blau-Kurs spaltet die SPÖ

LANDESHAUPTLEUTE-KONFERENZ IN LINZ: HÄUPL/NIESSL
Foto: APA/ROBERT JAEGER

Die Mehrheit aller Wähler ist offen für Rot-Blau. Bei den SPÖ-Anhängern steht es aber Spitz auf Knopf.

Hans Niessl regiert nicht nur seit Sommer 2015 mit den Freiheitlichen. Der burgenländische Landeshauptmann empfiehlt seinen "Tabubruch" Rot-Blau auch immer öfter für den Bund.

"Ich bin auf Bundesebene für Gespräche mit allen Parteien, auch mit der FPÖ", bekräftige Niessl ausgerechnet am Karfreitag: "Wir haben im Burgenland gezeigt, dass gute Arbeit mit der FPÖ möglich ist."

Wiens Bürgermeister Michael Häupl hält weiter eisern dagegen, er hat Rot-Blau erst diese Woche neuerlich klipp und klar ausgeschlossen – und verweist dazu auch auf einen einstimmen Bundesparteitagsbeschluss: "Das geht sich einfach ned aus".

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Doch Häupls Tage sind gezählt und parallel dazu wird das Niessl-Lager bei den Sozialdemokraten immer stärker. Nicht nur das: Die SPÖ ist in der Frage der Öffnung hin zu den Blauen regelrecht gespalten. Das belegt eine aktuelle KURIER-OGM-Umfrage.

Ihr zentrales Ergebnis: Die Österreicher glauben längst mehrheitlich, dass der Niessl-Kurs der richtige sei. 40 Prozent sagen, dass sich seine Position auch nach der nächsten Wahl durchsetzen wird. Nur noch 26 Prozent aller Wähler glauben an die Fortsetzung des Häupls-Kurses, sprich an die weitere strikte Abgrenzung zu den Blauen.

Immer brisanter wird die Lage aber für SPÖ-Chef Christian Kern: In der SPÖ-Wählerschaft (siehe Grafik) liegen beide Lager gleich auf: 45 Prozent der roten Anhänger sind wie Hans Niessl für ein Bündnis mit Heinz-Christian Strache, 44 Prozent halten mit Michael Häupl weiter dagegen.

Rote Überläufer zu Blau

Meinungsforscher, OGM-Chef Wolfgang Bachmayer verweist in diesem Zusammenhang auf die jüngsten Avancen der Blauen in Richtung SPÖ. "Eine kleine relative Mehrheit in der SPÖ ist nach wie vor skeptisch, was die Blauen angeht. Aber ein immer größerer Teil der Wählerschaft sagt ganz pragmatisch, Rot-Blau sollte doch einmal probiert werden. Man kann sich das vorstellen."

Bachmayer erinnert auch daran, dass Strache seinen Aufstieg zur Hälfte Ex-SPÖ-Wählern zu verdanken hat, die zur FPÖ übergelaufen sind. Viele heutige Blau-Wähler habe daher eine andere Beziehung zur SPÖ. Das falle nicht nur bei der Koalitionsfrage ins Gewicht, sondern auch bei der Frage, wie Ex-Rote zurückzugewinnen sind.

(kurier) Erstellt am
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