Politik | Inland
09.06.2017

SPÖ setzt auf Kern statt Kurz-Bashing

Das neue Video des SPÖ-Chefs bietet einen Vorgeschmack, wie er im Kanzler-Duell obsiegen will.

Er läuft durch den Wald; er gaberlt auf dem Fußballplatz; und immerzu erzählt er. Von einer Kindheit in Simmering, in der es "ganz viel Liebe und wenig Geld" gab. Von den hart arbeitenden Eltern, und wie er mit seiner Mutter zu Fuß die Supermärkte abklapperte, um Sonderangebote zu finden. Und schließlich berichtet Christian Kern von seinen Erfahrungen als allein-erziehender Vater. Nachts habe er für die Uni gelernt, um tagsüber für den Sohn da zu sein.

2:25 Minuten dauert ein Video, das binnen weniger Stunden mehr als 200.000 Besucher auf der Facebook-Seite der SPÖ sehen wollten.

Es ist der erste, nach außen hin sichtbare Wurf des neuen SPÖ-Wahlkampf-Strategen Stefan Sengl.

Und das Video nimmt vorweg, welche Erzählung die SPÖ in den nächsten 129 Tagen Wahlkampf bringen will, nämlich: Christian Kern ist ein Spitzenmanager und Familien-Vater, der sich aus einfachen Verhältnissen hoch arbeitete und über jede Menge Erfahrung verfügt.

"Wir wollen uns nicht mit den Schwächen der Konkurrenz beschäftigen, sondern die Qualitäten des Bundeskanzlers zeigen. Der Vergleich überzeugt", sagt Sengl.

Zufall oder nicht, folgt am Sonntag eine kleine mediale "Offensive": Auf Ö3 und in bunten Zeitungsbeilagen wird der vierfache Vater Kern zum Thema Vatertag interviewt. Eine aufgelegte Sache, möchte man meinen. Vor allem aber ist es eine Eigenschaft, die ihn von seinem Haupt-Konkurrenten unterscheidet: Sebastian Kurz hat – noch – keine Kinder.

Kern geht mit Video auf Charmeoffensive

Seit Christian Kern ( SPÖ) Ende Jänner gesagt hat, "95 Prozent der Politik bestehen aus Inszenierung", wird er den Satz nicht mehr los. Nun scheint der Bundeskanzler im Vorwahlkampf um Authentizität bemüht zu sein. Er veröffentlichte am Freitagmorgen auf seinem Facebook-Profil ein privates Video mit dem Titel "Miteinander kommen wir weiter".

Die wichtigsten Lebensstationen des 51-Jährigen werden mit Film- und Bildmaterial nachgezeichnet, von seiner Kindheit in Simmering, über seine Zeit als ÖBB-Chef, bis zu Auftritten als Bundeskanzler mit Papst und Merkel. Kern weist unter anderem auf seine Arbeiterklassenherkunft hin, und sagt über das Aufwachsen bei seinen Eltern: "Es gab viel Liebe und wenig Geld."

Emotional und mit pathetischer Musik unterlegt, versucht das Video eine möglichst breite Zielgruppe anzusprechen. Zahlreiche Verweise auf Chancengleichheit, Bildung ("Meine Mutter hat damals Berge versetzt, damit ich eine gute Ausbildung bekomm'") oder Bruno Kreisky lassen sozialdemokratische Themen in den Fokus rücken. Ein Parteilogo sucht man in dem Video allerdings vergeblich.

Kinder und Gaberln

Kern setzt sich volksnah in Szene, versucht sich wie einst Amtsvorgänger Viktor Klima beim Gaberln mit dem Fußball. Er gaberlt gut, aber auch nicht zu gut.

Auch Privates kommt nicht zu kurz: Der Kanzler öffnet sein Familienalbum und zeigt sich im österreichischen Teamtrikot beim Fußballschauen mit seinen drei Söhnen aus erster Ehe, als Bub in der Volksschule und mit seinen Eltern. Das Video zeigt auch ein Familienfoto mit seiner neugeborenen Tochter.

Die konzentrierte Charmeoffensive dürfte am kommenden Sonntag mit weiteren Einblicken ins Privatleben fortgeführt werden: Da ist Kern im ORF-Radio Ö3bei Claudia Stöckls Talk-Sendung "Frühstück bei mir" zu Gast.