SP-Politiker Mario Lindner ist seit 1.Juli Bundesratspräsident

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Diskriminierung
12/06/2016

Bundesratspräsident mit Kuss gegen Schwulenfeindlichkeit

Bundesratspräsident Mario Lindner bietet nach einer Attacke Homosexuellen-Feindlichkeit mit Kuss auf Facebook Paroli.

von Johanna Hager

"Fresse polieren". Es ist die Nacht von Freitag auf Samstag. Zwei Männer küssen sich auf offener Straße im ersten Bezirk. Der Kuss widerstrebt zwei Passanten. Ein Sprung in den Rücken, ein Schlag ins Gesicht, ein "Ich poliere dir die Fresse"-Schrei und die Aggressoren laufen davon. Die küssenden Männer bleiben verletzt zurück. Es sind Freunde von Mario Lindner.

Der SPÖ-Politiker und amtierende Bundesratspräsident, der sich zu seiner Homosexualität bekennt, ist "wütend, traurig, verärgert", wie er im KURIER-Gespräch sagt. Er will etwas tun, ein Zeichen setzen, und "sieht nur eine Möglichkeit". Er postet auf Facebook ein Foto. Das Bild zeigt ihn, einen Freund küssend – und die Courage des 34-Jährigen. "Ich will ein friedliches Land, ein gewaltfreies Land, ein Land, in dem sich gegenseitig geholfen wird und Solidarität gezeigt wird. Bin gespannt, wer mir die Fresse wegen diesem Foto poliert...", schreibt Lindner auf Facebook. Bis jetzt niemand. Stattdessen knapp 2000 "Daumen hoch"-Likes, Medienberichte im In- und Ausland. "Ich habe mit dieser Resonanz nicht gerechnet", freut sich der Bundesratspräsident. "Natürlich gibt es auch andere Kommentare auf Medienseiten, aber: Ich würde es jederzeit wiedertun. Es kann nicht sein, dass jemand im 21. Jahrhundert seine Homosexualität nicht frei leben kann."

Outing vor Amtsantritt

Das war auch der Grund, warum sich Lindner bei der diesjährigen Regenbogenparade und vor Amtsantritt an der Spitze des Bundesrates öffentlich zu seiner Homosexualität bekannte. "Wenn mein Outing nur einem Jugendlichen geholfen hat, zu seiner Sexualität zu stehen, dann war und ist es richtig."

Wie ernst es dem gebürtigen Steirer mit gelebter Zivilcourage ist, zeigt sich auch an der von ihm initiierten Enquete "Digitale Courage" und dem gleichnamigen Grünbuch. Darin schreibt er: "Wir müssen der schweigenden Mehrheit jede Hilfe anbieten, um auch im Netz Zivilcourage zu zeigen."