Politik | Inland
21.06.2017

Nach Aus als TV-Richterin: Tritt Irmgard Griss nun für die Neos an?

Kurze TV-Karriere: Anfang Mai startete der neue Polit-Talk mit der Ex-Hofburg-Kandidatin. Am 9. Juli ist schon wieder Schluss. Puls4 setzt die Sendung ab.

"Warum sollte ich scheitern? Abgesehen davon, wenn ich es nicht versuche, bin ich schon gescheitert." So selbstbewusst wischte Irmgard Griss noch Mitte April kritische Fragen vom Tisch, ob ein Misserfolg als TV-Moderatorin ihrem Image schaden könnte. Zwei Monate später ist die TV-Karriere der Ex-Hofburg-Kandidatin auch schon wieder passé. Das Intermezzo als TV-Richterin hatte eine Halbwertszeit von drei Sendungen. Der Privat-TV-Sender Puls4 legt den Polit-Talk Im Namen des Volkes bis auf weiteres auf Eis, berichtet das Magazin tvmedia. Am 9. Juli wird Griss das Format vorerst zum letzten Mal moderieren. Die offizielle Begründung für das Aus: Bis zur Wahl am 15. Oktober werden nun alle redaktionellen Kräfte für die entsprechende Berichterstattung mobilisiert – danach werde man schauen, wie und ob es mit Im Namen des Volkes weitergeht, hieß es.

Tatsache ist, die Sendung war kein Publikumshit: Nur 50.000 Zuseher verfolgten Im Namen des Volkes.

Strolz überrascht

Kräfte bündeln für die Wahl? Muss das vielleicht auch Griss? Das plötzliche Ende der Sendung macht natürlich Raum frei für neue Spekulationen. Tritt Griss nun als Kandidatin für die Neos bei der Nationalratswahl am 15. Oktober an oder nicht?

Es ist ein offenes Geheimnis, dass es Griss nach ihrem überraschenden Erfolg beim ersten Durchgang für die Bundespräsidentschaftswahl in die Politik zieht. Da die 71-Jährige als unabhängige Kandidatin antrat, wusste sie aber nie genau, in welcher Form sie ihr Potenzial von 18,9 Prozent der Stimmen politisch verwerten soll.

Es folgten Gespräche mit dem neuen ÖVP-Chef Sebastian Kurz, aber die beiden fanden keinen gemeinsamen Nenner. Ob es Griss nun zu den Neos zieht, ist noch offen. Die Grazer Top-Juristin war am Mittwoch für kein Statement zu erreichen. Das Büro von Neos-Chef Matthias Strolz gab sich ziemlich überrascht darüber, dass die Sendung von Griss eingestellt wird. "Das haben wir noch gar nicht gehört. Wir sind nach wie vor in Kontakt mit Frau Griss. Aber es gibt noch keine Entscheidung", heißt es aus dem pinken Klub.

Auch wenn das Image von Griss mit der Absetzung des Polit-Talks möglicherweise ein paar Kratzer abbekommen hat, für die Neos wäre eine Kandidatur von Griss unbestreitbar ein Gewinn.

Zuletzt kämpfte Strolz mit prominenten Abgängen aus seinem pinken Parlamentsteam. So verabschiedete sich Rainer Hable, der sich im Hypo-Prozess einen Namen als Aufdecker gemacht hatte. Mediensprecher Niko Alm ließ sich von Dietrich Mateschitz abwerben. Der in Ungnade gefallene Abgeordnete Christoph Vavrik legte sein Mandat nicht wie erwartet nieder, sondern wechselte zur ÖVP.