Rathgeber (42) präsentierte ihr Buch – der Medienandrang war groß

© APA/BARBARA GINDL

Salzburg
11/26/2013

„Möchte wieder im Finanzbereich arbeiten“

Finanzskandal: Die zentrale Figur, Monika Rathgeber, sieht sich in ihrem Buch als Sündenbock.

von Raffaela Lindorfer

Am System zerbrochen“ als Titel, am Buch-Cover eine zerborstene Disco-Kugel als Illustration. Was will Monika Rathgeber, beschuldigt wegen Betrugs und Untreue im Rahmen des Salzburger Finanzskandals, damit ausdrücken? „Mein Leben ist vor knapp einem Jahr zerbrochen. Ich als Person bin es nicht“, erklärte die 42-Jährige bei der Präsentation ihres Buches am Dienstag. Die langen Haare zu einem Zopf geflochten, modisch gekleidet und an der Seite ihres Anwalts Herbert Hübel stellte sie sich dem Blitzlichtgewitter – „ein wenig nervös“, wie sie eingestand. Und wenn sie lächle, dann nur zum Schutz. „Zum Lachen ist mir nämlich gar nicht zumute.“

Fast ein Jahr ist es her, dass Landeshauptfrau Gabi Burgstaller, Finanzlandesrat David Brenner (beide SPÖ) und Eduard Paulus, Leiter der Finanzabteilung – allesamt „Ehemalige“ –, die Bombe um die Spekulationen, die das Land mit rund 340 Millionen Euro belasten dürften, platzen ließen.

In ihrem Buch erklärt die Ex-Leiterin des Budgetreferats, wie es aus ihrer Sicht zu dem Finanzskandal kommen konnte. Die 260 Seiten seien eine Klarstellung, eine Art Tagebuch mit therapeutischer Wirkung. Ihr Resümee: „Ich habe Fehler gemacht. Ich hätte mehr kommunizieren und aufschreiben müssen.“

„Habe Fehler gemacht“

Ansonsten würde sie alles wieder genauso machen: Unterschriften kopieren, sich Vorgesetzten widersetzen, mit Steuergeld spekulieren – alles nur, um Schaden vom Land abzuwenden, wird sie nicht müde zu betonen. „Ich sehe mich auf jeden Fall als Sündenbock“, sagt die als „Zocker-Moni“ titulierte Beamtin, und spricht zugleich eine Warnung an ihre Kollegen aus: „Es war für mich unvorstellbar, wie sich der Machtapparat gegen eine einzelne Person richten kann. Wie man demontiert und kaltgestellt wird. “

Dennoch: Als Abrechnung mit den agierenden Personen sei dieses Buch nicht zu verstehen. „Vielleicht kriegen manche ein ungutes Gefühl“, deutet sie an.

Zu seiner seelischen Befindlichkeit will sich ihr Ex-Vorgesetzter Paulus im Gespräch mit dem KURIER nicht äußern. „Ich werde mir das Buch in Ruhe durchlesen, dann überlege ich mir, ob ich klagen muss“. Sollte Rathgeber Lügen verbreiten, werde er jedenfalls nicht zögern.

Das Buch ist mit einer Auflage von 5000 Stück seit Dienstag im österreichischen und deutschen Buchhandel (17,90 Euro) erhältlich. Wie es für die Neo-Autorin weitergeht? „Ich würde gerne wieder im Finanzbereich arbeiten, habe mich aber noch nicht entschieden.“ Dass derzeit ein Strafverfahren gegen sie läuft, erleichtere die Jobsuche nicht gerade, sagt sie. Im vergangenen Jahr habe sie von Arbeitslosenunterstützung gelebt und bei ihren Eltern im Innviertel (OÖ) Ruhe gefunden. Das Buch soll ihr Comeback markieren: „Ich hoffe, dass es auch für mich eine Zukunft gibt.“

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