Pandur-Bilder Die sind erst ein paar Tage alt aus dem Kosovo

© KURIER/Wilhelm Theuretsbacher

Verteidigungspolitik
12/31/2016

Minister Doskozil stockt die Panzerflotte auf

Pandur - Panzerkauf macht das Heer mobil.

von Wilhelm Theuretsbacher

Gerade noch rechtzeitig vor Jahreswechsel kam das gr√ľne Licht aus dem Finanzministerium, und Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil schlug zu: Im Steyr-Panzerwerk SSF in Wien-Simmering wurden 34 Mannschaftstransportpanzer "Pandur" um 105 Millionen Euro geordert ‚Äď eine modernisierte Version des "Pandur I" mit einer leistungsf√§higen Waffenstation statt dem alten Maschinengewehr des Vorg√§ngermodells.

Durch die Einsparungen der letzten Jahre verlor das Heer beinahe 60 Prozent seiner Panzer und die H√§lfte der Fahrzeugflotte. Die wenigen noch vorhandenen Mannschaftstransportpanzer werden in der Kaserne Stra√ü f√ľr Ausbildungszwecke genutzt, der Rest wird im Kosovo eingesetzt.

Doskozil leitete mit seiner Entscheidung aber auch eine industriepolitische Wende in der Beschaffungspolitik des Heeres ein. In fr√ľheren Jahrzehnten kooperierten Heer und Unternehmen eng. √Ėsterreichische Erfolgsprodukte, wie Steyr-Allradfahrzeuge, Panzer, das Sturmgewehr 77 und die Glock-Pistole sind in Zusammenarbeit zwischen Industrie und dem Heer entstanden. Produkte, die weltweit konkurrenzf√§hig sind und einige Industriestandorte begr√ľndeten. Im 2004 gab es aber erstmals in der Heer-Reformkommission die Idee, k√ľnftig auf Eigenentwicklungen zu verzichten und billig auf dem Weltmarkt einzukaufen.

Statt mit Steyr-Panzern sollten die Soldaten mit k√ľnftig geh√§rteten Lkw aus Deutschland ins Gefecht ziehen. In ihrer Not entdecken damals schon die Gener√§le die Liebe zu heimischen Arbeitspl√§tzen. In einer Generalstabs-Studie hie√ü es, dass beim Kauf von Steyr-Panzern "von dem Millionenauftrag eine √∂sterreichische Firma profitieren w√ľrde und mehrere hundert Arbeitspl√§tze im Raum Wien erhalten bleiben".

Die Gener√§le wurden von damaligen Politikern nicht geh√∂rt. Missmutig reagierte darauf aber der SSF-Eigent√ľmer, der US-Multi General Dynamics. Man w√§re nicht an einem Standort interessiert, an dem nicht einmal die eigene Armee die Produkte kaufe, war zu h√∂ren. Die Amerikaner k√ľndigten den Abbau der damals 700 Mitarbeiter an.

Doskozil m√∂chte jetzt wieder mit der Wirtschaft kooperieren. Im Gegensatz zu seinen Vorg√§ngern war er auf Betriebsbesuch in Simmering: "Der hohe Anteil an √∂sterreichischer Wertsch√∂pfung kommt Arbeitnehmern und Wirtschaft zugute. Damit werden der Standort Simmering und Arbeitspl√§tze gesichert." Vom Panzerkauf profitieren 250 Mitarbeiter in Wien und 179 Zulieferfirmen. So sieht man es wohl auch im Finanzressort. Im Generalstab herrschte die Angst, widerwillige Beamte des Finanzministeriums k√∂nnten die Beschaffung verz√∂gern. Das war nicht der Fall. Und so dankt Doskozil Minister Hans J√∂rg Schelling "f√ľr die ausgezeichnete Zusammenarbeit".

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